In einer Kolumne über Geldanlage und private Vorsorge sollte die Politik eigentlich nur am Rande vorkommen. Ganz aus dem Spiel bleiben kann sie aber nicht. Schließlich setzt der Staat in Sachen Vorsorge die Rahmenbedingungen für Arbeitnehmer, Rentner und Anleger. Und nicht zuletzt wird die staatliche Rente trotz aller privaten Anstrengungen für viele Bürger immer noch ein wesentlicher Baustein der Altersvorsorge bleiben - allein dadurch, dass sie auch in Zukunft rund zehn Prozent ihres Einkommens in die staatliche Rentenversicherung einzahlen müssen, Tendenz steigend.

Angesichts solcher Summen ist die Frage berechtigt: Was bekommt der Beitragszahler am Ende denn ausbezahlt? Nicht viel, steht zu befürchten. Vor allem aber viel weniger, als selbst gemäßigte Pessimisten glauben.

Schritt für Schritt gestehen nämlich immer mehr Politiker ein, dass die staatliche Rente in Zukunft zwar weiterhin sicher, aber eben auch sehr gering sein wird. Die neuesten Zahlen dazu lieferte am Mittwoch die Süddeutsche Zeitung, die vorab Informationen aus dem Rentenbericht der Bundesregierung veröffentlichte. Darin wird ganz offiziell vorgerechnet, dass die Rentner in den nächsten Jahren mit Einbußen rechnen müssen. Die so genannte Eckrente soll sinken, im Westen von derzeit 1065 Euro auf 1061 Euro im kommenden Jahr, im Osten Deutschlands von rund 940 Euro auf 935 Euro. Zur Erläuterung: Der „Eckrentner“ ist eine statistische Kunstfigur, von dem angenommen wird, dass er 45 Jahre lang immer den Durchschnittslohn verdient und davon die jeweils gültigen Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt hat.

Vier Euro Verlust für den Eckrentner, das klingt nach wenig und ist zudem sehr abstrakt. Doch das täuscht, denn die Bezüge der Rentner sind schon seit drei Jahren nicht mehr gestiegen. Grund dafür ist eine Reihe von Korrekturfaktoren, die helfen sollen, dem demografischen Wandel der Gesellschaft gerecht zu werden. Grundsätzlich steigen die Renten zwar im Rhythmus der Löhne, doch der so genannte Riesterfaktor - der zunächst bis zum Jahr 2010 generell 0,6 Prozentpunkte abzieht - und ein Nachhaltigkeitsfaktor - der in einer für den Laien sehr komplizierten Rechnung das Verhältnis zwischen der Zahl der Rentner und der Beitragszahler berücksichtigt - bremsen ihren Anstieg deutlich.

Streng genommen hätten beide Faktoren in den vergangenen Jahren sogar eine Minderung der Renten zur Folge gehabt, weil die Löhne in dieser Zeit kaum gestiegen sind. Doch dafür wollte dann doch kein Politiker geradestehen, es blieb zunächst bei Nullrunden.

Dadurch werden die Renten immer mehr von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt und, was noch wichtiger ist, auch von der Preisentwicklung. Schon jede Nullrunde kam einer Rentensenkung gleich, da die Rentner aufgrund der Inflation immer weniger für ihr Geld kaufen können – von zusätzlichen Belastungen wie etwa höheren Zuzahlungen für die Gesundheit ganz zu schweigen. Nun also wird auch ganz offiziell gekürzt.