telekom Telekom wechselt Spitze ausSeite 2/2
Ricke hatte seinen Chefposten vor fast genau vier Jahren, Mitte November 2002, angetreten. Dabei hatte er von seinem Vorgänger Ron Sommer einen großen Schuldenberg übernommen und deswegen einen harten Sanierungskurs eingeschlagen. Mit Erfolg. Die Schulden sind halbiert. Dazu baute das Unternehmen massiv Stellen ab. Bis zum Jahre 2008 sollen nach heutigen Plänen weitere 32.000 Stellen wegfallen, insgesamt werden es seit der Privatisierung 150.000 sein. Noch am Wochenende forderte Ricke die Mitarbeiter von Call-Centern und Kundendienst auf, einer Anhebung der Wochenarbeitszeit von 34 auf 38 Stunden zuzustimmen. Damit solle ein Stellenabbau vermieden werden. Allerdings müssten die etwa 45.000 Betroffenen einen Wechsel von der T-Com zu schlechteren Konditionen in die neue Tochtergesellschaft T-Service und eine Call-Center-Gesellschaft akzeptieren. Die Beschäftigten treffen solche Vorhaben besonders hart. Denn bis heute ist es den Konkurrenten nicht gelungen, auch nur die Hälfte dieser gestrichenen Stellen zu kompensieren.
Das größte Problem des Konzerns dürfte aber sein, dass Ricke und seine Berater den wachsenden Wettbewerb im ersten Halbjahr dieses Jahres unterschätzt haben. Denn inzwischen sind einige
Konkurrenten der Telekom
aufgewacht. TV-Kabelfirmen bieten plötzlich an, über ihre speziellen Leitungen nicht nur fernzusehen, sondern auch zu telefonieren und ins Internet zu gehen. Telefonunternehmen haben begriffen, dass mit den Internetzugängen DSL richtig Geld zu verdienen ist.
Dabei hatte Ricke eigentlich richtig reagiert. Gerade bringt die Telekom ihr Gerät T-One auf den Markt. Es nutzt zu Hause das Festnetz, wandelt sich unterwegs zum normalen Handy und kann zudem noch die neue Technologie Voice over IP nutzen. Außerdem baut die Telekom ihr
Hochgeschwindigkeitsnetz (VDSL)
aus. Keiner ihrer großen Konkurrenten wartet schon mit ähnlichen Neuerungen auf.
Dennoch wechseln die Kunden zu anderen Anbietern.
Das, so darf nicht vergessen werden, ist politisch auch gewollt.
Denn mit der Öffnung des Telekommunikationsmarktes sollte der Exmonopolist Marktanteile einbüßen und Kunden abgeben. Das war Sinn und Zweck der Liberalisierung. Nur hat sich die Politik nie darauf eingelassen zu sagen, wie sehr die Telekom schrumpfen soll. Konkrete Vorgaben gibt es nicht. Insofern sind die Vorwürfe, die Ricke nun gemacht werden, nur zum Teil berechtigt. Es bleibt fraglich, was René Obermann dauerhaft erreichen kann. Er selbst ist sich dieser Spannungen jedenfalls durchaus bewusst. Kaum Vorstandschef, sagte Obermann am Montag: "Die Rahmenbedingungen werden in Zukunft schwierig bleiben" und verwies auf die Anstrengungen der Regulierer für mehr Wettbewerb.
Zum Thema:
Die Prügelknaben-Nummer:
Nicht der Vorstandschef ist schuld – Aktionäre und eine strikte Regulierung machen der Telekom zu schaffen
Aktuelles aus der Wirtschaft »
Analysen und Hintergründe »
- Datum 13.11.2006 - 02:30 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Da hackt nun alles auf dem ehemaligen Telekom-Chef Ricke herum. Der neue Boss Rene Obermann wetzt schon das Messer. Personalabbau, seine erste Empfehlung und mehr fällt ihm auch nicht ein. Nur, das ist so einfach auch nicht zu realisieren. Ein großer Teil des ehemaligen Beamtenapparats genießt lebenslangen Kündigungsschutz, wie will er diese Leute los werden? Auch er wird an dieser Aufgabe scheitern. Soweit ja auch nichts Neues. Das gleiche Strickmuster wie immer, wenn unseren Nadelstreifenträgern nicht mehr einfällt. Alarmierend, für mich, in diesem Theaterstück ist die Tatsache, dass in diesem Falle, um Ricke zu stürzen, der Investor Blackstone vertreten durch seinen Gründer Stephen Schwarzman, persönlich bei unserer "verehrten" Frau Bundeskanzlerin Merkel und Pseudosozi Peer Steinbrück in Berlin intervenierte. Danach mußte Ricke gehen. "Wer regiert eigentlich unser Land"? Frau Merkel, Herr Steinbrück. Müssen wir wirklich vor jedem Investor, dem seine Felle wegschwimmen, kuschen?
Irgendwie ist es ja ein wenig komisch: die Firma heißt "TeleKOM". Aber dem Chef sagt man: "GEH!" Diese Ambivalenz setzt sich im UNTERnehmen fort: Der neue Chef heißt OBERmann...
In diesem Sinne weisen Hausse-gemachte Probleme auf eine Wertsteigerung des Konzerns hin.
was für regulierung macht telekom zu schaffen?
das management hat es bisher zumindest verstanden,
die arbeitnehmer durch permanente umstrukturierungen von links nach rechts und zurück zu scheuchen - very flexibel.
scheint nix gebracht zu haben; jetzt ist es die regulierung, die schuld ist, oder eben herr ricke, der nun obermann heißt.
schau mer mal...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren