Amoklauf Hilflose Gewalt

Nach dem Amoklauf eines Schülers in Emsdetten sollten wir uns Zeit nehmen nachzudenken, warum junge Menschen so verzweifeln, dass sie zu solcher Gewalt greifen. Ein Kommentar

Die Opfer waren kaum verarztet und die Leiche des Täters geborgen, da waren einige Politiker und Experten gleich wieder mit Forderungen zur Hand: ein Verbot von Killerspielen, ein "Frühwarnsystem", mehr Psychologen an den Schulen. Es sind die üblichen Reflexe, und sie demonstrieren vor allem eins: Hilflosigkeit im Denken.

Während Deutschland darüber räsoniert, wie es vier Jahre nach dem Schulmassaker in Erfurt im idyllischen Münsterland abermals zu einer solchen grausamen Bluttat kommen konnte, haben die 700 Schüler der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten das Schwerste vor sich. Sie werden an diesem Dienstag mit ihren ebenso geschockten Lehrern darüber reden, weshalb ihr ehemaliger Mitschüler ein 18-jähriger Einzelgänger, der Gewaltspiele liebte offenbar keinen anderen Ausweg aus seiner tiefen Verzweiflung wusste. Sie werden auch darüber sprechen, warum ihn niemand daran hinderte, obwohl er die Tat im Internet angekündigt hatte.

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Mit vier Gewehren und 13 Rohrbomben, also einem ganzen Waffenarsenal, war der junge Mann am Montagmorgen während der Pause in die Schule gestürmt und hatte um sich geschossen. Er traf vier Schüler und den Hausmeister, 32 weitere Menschen wurden verletzt ; noch viele mehr in der Seele. Dann richtete er sich selber. "Er hat unter der Sinnleere seines Lebens gelitten", sagte der ermittelnde Oberstaatsanwalt zu seinem Motiv. Ein erschreckender, schockierender Satz. Er sollte uns Anlass geben innezuhalten.

Wie kann ein junger Mensch, der fast das ganze Leben noch vor sich hat, der nicht irgendwo ganz am Rande der Gesellschaft in der rohen Umgebung einer Großstadt aufwuchs, zu einem solchen Monster werden? Was fasziniert ihn dermaßen an brutaler Gewalt, dass er sie nicht nur am Computer und bei Schießübungen im Wald übt, sondern sie schließlich wie in einem Horrorfilm real auslebt? Warum funktionierten bei ihm nicht die uns normalerweise gegebenen Reflexe, die uns daran hindern, Hass, Wut, Frustration und Verzweiflung in zerstörerische Kraft gegen andere und sich selber umzusetzen?

Das hat, ganz sicher, mit dem Zustand unserer Gesellschaft, der Elternhäuser und der Schulen zu tun. Sie haben in diesem Fall, wie in anderen, weniger grausamen, ganz offensichtlich versagt. Der Hannoveraner Pädagoge Wolfgang Bergmann hat dazu eine Reihe erhellender Auskünfte gegeben : Weder viele Eltern noch viele Lehrer sind heute in der Lage, in solchen Fällen angemessen einzugreifen und Jugendlichen in tiefen Lebenskrisen glaubwürdige und überzeugende Lösungen aufzuzeigen. Das muss nicht darin bestehen, dass wir alle zu Psychologen werden, aber es würde womöglich schon reichen, genauer hinzusehen, die Verzweiflung vieler junger Leute über ihre selbst empfundene, aber auch reale Perspektivlosigkeit zu erkennen und selber Vorbild zu sein.

Der Ruf nach einem Frühwarnsystem und mehr Psychologen an den Schulen ist deshalb nicht falsch. Aber es wird nicht reichen, Experten zu holen und mehr Lehrer und Schüler als Mediatoren auszubilden, die Konflikte schlichten sollen. Die Schulen, so wie sie sind, schlecht ausgestattet, mit zu großen Klassen und nicht selten überalterten, unmotivierten Lehrkräften, sind alleine nicht dazu in der Lage. Es bedarf dazu schon einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung.

Der Fall von Emsdetten hat sicher auch damit zu tun, welche Werte in unserer Gesellschaft heutzutage als erstrebenswert dargestellt und vorgelebt werden: Leistung, Selbstverwirklichung, Konkurrenzdenken. Versagen ist da nicht vorgesehen.

Dennoch ist es falsch, jetzt gleich wieder in allgemeinen kulturpessimistischen Katzenjammer zu verfallen. Denn trotz aller Probleme und der Misere an den Schulen werden die allermeisten Jugendlichen nicht zu Gewaltmonstern, auch wenn sie in der Schule sitzen bleiben, geschnitten werden und/oder am heimischen PC wie verrückt Ballerspiele spielen. Gewalt kommt nicht von ungefähr: Nur wer Gewalt als denkbaren Lösungsweg aus eigenen, inneren Konflikten erlebt hat, wird sich von medialen Vorbildern zur Nachahmung anleiten lassen. Wer andere Möglichkeiten erfahren hat, durch seine Eltern, Freunde, Lehrer, Klassenkameraden, den kann man stunden- und monatelang vor solche Spiele oder Horrorfilme setzen. Er wird es eher als Belustigung empfinden.

Deshalb ist es viel zu einfach, jetzt gleich wieder nach einem Verbot der Killerspiele zu rufen. Es ist auch nicht die ganze Gesellschaft, die Amok zu laufen droht, wie uns die Schnellanalysten der Polizeigewerkschaft und des Lehrerverbandes im Gleichlaut weismachen wollen.

Ja, es gibt ein zunehmendes Klima der Gewalt, auch in Deutschland. Aber es entspringt nicht (nur) einer allgemeinen Verrohung der Köpfe und Sitten. Es hat (auch) reale Ursachen wie Lehrstellenmangel, Arbeitslosigkeit, schlechte Schulen und einen beinharten ökonomischen Wettbewerb um einen Platz im Leben und in der Gesellschaft. Daran, auch daran müssen wir arbeiten. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir wieder ein gesellschaftliches Klima schaffen, in dem Menschen, junge zumal, versagen können, ohne gleich ausgesondert zu werden oder sich nutzlos zu fühlen.

Neue Amokläufe werden wir damit vielleicht nicht unbedingt verhindern können. Aber wir können damit einen Beitrag dazu leisten, dass nicht noch mehr Menschen in eine solche Verzweiflung geraten.

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Lesen Sie zum Thema den Artikel aus dem Ressort Politik exklusiv in der neuen Printausgabe der ZEIT: Der Täter in Emsdetten bettelte um Anerkennung. Von Thomas Assheuer

 
Leser-Kommentare
  1. Herr Greven, Sie schreiben: 'Wie kann ein junger Mensch, der fast das ganze Leben noch vor sich hat, der nicht irgendwo ganz am Rande der Gesellschaft in der rohen Umgebung einer Großstadt aufwuchs, zu einem solchen Monster werden?'

    1. Es muss heißen: „aufgewachsen ist“, wenn mich nicht alles täuscht.

    2. „…. zu einem solchen Monster werden?“ Genau das ist ja das Problem! Sie sehen in ihm 'das Monster', doch es ist unsere Gesellschaft, die das Monster ist. Er ist bloß einer der wenigen, die mit diesem Monster Gesellschaft nicht mehr zurecht kommen und die dann auf ihre Art diesem Monster die (vermeintlich) richtige Antwort präsentieren. Es ist unsere Gesellschaft, die sich nicht um die Kinder schert, weil sie ein System geschaffen hat, in der ein Jeder auf die Ich-Suche zu gehen hat. Das Zeitalter des Individualismus ist ja eigentlich eines des Egoismus. Und wer da als Erwachsener nicht mitmacht, der ist halt unten durch. Also kauft man den Kindern den Fernseher, den PC, die X-Box, uswusf. Das abwechslungsreiche Angebot bis hin zu jeder Art von Gewalt, Sex und Mord soll die Erziehung ersetzen, in die man selber nicht viel investieren will, ja oft gar nicht mehr kann, man muss ja in den Fitness-Club, in die Arbeit ist natürlich die bessere Ausrede, es stehen Überstunden an. Und zu Weihnachten gibt es dann als Belohnung, weil man als Kind so wenig aufgefallen ist, das Mörderspiel, das unter dem Christbaum liegt.

    Das Pech ist halt, dass sich nicht alle Kinder damit auf Ewig ruhig stellen lassen. Die Sensibelsten werden dann nicht, so wie wir, selber angepasste erwachsene Wahl-Idioten, sondern sie zerbrechen daran, sie begehen Selbstmord oder einen Mord, oder man stelle es sich vor, sogar Beides in Einem. Die Suicidekiller-Killerkids sind bloß ein sauber geputzter Spiegel unserer Gesellschaft. Sie sind die andere Seite der arabischen Selbstmordattentäter, die eben der Spiegel unserer Weltgesellschaft sind. Ein Teil wehrt sich gegen den Dauerbetrug durch den anderen Teil.

    Nicht das Selbstmord-Mörderkind ist das Monster, sondern die Gesellschaft, die es dazu gemacht hat, und hiezu gehören auch Journalisten wie Sie, die sich auf dem beschwichtigungsromantischen Trip befinden, der da heißt, es gilt wieder einmal den 'braven' Rest unserer Gesellschaft schön zu schreiben und die Schuld dort zu suchen, wo sie am wenigstens unangenehm ist und wo man dann auch die eventuellen Schuldgefühle ad acta legen kann, damit Alles, so wie bisher, schön brav wieder weiter gehen kann, schließlich haben die Viel-Habenden (die mit den guten Jobs) am Meisten zu verlieren. Und wer fähig ist und wer es sich zugleich auch leisten kann, hier im Forum seine Kommentare abzugeben (mich inbegriffen), dem geht es ja 'gut'. Also schreiben wir mal wieder alle anderen schön böse und uns schön brav.

    Und was diese Killerspiele anbelangt, also etwas Kränkeres gibt es ja wohl nicht. Diese kranke Seite unserer ganzen Schönsprechkultur wird nun in den nächsten Jahren 'als Ernte eingefahren' werden. Die Friedensgeneration erntet nun genau das, was sie vor gut 35 Jahren erstmals ausgesät hat, doch erst die nächste Nachkriegsgeneration wird die entsprechenden Lehren daraus ziehen können, so viel ist sicher, denn wir sind ja noch im bunten Sammelsurium der sich gegenseitig gar nicht so sehr liebenden einzelnen persönlichen Freiheitsrechte gefangen. Wir wollen niemandem seinen freiheitlichen Freizeitspaß verderben, wir verbieten also keine Killerspiele.

    Nun ja, EU! Egal! Wurscht! Ein paar Menschen werden unsere Idiotien schon überleben, hahaha. Mal sehen!

    • Karaya
    • 21.11.2006 um 13:49 Uhr
    2.

    hier mal der abschiedsbrief in voller länge. die presse hält es ja nicht für nötig ihn komplett zu veröffentlichen.

    Wenn man weiss, dass man in seinem Leben nicht mehr Glücklich werden kann, und sich von Tag zu Tag die Gründe dafür häufen, dann bleibt einem nichts anderes übrig als aus diesem Leben zu verschwinden. Und dafür habe ich mich entschieden. Es gibt vielleicht Leute die hätten weiter gemacht, hätten sich gedacht 'das wird schon', aber das wird es nicht.

    Man hat mir gesagt ich muss zur Schule gehen, um für mein leben zu lernen, um später ein schönes Leben führen zu können. Aber was bringt einem das dickste Auto, das grösste Haus, die schönste Frau, wenn es letztendlich sowieso für'n Arsch ist. Wenn deine Frau beginnt dich zu hassen, wenn dein Auto Benzin verbraucht das du nicht zahlen kannst, und wenn du niemanden hast der dich in deinem scheiss Haus besuchen kommt!

    Das einzigste was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe war, das ich ein Verlierer bin. Für die ersten jahre an der GSS stimmt das sogar, ich war der Konsumgeilheit verfallen, habe anach gestrebt Freunde zu bekommen, Menschen die dich nicht als Person, sondern als Statussymbol sehen.
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    Aber dann bin ich aufgewacht! Ich erkannte das die Welt wie sie mir erschien nicht existiert, das ie eine Illusion war, die hauptsächlich von den Medien erzeugt wurde. Ich merkte mehr und mehr in was für einer Welt ich mich befand. Eine Welt in der Geld alles regiert, selbst in der Schule ging es nur darum. Man musste das neuste Handy haben, die neusten Klamotten, und die richtigen 'Freunde'. hat man eines davon nicht ist man es nicht wert beachtet zu werden. Und diese Menschen nennt man Jocks. Jocks sind alle, die meinen aufgrund von teuren Klamotten oder schönen Mädchen an der Seite über anderen zu stehen. Ich verabscheue diese Menschen, nein, ich verabscheue Menschen.

    Ich habe in den 18 Jahren meines Lebens erfahren müssen, das man nur Glücklich werden kann, wenn man sich der Masse fügt, der Gesellschaft anpasst. Aber das konnte und wollte ich nicht. Ich bin frei! Niemand darf in mein Leben eingreifen, und tut er es doch hat er die Konsequenzen zu tragen! Kein Politiker hat das Recht Gesetze zu erlassen, die mir Dinge verbieten, Kein Bulle hat das Recht mir meine Waffe wegzunehmen, schon gar nicht während er seine am Gürtel trägt.

    Wozu das alles? Wozu soll ich arbeiten? Damit ich mich kaputtmaloche um mit 65 in den Ruhestand zugehen und 5 Jahre später abzukratzen? Warum soll ich mich noch anstrengen irgendetwas zu erreichen, wenn es letztendlich sowieso für'n Arsch ist weil ich früher oder später krepiere?

    Ich kann ein Haus bauen, Kinder bekommen und was weiss ich nicht alles. Aber wozu? Das Haus wird irgendwann abgerissen, und die Kinder sterben auch mal. Was hat denn das Leben bitte für einen Sinn? Keinen! Also muss man seinem Leben einen Sinn geben, und das mache ich nicht indem ich einem überbezahlten Chef im Arsch rumkrieche oder mich von Faschisten verarschen lasse die mir erzählen wollen wir leben in einer Volksherrschaft.

    Nein, es gibt für mich jetzt noch eine Möglichkeit meinem Leben einen Sinn zu geben, und die werde ich nicht wie alle anderen zuvor verschwenden! Vielleicht hätte mein Leben komplett anders verlaufen können. Aber die Gesellschaft hat nunmal keinen Platz für Individualisten. Ich meine richtige Individualisten, Leute die selbst denken, und nicht solche 'Ich trage ein Nietenarmband und bin alternativ' Idioten!

    Ihr habt diese Schlacht begonnen, nicht ich. Meine Handlungen sind ein Resultat eurer Welt, eine Welt die mich nicht sein lassen will wie ich bin. Ihr habt euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan, ich hatte nur einen ganz anderen Humor!

    Von 1994 bis 2003/2004 war es auch mein Bestreben, Freunde zu haben, Spass zu haben. Als ich dann 1998 auf die GSS kam, fing es an mit den Statussymbolen, Kleidung, Freunde, Handy usw.. Dann bin ich wach geworden. Mir wurde bewusst das ich mein Leben lang der Dumme für andere war, und man sich über mich lustig machte. Und ich habe mir Rache geschworen!

    Diese Rache wird so brutal und rücksichtslos ausgeführt werden, dass euch das Blut in den Adern gefriert. Bevor ich gehe, werde ich euch einen Denkzettel verpassen, damit mich nie wieder ein Mensch vergisst!

    Ich will das ihr erkennt, das niemand das Recht hat unter einem faschistischen Deckmantel aus Gesetz und Religion in fremdes Leben einzugreifen!

    Ich will das sich mein Gesicht in eure Köpfe einbrennt!

    Ich will nicht länger davon laufen!

    Ich will meinen Teil zur Revolution der Ausgestossenen beitragen!

    Ich will R A C H E !

    Ich habe darüber nachgedacht, dass die meisten der Schüler die mich gedemütigt haben schon von der GSS abgegangen sind. Dazu habe ich zwei Dinge zu sagen:

    1. Ich ging nicht nur in eine klasse, nein, ich ging auf die ganze Schule. Die Menschen die sich auf der Schule befinden, sind in keinem Falle unschuldig! Niemand ist das! In deren Köpfen läuft das selbe Programm welches auch bei den früheren Jahrgängen lief! Ich bin der Virus der diese Programme zerstören will, es ist völlig irrelewand wo ich da anfange.

    2. Ein Grossteil meiner Rache wird sich auf das Lehrpersonal richten, denn das sind Menschen die gegen meinen Willen in mein Leben eingegriffen haben, und geholfen haben mich dahin zu stellen, wo ich jetzt stehe; Auf dem Schlachtfeld! Diese Lehrer befinden sich so gut wie alle noch auf dieser verdammten schule!

    Das Leben wie es heute täglich stattfindet ist wohl das armseeligste was die Welt zu bieten hat! S.A.A.R.T. - Schule, Ausbildung, Arbeit, Rente, Tod Das ist der Lebenslauf eines 'normalen' Menschen heutzutage. Aber was ist eigentlich normal?

    Als normal wird das bezeichnet, was von der Gesellschaft erwartet wird. Somit werden heutzutage Punks, Penner, Mörder, Gothics, Schwule usw. als unnormal bezeichnet, weil sie den allgemeinen Vorstellungen der Gesellschaft nicht gerecht werden, können oder wollen. Ich scheiss auf euch! Jeder hat frei zu sein! Gebt jedem eine Waffe und die Probleme unter den Menschen lösen sich ohne jedliche Einmischung Dritter. Wenn jemand stirbt, dann ist er halt tot. Und? Der Tod gehört zum Leben! Kommen die Angehörigen mit dem Verlust nicht klar, können sie Selbstmord begehen, niemand hindert sie daran!

    S.A.A.R.T. beginnt mit dem 6. Lebensjahr hier in Deutschland, mit der Einschulung. Das Kind begibt sich auf seine perönliche Sozialisationsstrecke, und wird in den darauffolgenden Jahren gezwungen sich der Allgemeinheit, der Mehrheit anzupassen. Lehnt es dies ab, schalten sich Lehrer, Eltern, und nicht zuletzt die Polizei ein. Schulpflicht ist die Schönrede von Schulzwang, denn man wird ja gezwungen zur Schule zu gehen.

    Wer gezwungen wird, verliert ein Stück seiner Freiheit. Man wird gezwungen Steuern zu zahlen, man wird gezwungen Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuhalten, man wird gezwungen dies zu tun, man wird gewzungen das zu tun. Ergo: Keine Freiheit!

    Und sowas nennt man dann Volksherrschaft. Wenn das Volk hier herrschen würde, hiesse es Anarchie!

    WERDET ENDLICH WACH - GEHT AUF DIE STRASSE - DAS HAT IN DEUTSCHLAND SCHONMAL FUNKTIONIERT!

    Nach meiner Tat werden wieder irgendwelche fetten Politiker dumme Sprüche klopfen wie 'Wir halten nun alle zusammen' oder 'Wir müssen gemeinsam versuchen dies durchzustehen'. Doch das machen sie nur um Aufmerksmakeit zu bekommen, um sich selbst als die Lösung zu präsentieren. Auf der GSS war es genauso... niemals lässt sich dieses fette Stück Scheisse von Rektorin blicken, aber wenn Theater- aufführungen sind, dann steht sie als erste mit einem breiten Grinsen auf der Bühne und präsentiert sich der Masse!

    Nazis, HipHoper, Türken, Staat, Staatsdiener, Gläubige...einfach alle sind zum kotzen und müssen vernichtet werden! (Den begriff 'Türken' benutze ich für alle HipHopMuchels und Kleingangster; Sie kommen nach Deutschland weil die Bedingungen bei ihnen zu hause zu schlecht sind, weil Krieg ist... und dann kommen Sie nach Deutschland, dem Sozialamt der Welt, und lassne hier die Sau raus. Sie sollten alle vergast werden! Keine Juden, keine Neger, keine Holländer, aber Muchels! ICH BIN KEIN SCHEISS NAZI)

    Ich hasse euch und eure Art! Ihr müsst alle sterben!

    Seit meinem 6. Lebensjahr wurde ich von euch allen verarscht! Nun müsst ihr dafür bezahlen!

    Weil ich weiss das die Fascholizei meine Videos, Schulhefte, Tagebücher, einfach alles, nicht veröffentlichen will, habe ich das selbst in die Hand genommen.

    Als letztes möchte ich den Menschen die mir was bedeuten, oder die jemals gut zu mir waren, danken, und mich für all dies Entschuldigen!

    Ich bin weg...

  2. für die Betroffenen unverständlich ist, muss es noch lange nicht falsch sein. Kein Kind versteht, warum es mit sechs Jahren plötzlich zur Schule gehen muss, und dennoch hält niemand die Schule per se für 'falsch'...

  3. Wann wird in der westlichen Gewalt endlich (wieder) akzeptiert, dass Gewalt existiert, dass sie zum Menschen gehört und dass sie nicht nur destruktiv sein muss?!

    • jaso
    • 21.11.2006 um 10:40 Uhr

    Nicht jeder Mensch ist mit einer Fließbandarbeit zufrieden. Ich befürchte sogar, dass das Internet, die Foren, die Journale, wie das seinige, zu einem Diskurs unter gleichfalls intuitiv kritischen Jugendlichen führt, die infolge ihres Erfahrungsmangels bis auf Projektion und alle diese Dinge, die man hier anführen könnte, nicht viel sehen. Trotz Unzufriedenheit mit Moralvorstellung, Gruppentektonismus, greifen sie in eine weitere Wundertüte aus noch mehr Bildern. Es findet demnach ein zwar kritischer, aber lösungsloser Diskurs unter Jugendlichen, wie zB unter HipHopern, Nazis und so weiter statt, die trotz Kritikfähigkeit oder -sehnsucht, nicht sonderlich weit kommen. Ein intelligenter junger Mann, der sich zunächst in die Obhut des Krieges stellt, wäre ja nicht nur nach Musil ein offenes Indiz für verzweifelte Sehnsucht nach mehr als einer behaglichen Lebenssinnobhut seitens Auszeichnungen, Familie und Freunden, was den meisten wiederum reicht.

    Ein Spielverbot, wie er wieder gefordert wird, scheint ein unbedeutender Seufzer zu sein, der die Ächtung solcher Spiele allerdings beschleunigen könnte. Immerhin findet man genauso wenig Menschenmassenvernichtungsfilme mit offener Gewaltzurschaustellung in den Ladentheken für Heranwachsende.

    Kritische Jugendliche, die sich in Waffen stürzen, wären nichts Neues. Neu ist die Zuschaustellung von Ideen, schließlich Taten aus Journal-, youtube- und myspace-Seiten. Und ebenfalls neu ist der oben angesprochene breite Diskurschwall in Foren und Chaträumen, die wie Talkshows bestätigen und Einerlei propagieren, weil ihr Geistesgut das eines Heranwachsenden ohne Gefühl für sein Schaffen ist. Dabei hätten diese Menschen kritischere Antworten nötiger als Sozialargumentationsausflüchte wie: Das Leben ist schön; Arbeit tut gut; Schule ist Vorbereitung; Familie hat Sinn; Tod ist zu meiden; Such dir eine Ideologie und werde glücklich; usw. Ich befürchte sogar, dass die modernen Internetjugendlichen, ganz einfach der breiten Diskurse, derer sie sich in solchen Räumen aussetzen, klassich zurückhaltenderen und normalerweise Generalismen verfallenden Eltern ein echtes Problem darstellen werden. Andererseits sind das Prognosen und deshalb leicht zu widerlegen.

    • PHreaK
    • 21.11.2006 um 10:58 Uhr
    6.

    So beklemmend das Thema ist, so erbaulich ist dieser Artikel.

    Die Darstellung der Problematik kratzt nicht, wie so häufig, an der bequemen Oberfläche, sondern liefert intelligente Denkansätze, deren Qualität die 'Zeit' zum Standart erheben sollte.

    Auslöser für Gewalttaten wie diese sind keine Computerspiele oder Horrorfilme. Ein Mensch muss vollkommen verzweifelt und ohne jegliche Perspektive sein, um sich zu einer solchen Gewalttat zu entschließen. Äußere Einflüsse müssen einen absoluten Realitäts- und Werteverlust herbeigeführt haben, um eine solche Handlungsweise nach sich zu ziehen.
    Diese äußeren Einfllüsse sind es, mit denen man sich beschäftigen muss und das gilt für alle. Insbesondere für Eltern, Lehrkräfte und Politiker.

    Nochmals mein Lob für diesen Artikel!

    • acan
    • 21.11.2006 um 12:09 Uhr
    7. danke

    Vielen Dank für diesen Artikel, ich finde es sehr angenehm, dass hier endlich ein Artikel mal weiter als bis zur 'Killerspiel'problematik geht.

  4. Das statistische Bundesamt weist in seiner aktuellen Statistik psychische und Verhaltensstörungen an elfter Stelle unter den 20 häufigsten Todesursachen aus. Psychische Störungen haben die Infektionskrankheiten nur deswegen noch nicht von Platz 10 der 'Todesursachen-Hitliste' verdrängt, weil auch die Infektionen zwischen 2003 und 2005 zugelegt haben, wenn auch nicht so stark, wie die psychischen Störungen. Die Zahl dieser Todesopfer erhöhte sich in den drei genannten Jahren um etwas mehr als ein Drittel (33%) - ein beeindruckender Wert, nicht wahr?

    Das frühe Erwachsenenalter mag ja schon immer eine schwierige Phase in der persönlichen Entwicklung eines Menschen gewesen sein. (Schade, dass die Bundesstatistik keine Angaben über die Altersstrukturg der Selbstmörder macht, sonst könnte man sie an dieser Stelle ganz gewiss argumentativ heranziehen). Wenn eine alternde Gesellschaft allerdings die wenigen jungen Menschen, die ihr geblieben sind, nicht nur an Infektionskrakheiten oder Straßenbäume verliert, sondern auch an Psychosen, dann macht sie etwas falsch - und zwar gründlich. Gerade weil Jugendliche noch nicht die Macht und das Wissen haben, ihre Forderungen im unblutigen Kampf gegen die Interessen der schon Etablierten durchzusetzen, brauchen sie deren Unterstützung. Auch und besonders dann, wenn sie nicht einmal in der Lage sind, sie angemessen zu artikulieren. Solidarität untereinander ist sehr viel mehr als Mitleid und etwas vollkommen anderes, als der pure Selbstzweck. Für eine Gesellschaft ist sie schlicht überlebenswichtig.

    Leben will gelernt sein und zwar von denen, die es schon können. Stellen wir uns also ruhig mal die Frage: Können wir leben? Ich denke, noch sind wir nur sehr bedingt dazu im Stande. Wir sollten schneller lernen. Viel, viel schneller.

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