Strafvollzug Subkultur hinter Gittern

Der Gefängnismord in Siegburg wurzelt in längst bekannten Versäumnissen. Die Politik darf ihre Augen nicht weiter verschließen, wenn sie bald neue Gesetze für den Jugendstrafvollzug erlässt. Eine Analyse des Rechtswissenschaftlers

Auch die Fachwelt ist vom Mord in der Siegburger Jugendstrafanstalt erschüttert. Überrascht indes ist sie nicht. Die allgemein üblichen Haftbedingungen, und ganz besonders die nächtliche Haft in einer Vier-Mann-Zelle machen solche Gräuel absehbar - denn mindestens muss man unter diesen Umständen mindestens mit Drangsalierungen, sexueller und körperlicher Misshandlung sowie Erpressung von nicht geringem Ausmaß rechnen. Diese Straftaten bleiben zumeist im Dunkeln, da kein Betroffener wagt, Anzeige zu erstatten und auch die Anstalten den Taten nicht nachspüren. Praktiker machen aus den möglichen Folgen der Haftbedingungen keinen Hehl. Wissenschaftler kennen die strukturellen Bedingungen. Die Politik jedoch will davon nichts wissen.

Was aber passierte in Siegburg? Zunächst berichtete die Anstaltsleitung von einem Selbstmord. Dann hieß es, der Gefangene sei von den drei Mitgefangenen in der Nacht zum vergangenen Sonntag sexuell missbraucht und zum Selbstmord getrieben worden. Dann fand die Staatsanwalt Hinweise darauf, dass die 17-, 18- und 20-jährigen Mithäftlinge des Opfers am Samstag beschlossen hatten, ihren Zellennachbarn zu töten.

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In der Tatnacht haben sie ihn dann offenbar geschlagen, getreten, gezwungen, Urin zu trinken, schließlich dreimal versucht, ihn aufzuhängen, wobei der Kabelstrick jeweils gerissen sein soll, ihn mit Bettlakenstreifen stranguliert, zwischendurch den Strang vor seinem Tod nochmals gelöst und ihn durch erneutes Schlagen wieder zum Bewusstsein gebracht. Man habe "mal einen Menschen sterben sehen wollen", soll einer der Täter gesagt haben. Dem Opfer sei es einmal gelungen, durch den Rufknopf die Aufsicht zu alarmieren. Diese aber ließ sich von den Tätern mit der Erklärung beruhigen, es handele sich um ein Versehen. Später, nachdem sich andere Gefangene wegen des Lärms beschwert hatten, wurde ein Bediensteter noch innerhalb der Zelle hinters Licht geführt.

Die bestürzende Tat bedarf weiterer Aufklärung. Vor allem aber muss der Vorfall die Politiker aufrütteln: Den Ländern steht eine vom Bundesverfassungsgericht angeordnete Gesetzgebung zum Jugendstrafvollzug ins Haus. Und die Rechtswissenschaftler sollten dabei vor allem auf zwei mögliche Ursachen und auf denkbare Abhilfen hinweisen.

Erstens gibt es in allen Gefängnissen der Welt Ansätze von Subkulturen. Das bedeutet: Unter den Einfluss von Freiheitsentzug, aufgezwungener Gesellschaft, total verwaltetem Alltag, dem Verbot von Geld, Alkohol und heterosexuellen Beziehungen entsteht das Bedürfnis nach Ersatz. Verbote werden unterlaufen. Unter den Gefangenen entwickeln sich Hackordnungen, in denen die Rollen nach eigenen Regeln verteilt werden. Körperlich oder geistig Starke setzen sich gegenüber den Schwachen,Neuen, Jungen durch. Illegale Märkte florieren mit Ersatzwährungen. Fälliger Forderungen werden mit Zwangsvollstreckungen geahndet. Zwischen den Anführern dieser Subkulturen und Anstaltsmitarbeitern bilden sich gelegentlich Kumpaneien.

In ausländischen Gefängnissen ist das oft viel dichter, beängstigender und gewaltträchtiger als bei uns. Seit den Gefängnisskandalen der Nachkriegszeit und den Reformen der sechziger und siebziger Jahre hat sich die Subkultur am Gegenspieler „Resozialisierungsvollzug“ entschärft. Man schuf Ventile für den Überdruck. Dazu gehörten vor allem Lockerungen wie Ausgänge, Urlaube, offener Vollzug, eine erhöhte Transparenz für die Medien, mehr Besuchsmöglichkeiten, eine erweiterte Kommunikation nach außen durch Post und Zeitungen, die Beteiligung ehrenamtlicher Helfer, eine verbesserte Ausbildung der Vollzugsbeamten und erweiterter Rechtsschutz.

Leser-Kommentare
    • ppank
    • 17.11.2006 um 10:07 Uhr
    1.

    Der Text ist aber nicht sehr sorgfaeltig redigiert worden... Hat ihn ueberhaupt jemand durchgelesen, bevor er ins Netz gestellt wurde? Es sind mindestens vier grobe Fehler darin.

  1. An die Redaktion,

    seit einigen Tagen kann man keine Kommentare mehr lesen, und zwar seit die neue 'grüne' Eingabemaske besteht. Ist das jetzt eine neue Form versteckter Zensur, oder was soll das sein?
    Aber selbst wenn ich angemeldet bin komme ich nur wieder zur Anmeldung.:
    'Sie sind nicht angemeldet. Um Artikel kommentieren und Bewertungen abgeben zu können, melden Sie sich bitte zunächst hier an. Falls Sie noch nicht registriert sind, können Sie sich hier kostenlos registrieren ».

    oder ich bekomme das zu sehen:

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    Könnten sie das mal erklären, aber so das man es auch lesen kann? Danke!

    Lips

  2. geirrt.Ich bin der Meinung dass die Leute,die der Meinung sind dass man fuer ein Hochsicherheits Gefaengnis nur ein Minimum an Angestellten braucht ,selber dort mal eine Schicht schieben sollten.So langsam wird Deutschland kaputt gespart.

  3. Ich kann mich dem Kommentar nur voll und ganz anschließen. Die Handhabung und Übersichtlichkeit sind perdu. Im bisherigen Programm war im Übrigen zu erkennen, wleviele Nutzer den Kommentar bewertet hatten, eine für mein Empfinden nicht nur für den eigegnen Kommentar wesentliche Information! Diese Information suche ich hier vergeblich. Alles in allem kann ich da gegenüber dem bisherigen Zustand überhaupt keinen Vorteil erkennen.

    • DerOpi
    • 17.11.2006 um 11:49 Uhr

    ...kommt hier nicht so ganz deutlich rüber: '[...] vor allem aber ein neues, übersteigertes Sicherheitsdenken, das im Abbau der besagten Ventile und schließlich in Gewalt und Meuterei mündet'

    Das heißt auf Deutsch: Die Innenminister, die bei ihrer Politik auf die Angst der Wähler setzen, sind an diesem Drama mit Schuld!

  4. In einem Bundeland hauen die Straeflinge ab,in Berlin klettert ein gestaendigter Gewalttaeter unter den Augen der Bewacher auf's Dach und hier quaelen Straeflinge einen Mithaeftling stundenlang ohne dass auch nur ein Beamter mal nach dem Rechten sieht. Irgendwo fehlt hier was und ich denke es faengt bei der Regierung an.Zu wenige Mittel fuer den Strafvollzug,minimum an Personal und immer mehr Haeftlinge vereinbaren sich nicht. Es ist traurig dass ein Mensch erst sterben muss bevor sich mal jemand drum kuemmert -aber ich glaube kaum dass sich jemand fuer diese Untat verantwortlich fuehlen wird - schon garkeiner der in der Verantwortung ist.

  5. Mir gefaellt diese neue 'Maske' ueberhaupt nicht. Bisher war ich immer automatisch eingeloggt, nun muss ich das taeglich neu machen. Wie gut, dass ich mich noch an das Kennwort erinnern konnte, das ich vor 2 oder 3 Jahren hier angegeben habe (und danach nie mehr brauchte).
    Bisher konnte man auch sehen, wieviele Bewertungen ein Kommentar schon hatte. Das ist nun auch weg.

    Wer denkt sich eigentlich so'was aus? Wer ist der Meinung, es sei besser so? Kriegt da einer nur Veraenderungen bezahlt und muss daher immerfort am System herumbasteln?? Ich bin schon ueber 40 und mag nicht dauernd neue Grafiken, Layouts und Stile sehen.
    Man kannte sich doch hier unter den Kommentatoren (zwar nicht persoenlich, aber dem Namen nach), es war fast wie in einem Club. Und das hier jetzt?
    Nee, gefaellt mir nicht!

    • Anonym
    • 18.11.2006 um 17:56 Uhr

    Bis eben, 18.11. um 17.45 Uhr ging es mir ebenso. Einen Kommentar zu schreiben war nicht möglich, da angeblich 'nicht registriert'. Daß nun auf einen Kommentar direkt geantwortet werden kann, sehe ich bei allem bisherigen 'Ärger' doch positiv. Die Redaktion hätte aber rechtzeitig auf diese Neuerungen hinweisen können. Kann sein, daß das an versteckter Stelle geschehen ist. Warten wir also ab. Ich kann mir vorstellen, daß es mir doch gefällt. Bitte also das Prinzip Hoffnung anwenden und Positiv sehen.

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