Datenschutz Anonym Surfen?
Die Reise durchs Internet hinterlässt Spuren. Sie lassen sich minutiös verfolgen und im großen Stil speichern. Doch mithilfe eines "Dongles" können sich User dagegen wehren.
Es möchte wohl kaum jemand, dass ihm im Netz ständig jemand über die Schulter guckt, und eine Möglichkeit, dies künftig zu verhindern, ist der Privacy-Dongle des Bielefelder FoeBuD e.V. (Ausrichter des Big Brother Awards - ZEIT online berichtete ). Der Dongle ist ein USB-Stick, mit dessen Hilfe man von jedem Windows-PC aus durch verschlüsselte Verbindungen surfen kann. Es wird damit zumindest äußerst schwer, die eigene Datenschneise im Netz zu verfolgen.
Mit dem Dongle gegen Datenspionage
Auf dem USB-Stick ist das Programm TorPark gespeichert, in einer angepassten und in der englischen Originalversion. TorPark ist eine mobile Version des Webbrowsers Firefox , die über das TOR-Netzwerk Verbindungen zu Webseiten herstellt. Beim TOR-Netzwerk wiederum handelt es sich um einen Verbund von Rechnern im Internet, die jede Verbindung des Webbrowsers zur gewünschten Website durch drei verschiedene Rechner neu verschlüsseln. Keiner der drei Rechner kann nachvollziehen, was der Browser abgerufen hat.
Der USB-Stick mit dem installierten Programm macht die Anwendung kinderleicht und lässt sich nicht nur zu Hause, sondern an jedem PC mit USB-Anschluss einsetzen - also auch im Internet-Café oder am Arbeitsplatz, sofern das private Surfen dort erlaubt ist. Die Verschlüsselung verhindert in diesem Fall übrigens auch, dass der Arbeitgeber das gestattete Surfverhalten ausspioniert und für seine Zwecke verwertet. Von der Anonymisierung merkt der Anwender nahezu nichts, abgesehen vielleicht von einem geringen Geschwindigkeitsverlust, der von der Auslastung des TOR-Netzwerks abhängt. Verschlüsselt werden allerdings nur Verbindungen des Browsers, über Email-Programme verschickte Nachrichten bleiben unverschlüsselt.
Warum aber sollte man seine Verbindungsdaten verschleiern? Schließlich besuchen die meisten Menschen keine verbotenen Webseiten oder tauschen in krimineller Weise Daten aus. Doch aus den gesammelten Verbindungsdaten lassen sich hervorragende Profile erstellen, für die sich nicht nur unbekannte Datensammler im Netz interessieren, sondern immer mehr auch Institutionen, die EU und nicht zuletzt die Bundesregierung.
Die Vorratsdatenspeicherung kommt
Am 8.11. hat Bundesjustizministerin Zypries (SPD) den Referentenentwurf vorgestellt, nach dem die Vorschriften zur Telekommunikationsüberwachung neu geordnet werden sollen. Die Ministerin will damit eine EU-Richtlinie aus dem Jahre 2005 umsetzen. In Zukunft werden dann alle Verbindungsdaten der Telekommunikation für sechs Monate auf Vorrat gespeichert.
- Datum 17.11.2006 - 13:56 Uhr
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