Bundeswehr Ab in den Süden?

Die Nato-Verbündeten verlangen, dass die Bundeswehr auch in die gefährlicheren Regionen Afghanistans geht. Zu Recht. Ein Kommentar

Gefährliche Mission: Ein Bundeswehrsoldat der ISAF-Truppe in Kabul

Gefährliche Mission: Ein Bundeswehrsoldat der ISAF-Truppe in Kabul

Als noch das Wort des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann (SPD) galt, der Frieden sei der Ernstfall, da waren die Deutschen die Musterknaben der Nato. Doch in diesen Zeiten führt das Bündnis Krieg, nämlich in Afghanistan, und auf einmal wandelt sich das Image des deutschen Soldaten. Er ist nicht mehr der effiziente, verlässliche Ingenieur und Rüstungsbürokrat, sondern ein Weichei.

Sinngemäßes bekommen Bundeswehrgenerale derzeit zu hören, weil die politische Führung darauf beharrt, dass am deutschen Auftrag in Afghanistan nicht gerüttelt wird . Abgesehen von der Teilnahme von KSK-Kräften an der Terrorbekämpfung in Afghanistans Süden bleibt die deutsche Truppe im Norden. Dort also, wo sie einigermaßen friedliche Aufbauarbeit im Rahmen des ISAF-Mandats leisten kann, während ihre Nato-Kameraden, ebenfalls unter ISAF-Mandat, im Süden unter Feuer stehen.

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Da muss man genau unterscheiden. Der Einsatz der KSK hat mit dem Nato-Auftrag nichts zu tun. Die KSK nimmt ungefähr in Kompaniestärke an der Terrorbekämpfung zusammen mit Briten und Amerikanern teil; der Feldzug heißt enduring freedom . Die anderen Bundeswehrsoldaten gehören zu dem Nato-Kontingent, das im Auftrag der afghanischen Regierung und der Vereinten Nationen eine Aufgabe erfüllen soll, deren Formulierung jeder Soldat mit sich herumträgt und die folgendermaßen lautet: „"Unterstützung der vorläufigen Staatsorgane Afghanistans und ihrer Nachfolgeinstitutionen bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit, so dass sowohl die afghanischen Staatsorgane als auch das Personal der Vereinten Nationen (inkl. ISAF) und anderes Zivilpersonal (insb. solches, das dem Wiederaufbau und humanitären Aufgaben nachgeht) in einem sicheren Umfeld arbeiten können, und Sicherheitsunterstützung bei der Wahrnehmung anderer Aufgaben in Unterstützung des Bonner Abkommens.“"

Klingt friedlicher als es ist. Der Auftrag lautet zwar nicht Terrorismusbekämpfung, sondern Unterstützung des Aufbaus staatlicher Strukturen im Land, aber just diese Sicherungsaufgabe fordert im Süden des Landes Menschenleben. Das Argument der Kanadier und Briten, deren Soldaten dort ihr Leben lassen, ist schwer von der Hand zu weisen: Mit welchem Recht beansprucht die Bundeswehr, nur für die relativ risikoärmere Aufbauarbeit im Norden zuständig zu sein?

Die aus Deutschland stammenden Gegenargumente klingen dürftig. Wir stellen mit 2800 Soldaten den drittgrößten Anteil der insgesamt 31.000 ISAF-Soldaten, mehr geht nicht, es sei denn, man wolle die Aufbauarbeit im Norden unterminieren, was ja wohl nicht in Frage kommt. So ist es aus dem Außenministerium zu hören. Der SPD-Fraktionschef Struck ging sogar so weit, zu behaupten, dass die relative Ruhe im Norden das Verdienst der Deutschen sei ; er legte damit den Umkehrschluss nahe, die Kameraden im Süden seien selbst schuld.

Letzteres ist unter Bündnispartnern ungehörig und in dieser besonderen Situation sogar noch mehr als das. Die Probleme im Süden, jeder weiß es, rühren von der Verankerung des islamistischen Terrorismus in der Region her, die als "Grenzgebiet zu Pakistan" schlecht umschrieben wäre, denn die Grenzen haben mit der Lebensweise der dortigen Bewohner nichts zu tun.

Leser-Kommentare
    • andem
    • 17.11.2006 um 20:09 Uhr

    Herzlichen Glückwunsch, Sie haben die Überschrift Ihres Artikels geändert.

    Sie haben wohl gemerkt, dass Sie da eine ziemlich aufmacherische Frage gestellt haben, von der Sie sich im Artikel in keiner Weise distanziert haben. Da Sie einen Kommentar schreiben und keinen neutralen Bericht, müssen Sie zugeben, dass man den Eindruck bekommen konnte, die Frage sei eine sich selbst beantwortende, und die Antwort darauf eben die der Nato. Und weitergehend, da Sie sich auf die Seite der Nato stellen, Ihre Meinung wiederspiegelt.

    Sollte dies nicht der Fall sein, dann entschuldige ich mich gerne - da Sie aber, statt zu versuchen mich zu überzeugen, mir eher klar machen wollen, dass ich nicht Ihr literarisches Talent besitze (was von mir aus auch so sein mag), macht Ihre Antwort leider eher folgenden Eindruck: getroffene Hunde bellen laut.

    • Tom030
    • 17.11.2006 um 16:49 Uhr

    Ich war gestern in Berlin bei einem hochinteressanten Vortrag von Peter Scholl Latour, der klar und unumwunden gesagt hat, daß es sich bei den Kämpfern in Afghanistan weitgehend NICHT um Terroristen handelt. Al Kaida sei dort schon lange nicht mehr existent, die Kämpfer dort sind lokale Mudschahiddin, und zwar dieseben die von 20 JAhren gegen die Sowjetunion gekämpft haben. Die AL Kaida hatte nie eine dauerhafte Verwurzelung in Afghanistan, es sind Kämpfer aus dem Stammesgebiet zu Pakistan und keine Kaida Geistersoldaten.

    Auch wenn die Wahrheit weh tun, aber das Land wurde besetzt und die Gründe sind alles andere als demokratischer Natur. Herr Scholl Latour betonte, daß sich Besatzer NIEMALS auf Dauer dort halten konnten, und das werden unsere Armeen auch nicht schaffen. Die Realität ist, daß wir dort fremde Interessen vertreten, es ist nicht unser Krieg, sondern der des USA Kapitals und der schwindenden Neokons.

    Nie und nimmer wird Deutschland am Hindukusch verteidigt. Im Gegenteil, je mehr wir in den Augen des Islam gegen islam. Staaten in aller Welt intervenieren, desto gefährdeter sind wir. Im Gegensatz zu den USA haben wir dann aber den Gegner mitten unter uns...

  1. Appeasement wird hier keinen retten, der islamistische Grössenwahn muss gestoppt werden und zwar jetzt - bevor auf der Welt Leute in ganz anderen Grössenordnungen sterben müssen.

    D-Land müsste es eigentlich besser wissen, durch unsere Erfahrung mit Faschismus und Terrorismus.

    Wer frei sein will muss auch Opfer bringen können - wenn wir das als Gesellschaft nicht hinbekommen werden wir untergehen.

  2. 4. @andem

    Mir erst zu unterstellen, ich bezeichnete die Bundeswehrsoldaten als 'Weicheier' und dies dann zu kritisieren, ist nun wirklich keine Art.

    Und schon gar nicht mit dieser Methode: '(auch wenn sie diese Behauptung indirekt aufstellen, so vertreten sie diese Meinung mehr als offensichtlich)'. Weder stelle ich diese Behauptung indirekt auf noch vertrete ich sie. Erst recht nicht 'mehr als offensichtlich' (was eh' nicht ginge) - sondern eben gar nicht.

  3. ... von den Beamtengemütern endlich geklärt sind, hat der Gegner längst den Krieg gewonnen !

  4. Ja, das Ansehen Deutschlands ist beschädigt, weil man dort wo es wirklich brennt , sich heraushält. Das ist die Schuld unserer Politiker .
    Wer einen solchen Einsatz nur halbherzig führt, kann nur verlieren.
    Bei dieser Einstellung sollten sich die deutschen Truppen schleunigst zurückziehen.
    Sonst tritt das ein, was Peter Schollatour prophezeite:'Die Deutschen werden die Amerikaner noch bitten, sie aus Afghanistan herauszufliegen'.

    Der ganze zivile Aufbau ist eine Farce, wenn durch Kampfverbände nicht gesichert.
    Sollten die Deutschen nicht über genügend dieser Kampfverbände verfügen, wie in dem Bericht anklingt, dann liegt eine Fehlplanung vor.

    Also: Entweder man schickt ausreichend Kampfverbände nach Afghanistan und kooperiert optimal mit den Allierten oder es empfielt sich ein umgehender Rückzug, ... der natürlich einer Kapitulation gleichkäme.

    • Anonym
    • 18.11.2006 um 14:24 Uhr

    Da fordert endlich mal ein Zeit-Autor etwas absolut selbstverständliches, nämlich Rückrat und Charakter zu zeigen, und schon kommen die ganzen 'friedensbewegten' Etappenscheißer aus ihren links-liberalen Furzmulden gekrochen.

    Wofür ist die Nato denn in Afghanistan, wenn nicht um das Land auch weiterhin vom Steinzeitislam der Taliban frei zu halten, und das zu verteidigen was hierzulande immer so großkotzig verkündet wird: Freiheit, Menschenwürde, und wenigstens einen Anfangsdemokratismus. Und gerade die, welches dies am lautesten forden, daß sind die größten Hosenscheißer, wenn es darum geht diesen Forderungen auch Taten folgen zu lassen.

    Statt Taten kann man wieder nur die üblichen dämlichen Phrasen aus dieser Ecke lesen. Und wie ebenso üblich denken diese Friedensmichel nicht konsequent zu ende, so wie z. B. @1ceterumcenseo2. Wenn der Frieden der Ernstfall ist, was ist denn dann der reale Krieg, welcher ja das Gegenteil vom Frieden ist? Der Krieg müßte dann logischerweise der Spaßfall sein. Was @1ceterumcenseo2 haben Sie gegen ein bißchen Spaß?
    Auch die übrigen Kommentare gegen den Einsatz im Süden sind von einer solchen tumben Dürftigkeit, die sie keiner weiteren Erwähnung bedürfen!

    Die Nato ist ein Bündnis, und folglich sind diejenigen, welche im Süden Afghanistans den Kopf hinhalten Kameraden der Deutschen. Und wer seine Kameraden im Stich läßt, ist ein charakterloses Schwein! Punktum!
    In der preußischen und der deutschen Armee hat es so was nie gegeben, daß war einfach undenkbar. Aber heute sind wir ja auch keine Deutschen mehr, sondern glückliche, befreite (immer noch) Bonner Michel.

    Was dieser Herr Struck da von sich gibt ist dementsprechend unter aller Sau, paßt aber zu einem Bonn-Michel! Und was man moralisch von unserem Verteidigungsminister zu halten hat, daß hat der ja bei der sog. 'Totenschädel-Affäre' unter Beweis gestellt, als er seine eigenen Männer dem Journaillen-Mob preisgab.

    Es würde mich nicht wundern, wenn das Ganze wieder mal als typisches, würdeloses Schmierentheater ala BRD endet.

  5. Der amerikanische Kolumnist Dennis Prager schrieb schon vor Monaten: 'Liebe Deutsche, anstatt zu lernen, dass das Böse bekämpft werden muss,
    habt Ihr gelernt, dass Kämpfen böse ist.'
    Aber er sagte zum Schluß: 'But thanks for Bach'.

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