In welche Richtung wird sich die deutsche Medienlandschaft entwickeln? Und wohin die globale? Spätestens seit Internet-Gemeinschaften wie You Tube oder My Space zu Meinungsmachern geworden sind, dämmert auch deutschen Verlegern der Zeitenwandel. Online-Formate gewinnen an Bedeutung, und die großen Print-Medien beginnen umzudenken. Gut, dass uns Entscheidungsträger wie der Verleger Hubert Burda Nachhilfestunden in Sachen Popkultur und Wirtschaftsentwicklung geben können – die Zukunft schon vor Augen.

Im großen ZEIT- Interview erklärt Burda, wie das war, mit Dutschke und Dylan und dem Silicon Valley. "Wir müssen in Deutschland darüber nachdenken, warum der Computer zwar hier von Zuse erfunden wurde, aber das große Kapitel der Entwicklung in Amerika spielte. Ist das nicht der Unterschied zwischen Rudi Dutschke und Bob Dylan? 1968 in den USA, das war das Lebensgefühl einer ganzen Generation, antiautoritär, offen, eher links. Scott McKenzie sang: ' …going to San Francisco '. Daraus entstand diese kreative Kultur des Silicon Valley zwischen Universitäten und Garagenfirmen, aus der sich dann Microsoft, Apple, Sun und heute Google entwickelten."

Ach, deshalb stimmt Bob Dylan in seinem Radioprogramm beim amerikanischen Satelliten-Sender XM Radio allwöchentlich ein Loblied auf das musikalische Gestern an, während hierzulande der Dudelfunk regiert. "Die Zukunft der Musik liegt in der Vergangenheit", sagt Dylan. "Stimmt das?", fragt Johannes Waechter in der Wochenendbeilage der SZ .

Dylans Vorliebe für die "alte Musik" und die aktuelle Entwicklung der Popkultur widersprächen der "linearen Fortschrittslogik", die bislang für die Entwicklung der Rock- und Popmusik gegolten habe. "Jeder Trend wurde von einem moderneren abgelöst, irgendwie ging es immer nach vorne, bis zu Hip-Hop, Techno und Drum & Bass. Seit einigen Jahren greift diese Logik nicht mehr. Neue Ideen lassen auf sich warten (…)."

Entdeckungen ließen sich dagegen, folgt man Dylan, auf alten Schellack-Platten machen. Blues, Hillbilly-Lieder, Pop-Balladen der Dreißiger. Aber auch wirkliche Kuriositäten, wie Waechter schreibt. "Kubanische Rhythmen, Hawaii-Gitarren, die Weisen der Wolga-Tataren, singende Kanarienvögel, kommunistische Kampflieder, indische Tempelgesänge – alles dabei, selbst die Stimme des letzten päpstlichen Kastratensängers im Vatikan!"