Echolot Tantiemen im Hohlraum

Wie J. J. Cale mit Dollars seinen Wohnwagen ausstopfte. Was Ringo Starr an John Lennons Hintern sah. – Mehr aus den Sechzigern in unserer Musikpresseschau

Es war die Woche der alten Helden im Musikfeuilleton: Cat Stevens , die Beatles , Tom Waits , Eric Clapton , J.J. Cale und Leonard Cohen . Das hätte in dieser Reihenfolge auch Mitte der Siebziger an ähnlicher Stelle verhandelt werden können.

Die einen sind tot und bringen trotzdem neue Alben heraus, die anderen haben nach Jahren der musikalischen Abstinenz mal wieder zur Gitarre gegriffen. Das Feuilleton berichtet: von FAZ bis taz .

Anzeige

An der Produktion des neuen Beatles-Albums Love waren die noch lebenden Pilzköpfe Paul McCartney und Ringo Starr nicht aktiv beteiligt. Sie haben ihrem einstigen Produzenten Sir George Martin und dessen Sohn Giles lediglich erlaubt, aus den alten Bändern etwas Neues zu zaubern. Ob es ihnen gelungen ist?

Bastard-Pop nennt man die Vereinigung von zunächst Unvereinbarem im Mix. Danger Mouse hat so vor Jahren das Black Album von Jay-Z mit dem White Album der Beatles gekreuzt. Herauskam sinnigerweise das Grey Album . Sehr zum Leidwesen der Plattenfirma EMI, welche die Rechte an den Beatles-Aufnahmen hält und ihre Juristen in Marsch setzte. Nun möchten Erben und Plattenfirma zeigen, wie die Beatles im Remix zu klingen haben. Grauzonen gibt es keine. Beim Remix-Album Love geht alles mit rechten Dingen zu. Schwachpunkte stellen sich eher in künstlerischer Hinsicht ein. Mischpult-Altmeister George Martin habe den Sinn des Remixens nicht so ganz verstanden, schreibt Michael Pilz in der Welt . „Auch nicht sein Sohn Giles, der an der Produktion beteiligt war. Es geht beim Remixen um echte Interpretationen, Neubewertungen und überraschende Zusammenhänge. Love beschränkt sich auf die postmoderne Ausdeutung des Medley- oder Potpourri-Gedankens. Am Computer hergestelltes Kunstgewerbe. Kitsch. Erkennen Sie die Melodie?“

Wohlwollender rezensiert Johannes Waechter in der SZ das für eine Show des Cirque Du Soleil in Las Vegas konzipierte Stück Musik. Zwar ist Waechter froh, die „Zirkusaufführung (…) nicht ansehen“ zu müssen, gleichwohl sei das Ergebnis durchaus faszinierend. „Wer sich schon vorher in die Musik der Beatles vertieft hat, wird viel Freude daran haben, die einzelnen Farbtupfer dieses Großgemäldes zu identifizieren, doch die Platte taugt beileibe nicht nur für Fans und Spezialisten, sondern belegt erneut die dauerhafte Anziehungskraft der Beatles-Melodien. Einmal mehr erweist sich ihre Musik – der exzellenteste Songkatalog in der Geschichte der Popmusik – als unzerstörbar.“ Das Album adle darüber hinaus den Bastard-Pop.

Die von der Plattenfirma für Journalisten in Köln anberaumte Listening-Session muss grotesk gewesen sein. Mobiltelefone wurden eingesammelt, die Teilnehmer einer rigiden Sicherheitskontrolle unterzogen. „Ein netter schnauzbärtiger Engländer mit Bluthochdruck checkt jeden Journalisten mit einem Detektor ab, wie man ihn von Flughafenkontrollen kennt“, schreibt Eric Pfeil in der FAZ . Als Entschädigung werden Häppchen gereicht. Die Platte selbst gerät darüber fast zum Nebenereignis. Sie sei weder wichtig, „in irgendeiner Form notwendig oder gar ein wirklich neues Album der Beatles“.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service