Wirtschaft Staats-Feind

Er war einer der bedeutendsten Ökonomen des 20.Jahrhunderts: Milton Friedman, Nobelpreisträger und Mitbegründer des Monetarismus. Er bekämpfte den Einfluss des Staates. Jetzt starb er mit 94 Jahren.

Das Pendel der ökonomischen Debatte schwingt langsam, aber mit Macht. Einer derjenigen, die im vergangenen Jahrhundert die größte Bewegung erzeugt haben, war Milton Friedman. Nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich der Chicago-Ökonom daran, die große keynesianische Bewegung zu konterkarieren. Von wegen, der Staat könne durch mehr oder weniger Ausgaben die Konjunktur lenken, sagte Friedman in Übereinstimmung mit den Klassikern seines Fachs. Höchstens die Geldpolitik könne kurzfristig etwas bewegen – das war neu und wurde zum wichtigen Bestandteil des Monetarismus. Doch, fuhr Friedman fort, auf längere Sicht führe das nur zu unnötiger Inflation und anderen Behinderungen der Wirtschaftstätigkeit.

Das war der Beginn der Gegenbewegung in der Wirtschaftswissenschaft. Viele Kollegen aus Chicago und von anderen Universitäten entwickelten in den folgenden Jahrzehnten Theorien, die die Machtlosigkeit des Staates herausstellten und die von der Geldpolitik verlangten, sich aus der Konjunktursteuerung herauszuhalten. Keine Zentralbank tat das später konsequenter als die deutsche.

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Es war zudem der Beginn der Gegenbewegung in der Wirtschaftspolitik. Der Staat müsse schlanker werden und bescheidener, der Markt regle die meisten Dinge besser, sagten Margaret Thatcher und Ronald Reagan Anfang der achtziger Jahre. Friedman war, teils explizit, teils implizit, ihr Vordenker und in höchst populären Büchern ihr Vorschreiber.

Es war schwer, sich diesem Mann zu entziehen. Seiner Fröhlichkeit. Seiner Brillanz. Auch seinen Argumenten. Denn der Staat überschätzte sich tatsächlich, und ab den siebziger Jahren trat das auch deutlich zutage.

Solle noch einer sagen, die Ökonomie finde nur im Elfenbeinturm statt. Wie John Maynard Keynes, der große britische Gegner Friedmans, einst sagte. Ab und zu sitze ein Ökonom in einem Hinterzimmer und schreibe ein paar Gedanken auf – die dann Jahre oder Jahrzehnte später die Wirtschaftspolitik lenkten. Beide Herren waren solche Ökonomen. Der eine dominierte bis in die siebziger Jahre, der andere teils bis heute. Man darf schon einmal fragen, wer die nächste Pendel-Bewegung längst eingeleitet hat, ohne dass wir es gemerkt hätten.

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