Krankenpfleger-Prozess Mord durch Medikamente

Der ehemalige Krankenpfleger aus Sonthofen ist wegen der Tötung von 28 alten Patienten zu lebenslanger Haft verurteilt worden

Im größten Fall von Serientötungen in der deutschen Nachkriegsgeschichte hat das Landgericht Kempten am Montag einen ehemaligen Krankenpfleger zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 28-Jährige 28 meist hochbetagte und zum Teil schwerkranke Patienten im Krankenhaus von Sonthofen mit einem Medikamenten-Cocktail zu Tode gespritzt hat. "Mit einem Angriff auf sein Leben rechnete keiner der Patienten", sagte der Vorsitzende Richter und entschied in zwölf Fällen auf Mord, in 15 Fällen auf Totschlag und in einem Fall auf Tötung auf Verlangen. In einem weiteren Fall sprach das Gericht den Mann wegen versuchter Tötung schuldig. Die Richter sahen in ihrem Urteil zudem eine besondere Schwere der Schuld als erwiesen an. Das bedeutet für den ehemaligen Krankenpfleger, dass er selbst bei guter Führung nicht vorzeitig nach 15 Jahren aus der Haft entlassen werden kann. Damit folgte das Gericht in seinem Urteil großteils der Anklage.

Die Verteidiger hatten den Mordvorwurf zurückgewiesen und eine niedrigere Strafe gefordert. Sie sahen nur 13 Fälle von Totschlag in minderschwerem Fall und zwei Tötungen auf Verlangen als erwiesen an. Für alle anderen Todesfälle hatten sie Freispruch gefordert. Insgesamt hielten sie eine zeitlich begrenzte Gefängnisstrafe für angezeigt. Der Angeklagte habe aus Mitleid gehandelt, nicht aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen - den notwendigen Voraussetzungen für die Einordnung der Taten als Mord.

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Der 28-Jährige nahm das Urteil äußerlich regungslos auf. Schon während des Verfahrens hatte er sich nicht zu den einzelnen Fällen geäußert und nur am Prozessanfang in einer vorformulierten Rede eine Art Geständnis abgelegt. Darin räumte er ein, getötet zu haben. Er erinnere sich aber an vieles nicht mehr und habe keinesfalls gemordet. In früheren Vernehmungen jedoch, zitierte der Richter, habe sich der Verurteilte als Befürworter aktiver Sterbehilfe gezeigt.

Die Deutsche Hospiz Stiftung forderte als Konsequenz aus dem Fall bundesweit einheitliche amtsärztliche Leichenschauen in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern. "Gerade dort, wo Sterben zum Alltag gehört, darf es Tätern nicht leicht gemacht werden." Zwar gebe es in Deutschland, sagte ein Pflegeexperte den Medien, gut ausgebildete und motivierte Pfleger. Bei einigen allerdings müsse man sich fragen, warum sie diesen anspruchsvollen Beruf ergriffen. "Das ist ein Faktum, das wissen wir seit Jahren, dass viele in diesem Beruf vollkommen überfordert sind und zum Teil schon ungeeignet in diesen Beruf gegangen sind", sagte er und forderte eine bessere Auswahl und eine umfangreiche Betreuung der Pflegekräfte in ihrem anstrengenden Alltag. "Man muss davon ausgehen, dass es nicht der berühmte Einzelfall ist."

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Leser-Kommentare
  1. Zu diesem Urteil habe ich gestern einen sehr guten Gerichtsreport im Spiegel gelesen, den empfehle ich jedem hier. Wahrscheinlich lassen sie mich hier keinen Link der Konkurenz schalten, also lasse ich es und denke, Ihr findet den Bericht.

    Was mir hier in der ZEIT komplett fehlt, ist die Information, dass dieser Pfleger ueberhaupt nicht fuer eine Intensivstation ausgebildet war, er aber genau dort arbeitete. Die Klink hat eine NICHT SO GENANNTE Station einfach als Intensivstation benutzt, und so wahrscheinlich Geld gesparrt (vermute ich jetzt einfach). Dieser junge Mann war in keinster Weise auf solche Krankheitsfaelle vorbereitet, auch seine Ausbildung war nicht in dieser Richtung.

    Waehrend in anderen Kliniken 'richtige' Intensivpfleger 3-4 Patienten haben, soll er hier 14 gehabt haben (falls ich es richtig erinnere). Wer soll das denn aushalten?

    Und nun wollen die Angehoerigen, deren Verstorbene nur auf 'Totschlag' anerkannt wurden, in Revision gehen, damit diese Faelle auch noch als 'Mord' gelten sollen. An der Laenge der Haft (sollte dieses Lebenslaenglich nicht hoffentlicherweise noch kassiert werden) wuerde das doch aber gar nichts anedern. Daran sieht man wieder 'mal, was in deren Koepfen so los ist. Aber macht ja nix, sind ja nur Steuergelder, die das kostet, gell?

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