Strafvollzug Subkultur hinter GitternSeite 2/2

In jüngster Zeit haben sich die Bedingungen jedoch wieder verschärft. Die wichtigsten Gründe sind: Überfüllte Gefängnisse, Sparzwänge mit Personalabbau, die Überfrachtung der Anstalten mit einer Vielfalt von Sprachen und Kulturen, der in Gefängnissen blühende Drogenhandel, neue bürokratische Belastungen, vor allem aber ein neues, übersteigertes Sicherheitsdenken, das im Abbau der besagten Ventile und schließlich in Gewalt und Meuterei mündet.

Zweitens ist nächtliche Gemeinschaftsunterbringung, insbesondere von mehr als zwei Häftlingen, schlicht fatal. Gesetzlich ist sie nur ausnahmsweise zulässig, und zwar in Gefängnissen ohne geeignete Räume, außerdem bei Selbstmordgefahr. Seit dem großen Gefängnisreformer des 18. Jahrhunderts, John Howard, war und ist es ausgemachte Sache aller Experten, Gefangenen durch die nächtliche Einzelunterbringung einen Rest von Intimität und Schutz zu gewähren. Die Gemeinschaft tagsüber ist die notwendige Ergänzung. All das ist im Europäischen Strafvollzug längst selbstverständlicher Standard , doch in der Bundesrepublik hat man das gesetzliche Schlupfloch in alten Anstalten weidlich ausgenutzt. So muss es auch in Siegburg gewesen sein. Und nun wollen einige Politiker diese heillose Lücke in neuen Gesetzen festschreiben, wahrscheinlich um Kosten zu sparen.

Vor wenigen Jahren hat es in einem Gemeinschaftsschlafraum einer thüringer Anstalt bereits einen Mord gegeben. Solche Schlafräume sind idealer Nährboden für Kriminalität, denn vier Gefangene in einer Zelle bilden ihrerseits eine kleine Subkultur. Das sollte auch der Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) wissen. Doch hat sich ein Vorstandsmitglied – vermutlich schützend und beschwichtigend – vor die Kollegen in Siegburg gestellt. Seine unhaltbare Behauptung: „Die Gemeinschaftsunterbringung hat schon Hunderten von Menschen das Leben gerettet.“ Suizidgefahr besteht tatsächlich bei vielen, zumal jungen Gefangenen, und vor allem in den ersten Hafttagen. Ein Suizid wird aber nicht durch Zwangsgemeinschaften verhindert. Auch in Schlafsälen psychiatrischer Einrichtungen und in der Gemeinschaftshaft hat es schon Selbsttötungen gegeben.

Alexander Böhm, der kürzlich tödlich verunglückte Leiter der Jugendstrafanstalt Rockenberg und Professor für Jugendstrafrecht, schreibt dazu: „Viele könnten in einem Einzelhaftraum verbleiben, wenn sie tagsüber in Gemeinschaft leben dürften und die erforderliche pädagogische und therapeutische Zuwendung erhielten. Wer auch in dieser Lage zu stark gefährdet ist, gehört in eine Krankenabteilung, unter Umständen in eine Tag und Nacht mit einer Fachkraft (Krankenpfleger) besetzte Wachstation.“ Heute hat man zudem die Möglichkeit, akut suizidgefährdete Gefangene in einen Raum mit Kameraüberwachung zu verlegen. Erfahrungen mit grundsätzlicher nächtlicher Einzelunterbringung sind außerordentlich positiv. So sind von fast 200 jungen Häftlingen in Rockenberg lediglich ein Dutzend in Zwei-Mann-Zellen untergebracht. Neuankömmlinge werden eingehend untersucht und psychologisch betreut, um Gefährdungen zu erkennen und Nötiges zu veranlassen. Selten legt man vorübergehend einen weiteren Gefangenen, einen so genannten Schlafgänger, zu Gefährdeten.

Die kommenden Gesetze zum Jugendstrafvollzug müssen die nächtliche Einzelunterbringung endlich verankern. Zudem empfehlen Fachleute den Wohngruppenvollzug: Die jungen Gefangenen schlafen zwar einzeln, werden jedoch in Mannschaften von etwa zehn bis zwanzig Häftlingen untergebracht. Ihre Freizeit können sie gemeinsam selbst gestalten. Die Wohngruppen können aber nur vor subkultureller Verdichtung bewahrt werden, wenn es genügend Personal gibt. Das hehre Ziel der Erziehung oder Resozialisierung in der Haft lässt sich nicht mit wenig Geld und Personal verwirklichen. „Was geschieht zwischen Freitag Nachmittag und Montag früh in der Anstalt?“, fragte Alexander Böhm, und zielte auf die von Personalknappheit geprägten, negativ aufgeladenen Leerzeiten am Wochenende. Der Mord von Siegburg geschah während einer solchen Zeit - und in einer Gemeinschaftszelle.

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Leser-Kommentare
    • ppank
    • 17.11.2006 um 10:07 Uhr
    1.

    Der Text ist aber nicht sehr sorgfaeltig redigiert worden... Hat ihn ueberhaupt jemand durchgelesen, bevor er ins Netz gestellt wurde? Es sind mindestens vier grobe Fehler darin.

  1. An die Redaktion,

    seit einigen Tagen kann man keine Kommentare mehr lesen, und zwar seit die neue 'grüne' Eingabemaske besteht. Ist das jetzt eine neue Form versteckter Zensur, oder was soll das sein?
    Aber selbst wenn ich angemeldet bin komme ich nur wieder zur Anmeldung.:
    'Sie sind nicht angemeldet. Um Artikel kommentieren und Bewertungen abgeben zu können, melden Sie sich bitte zunächst hier an. Falls Sie noch nicht registriert sind, können Sie sich hier kostenlos registrieren ».

    oder ich bekomme das zu sehen:

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    Könnten sie das mal erklären, aber so das man es auch lesen kann? Danke!

    Lips

  2. geirrt.Ich bin der Meinung dass die Leute,die der Meinung sind dass man fuer ein Hochsicherheits Gefaengnis nur ein Minimum an Angestellten braucht ,selber dort mal eine Schicht schieben sollten.So langsam wird Deutschland kaputt gespart.

  3. Ich kann mich dem Kommentar nur voll und ganz anschließen. Die Handhabung und Übersichtlichkeit sind perdu. Im bisherigen Programm war im Übrigen zu erkennen, wleviele Nutzer den Kommentar bewertet hatten, eine für mein Empfinden nicht nur für den eigegnen Kommentar wesentliche Information! Diese Information suche ich hier vergeblich. Alles in allem kann ich da gegenüber dem bisherigen Zustand überhaupt keinen Vorteil erkennen.

    • DerOpi
    • 17.11.2006 um 11:49 Uhr

    ...kommt hier nicht so ganz deutlich rüber: '[...] vor allem aber ein neues, übersteigertes Sicherheitsdenken, das im Abbau der besagten Ventile und schließlich in Gewalt und Meuterei mündet'

    Das heißt auf Deutsch: Die Innenminister, die bei ihrer Politik auf die Angst der Wähler setzen, sind an diesem Drama mit Schuld!

  4. In einem Bundeland hauen die Straeflinge ab,in Berlin klettert ein gestaendigter Gewalttaeter unter den Augen der Bewacher auf's Dach und hier quaelen Straeflinge einen Mithaeftling stundenlang ohne dass auch nur ein Beamter mal nach dem Rechten sieht. Irgendwo fehlt hier was und ich denke es faengt bei der Regierung an.Zu wenige Mittel fuer den Strafvollzug,minimum an Personal und immer mehr Haeftlinge vereinbaren sich nicht. Es ist traurig dass ein Mensch erst sterben muss bevor sich mal jemand drum kuemmert -aber ich glaube kaum dass sich jemand fuer diese Untat verantwortlich fuehlen wird - schon garkeiner der in der Verantwortung ist.

  5. Mir gefaellt diese neue 'Maske' ueberhaupt nicht. Bisher war ich immer automatisch eingeloggt, nun muss ich das taeglich neu machen. Wie gut, dass ich mich noch an das Kennwort erinnern konnte, das ich vor 2 oder 3 Jahren hier angegeben habe (und danach nie mehr brauchte).
    Bisher konnte man auch sehen, wieviele Bewertungen ein Kommentar schon hatte. Das ist nun auch weg.

    Wer denkt sich eigentlich so'was aus? Wer ist der Meinung, es sei besser so? Kriegt da einer nur Veraenderungen bezahlt und muss daher immerfort am System herumbasteln?? Ich bin schon ueber 40 und mag nicht dauernd neue Grafiken, Layouts und Stile sehen.
    Man kannte sich doch hier unter den Kommentatoren (zwar nicht persoenlich, aber dem Namen nach), es war fast wie in einem Club. Und das hier jetzt?
    Nee, gefaellt mir nicht!

    • Anonym
    • 18.11.2006 um 17:56 Uhr

    Bis eben, 18.11. um 17.45 Uhr ging es mir ebenso. Einen Kommentar zu schreiben war nicht möglich, da angeblich 'nicht registriert'. Daß nun auf einen Kommentar direkt geantwortet werden kann, sehe ich bei allem bisherigen 'Ärger' doch positiv. Die Redaktion hätte aber rechtzeitig auf diese Neuerungen hinweisen können. Kann sein, daß das an versteckter Stelle geschehen ist. Warten wir also ab. Ich kann mir vorstellen, daß es mir doch gefällt. Bitte also das Prinzip Hoffnung anwenden und Positiv sehen.

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