telekom Telekom wechselt Spitze aus

René Obermann ersetzt an diesem Montag Vorstandschef Kai-Uwe Ricke. Er soll den Konzern aus dem Tief führen. Doch die strikte Regulierung macht dem Unternehmen weiter zu schaffen

Die Telekom schasst ihren Vorstandsvorsitzenden und legt die Geschicke des Konzerns in die Hände von René Obermann. An diesem Montag vollzog der Aufsichtsrat unter Führung des Post-Chefs Klaus Zumwinkel den Wechsel offiziell. Damit löst die Telekom nach nur vier Jahren abermals ihren Spitzenmanager ab. Mit Obermann übernimmt der bisherige Leiter der Mobilfunksparte des Unternehmens das Geschäft. Sein Vertrag läuft fünf Jahre.

"Einvernehmlich" habe man sich mit dem bisherigen Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke geeinigt, hieß es aus der Konzernzentrale. Der Grund für den Schritt: ausbleibende Erfolge und die Herabsetzung der Gewinnprognose, die den Aktienkurs des Unternehmens stark belastet hatte. Erst am Donnerstag hatte die Telekom mitgeteilt, dass sie auch im dritten Quartal weniger verdient hatte als im Vorjahr und ein milliardenschweres Sparprogramm auflegen werde. Der Nettogewinn sank zwischen Juli und September um 34 Prozent auf 980 Millionen Euro. Vor allem in der Festnetzsparte war das Geschäft in den vergangenen Monaten stark eingebrochen. Nur in diesem Jahr hatte die Telekom hier 1,5 Millionen Kunden verloren. Wachstumsnachrichten konnte nur noch die Mobilfunksparte verbreiten.

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Mit dem Wechsel zu René Obermann übernimmt nun ein Mann die Führung, der zumindest von seiner Entwicklung her die beiden Hauptanteilseigner, den Bund (mit 30 Prozent Aktienanteil) und den Finanzinvestor Blackstone (4,5 Prozent) , zufrieden stellen kann. Beide Anteilseigner hatten auf einen Wechsel gedrängt, war aus Konzernkreisen zu vernehmen. Obermann hatte beim Mobilfunk einige beachtete Erfolge in Amerika erzielt und gilt, glaubt man der Frankfurter Allgemeinen Zeitung , als „ein klares Zeichen für die weitere Internationalisierung“. Gleichzeitig übernimmt nicht, wie von Blackstone und anderen Finanzinvestoren schon häufiger gefordert, ein „Sanierer von außen“ das Ruder, sondern ein Deutscher, von dem man hofft, dass er auch mit den schwierigen Strukturen deutscher Regulierung und Politik zurechtkommen kann.

Denn anders als bei anderen großen Konzernen, die lediglich mit den widerstrebenden Interessen von Kunden, Aktionären und Mitarbeitern zurechtkommen müssen, stößt die Telekommunikationsbranche in Deutschland auf Behörden wie die Bundesnetzagentur und die EU-Kommission. Beide greifen immer wieder massiv ins Geschäft ein. Beispielsweise legen die Behörden im Streitfall fest, zu welchen Konditionen die Telekom ihren Konkurrenten das Leitungsnetz samt Technik überlassen muss.

Ricke hatte seinen Chefposten vor fast genau vier Jahren, Mitte November 2002, angetreten. Dabei hatte er von seinem Vorgänger Ron Sommer einen großen Schuldenberg übernommen und deswegen einen harten Sanierungskurs eingeschlagen. Mit Erfolg. Die Schulden sind halbiert. Dazu baute das Unternehmen massiv Stellen ab. Bis zum Jahre 2008 sollen nach heutigen Plänen weitere 32.000 Stellen wegfallen, insgesamt werden es seit der Privatisierung 150.000 sein. Noch am Wochenende forderte Ricke die Mitarbeiter von Call-Centern und Kundendienst auf, einer Anhebung der Wochenarbeitszeit von 34 auf 38 Stunden zuzustimmen. Damit solle ein Stellenabbau vermieden werden. Allerdings müssten die etwa 45.000 Betroffenen einen Wechsel von der T-Com zu schlechteren Konditionen in die neue Tochtergesellschaft T-Service und eine Call-Center-Gesellschaft akzeptieren. Die Beschäftigten treffen solche Vorhaben besonders hart. Denn bis heute ist es den Konkurrenten nicht gelungen, auch nur die Hälfte dieser gestrichenen Stellen zu kompensieren.

Das größte Problem des Konzerns dürfte aber sein, dass Ricke und seine Berater den wachsenden Wettbewerb im ersten Halbjahr dieses Jahres unterschätzt haben. Denn inzwischen sind einige Konkurrenten der Telekom aufgewacht. TV-Kabelfirmen bieten plötzlich an, über ihre speziellen Leitungen nicht nur fernzusehen, sondern auch zu telefonieren und ins Internet zu gehen. Telefonunternehmen haben begriffen, dass mit den Internetzugängen DSL richtig Geld zu verdienen ist.

Dabei hatte Ricke eigentlich richtig reagiert. Gerade bringt die Telekom ihr Gerät T-One auf den Markt. Es nutzt zu Hause das Festnetz, wandelt sich unterwegs zum normalen Handy und kann zudem noch die neue Technologie Voice over IP nutzen. Außerdem baut die Telekom ihr Hochgeschwindigkeitsnetz (VDSL) aus. Keiner ihrer großen Konkurrenten wartet schon mit ähnlichen Neuerungen auf.

Dennoch wechseln die Kunden zu anderen Anbietern. Das, so darf nicht vergessen werden, ist politisch auch gewollt. Denn mit der Öffnung des Telekommunikationsmarktes sollte der Exmonopolist Marktanteile einbüßen und Kunden abgeben. Das war Sinn und Zweck der Liberalisierung. Nur hat sich die Politik nie darauf eingelassen zu sagen, wie sehr die Telekom schrumpfen soll. Konkrete Vorgaben gibt es nicht. Insofern sind die Vorwürfe, die Ricke nun gemacht werden, nur zum Teil berechtigt. Es bleibt fraglich, was René Obermann dauerhaft erreichen kann. Er selbst ist sich dieser Spannungen jedenfalls durchaus bewusst. Kaum Vorstandschef, sagte Obermann am Montag: "Die Rahmenbedingungen werden in Zukunft schwierig bleiben" und verwies auf die Anstrengungen der Regulierer für mehr Wettbewerb.

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Leser-Kommentare
  1. Da hackt nun alles auf dem ehemaligen Telekom-Chef Ricke herum. Der neue Boss Rene Obermann wetzt schon das Messer. Personalabbau, seine erste Empfehlung und mehr fällt ihm auch nicht ein. Nur, das ist so einfach auch nicht zu realisieren. Ein großer Teil des ehemaligen Beamtenapparats genießt lebenslangen Kündigungsschutz, wie will er diese Leute los werden? Auch er wird an dieser Aufgabe scheitern. Soweit ja auch nichts Neues. Das gleiche Strickmuster wie immer, wenn unseren Nadelstreifenträgern nicht mehr einfällt. Alarmierend, für mich, in diesem Theaterstück ist die Tatsache, dass in diesem Falle, um Ricke zu stürzen, der Investor Blackstone vertreten durch seinen Gründer Stephen Schwarzman, persönlich bei unserer "verehrten" Frau Bundeskanzlerin Merkel und Pseudosozi Peer Steinbrück in Berlin intervenierte. Danach mußte Ricke gehen. "Wer regiert eigentlich unser Land"? Frau Merkel, Herr Steinbrück. Müssen wir wirklich vor jedem Investor, dem seine Felle wegschwimmen, kuschen?

    • hagego
    • 13.11.2006 um 14:43 Uhr

    Irgendwie ist es ja ein wenig komisch: die Firma heißt "TeleKOM". Aber dem Chef sagt man: "GEH!" Diese Ambivalenz setzt sich im UNTERnehmen fort: Der neue Chef heißt OBERmann...
    In diesem Sinne weisen Hausse-gemachte Probleme auf eine Wertsteigerung des Konzerns hin.

  2. was für regulierung macht telekom zu schaffen?
    das management hat es bisher zumindest verstanden,
    die arbeitnehmer durch permanente umstrukturierungen von links nach rechts und zurück zu scheuchen - very flexibel.
    scheint nix gebracht zu haben; jetzt ist es die regulierung, die schuld ist, oder eben herr ricke, der nun obermann heißt.
    schau mer mal...

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