Computerspiele
"Wesentlich ist die reale Welt"
Einen Tag nach dem Attentat an einer Realschule in Emsdetten fordern Politiker eilfertig ein Verbot von Killerspielen.

Aufnahme eines Computerbildschirms während eines so genannten "First-Person-Shooter"-Computerspiels.
Der Spieler bewegt seinen Kämpfer durch die virtuelle Welt. Er lässt ihn Aufgaben bewältigen - andere Menschen müssen getötet werden. Erschossen, geköpft, auf jeden Fall zur Strecke gebracht, je nach Software und Waffenarsenal. Die Szenen wirken dabei immer realistischer. Zerlegt man den Gegner zum Beispiel mit einer Kettensäge, spritzt das Blut auf den Bürgersteig, und Dolby-Surround-Boxen verleihen dem tödlichen Schaffen noch den akustischen Schliff. Echter - und grausamer - geht es nur noch in der Wirklichkeit.
Was aber, wenn die Grenze zwischen virtuellem Spiel und realer Welt schon längst verschwommen ist? Killerspiele, auch "First-Person-Shooter" genannt, werden auch im Fall des Emsdettener Schulattentats als wesentliche Ursache der gewaltsamen Entgleisungen gesehen. Am Montag stürmte der ehemaliger Schüler mit Schusswaffen und Sprengsätzen beladen seine alte Schule und verletzte fünf Menschen zum Teil schwer. Anschließend tötete er sich selbst. Kaum waren die Schüsse verhallt, forderten Politiker und Lehrer daher auch schon vehement, das Übel endlich an der Wurzel zu packen - und die so genannten Killerspiele zu verbieten. Die digitalen Schießereien sind Ziel der Schuldzuweisung, weil auch dieser Attentäter mitgespielt hatte. Und weil sie wie virtuelle Lehrgänge fürs Quälen, Vergewaltigen und Töten wirken.
Kritisiert wird nicht nur der brutale Inhalt, sondern auch der interaktive Charakter der Spiele. Die Didaktik nutzt dasselbe Prinzip, weil aktives Lernen im Vergleich zum passiven Konsum den Lernerfolg vergrößert. Die Teilnahme soll tiefgründiger und nachhaltiger wirken als jede Lernsituation ohne Beteiligung. Für Sprachen zumindest scheint das klar gültig zu sein. Aber kann dieses Prinzip mitsamt der verpönten Spiele nun mit dem Schulattentat von Emsdetten in Zusammenhang gebracht werden?
Medienwissenschaftler sagen: Nein. Denn in welcher Funktion und zu welchem Zweck sie wirken, das lässt sich für Gewaltspiele leider weniger eindeutig beschreiben als für andere Lernprozesse. Es hängt ganz maßgeblich vom Spieler selbst ab. "Viele haben einfach Freude an diesen Spielen, wie andere an ihren Gärten", sagt Klaus Jantke, Medienwissenschaftler an der Technischen Universität Illmenau und Spezialist für digitale Spiele. "Andere erleben diese so genannten First-Person-Shooter-Spiele genauso, also würden sie ein virtuelles Autorennen fahren."
Es geht also um Spaß, um Adrenalin, um den Wettkampf und ums Gewinnen - und nicht um Blutgier und den Genuss am Töten. Diese Auffassung vertritt auch Bernd Schorb, Professor für Medienkommunikation in Leipzig: "Wir müssen das aktive Spielen als solches ernst nehmen." Es sei medienwissenschaftlich nicht zu beweisen, dass es einen direkten Zusammenhang gebe zwischen Spiel und dem Handeln in der Wirklichkeit. "In den USA wurde versucht, die Militärs durch solche Computerspiele zu schulen. Es hat nicht funktioniert."
- Datum 22.11.2006 - 03:00 Uhr
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Hallo,
Das Traurige ist das keiner diesem sehr guten Artikel glauben wird...
Ich bin 17 Jahre alt und spiele schon mehrere Jahre aktiv 'Killerspiele' (Shooter). Ich werde zuerst ein bisschen was zu meiner Person sagen. Ich habe mit 14-15 Jahren angefangen Interesse für Shooter zu entwickeln. Wie bei wahrscheinlich den meisten hatte ich meinen ersten Kontakt damit über meinen Freundeskreis.
Der Anfang ist aufregend. Man tut etwas was der Großteil der Bevölkerung verachtet, darunter natürlich auch die Eltern, man ist ein Rebell und welcher mitten in der Pubertät stehende Junge will das nicht sein.
Am Anfang steht das Töten im Vordergrund. Es entwickelt sich aber recht schnell zu etwas das nur noch den Zweck erfüllt, wirkt sogar eher abstoßend. Das Körperteile durch die Luft fliegen wird ausgestellt, Blut wird zu einer Anzeige ob man getroffen hat und allgemein stellt man die Details eher schlechter als besser ein da man so den Gegner besser sieht. Das mag für manchen unverständlich sein, aber wenn man die Spiele nicht selbst spielt bekommt man schlecht Zugang zu diesem Thema und kann so auch nicht wirklich darüber Urteilen.
Das ist auch das was ich der Politik wirklich Vorwerfe. Ich denke keiner der Politiker hat es je wirklich ausprobiert wie es ist im Wettkampf gegen einen andern, Mann gegen Mann oder im Team zu kämpfen. Es geht darum wer die schnelleren/besseren Reflexe hat, wer mehr taktisches Spielverständnis aufbringen kann und wer die Welten besser kennt um deren Vorteile auszunutzen um zu erahnen wo der Andere sich befindet und andersrum zu beeinflussen was der Andere von einem denkt wo man ist und was man als nächstes tut. Und ja auch wenn das doch so viele nicht gerne hören. Das Spielen von Shootern schult mit Sicherheit die Reflexe, Teamfähigkeit und andere Sozialkompetenzen. Nicht umsonst schaffen es die Vereine (Clans) eine sich unter einer Führungsetage zusammenzuschließen und in geregelten Abläufen miteinander zu spielen.
Ich bin selbst an der Leitung eines Clans beteiligt und habe einiges an Erfahrung gesammelt. So begegnet man Menschen die man gut Handhaben kann und mit denen der Umgang Spaß macht, man lernt aber auch mit Leuten umzugehen die man nicht mag, aber mit ihnen auskommen muss. Solche Dinge können einem auch im Beruf helfen.
In diesem Sinne finde ich es lächerlich dass man Bestrebungen ansetzt Shooter zu verbieten. Das ist in meinen Augen nur Wählerfang. So nach dem Motto, keiner mag „Zocker“ also mache wir es einfach illegal. So noch ein Zitat zur Symbolik:
99% aller Terroristen essen Brot,
Wir fordern verbietet Brot!!
Good night, And good Luck!
Warum immer gleich alles verbieten?
Autofahren wird ja auch nicht verboten, weil ein paar zum Geisterfahrer werden. Viele, womöglich gar alle Jungs der 'betroffenen' Altersgruppe spielen Gewaltspiele, der eine mehr, der andere weniger, aber wer davon läuft amok?
Also bei dieser Erhebung von Anteil zu sprechen wäre schon falsch. Es ist leicht zu sagen, das muss an den Spielen liegen. Dies kann man verbieten, sehr einfach.
Ich denke den wahren Grund zu finden und zu beheben, bedarf eines Willen, der leider in unserer Gesellschaft fehlt. Wer ist beispielsweise schon bereit, sich mit den Aussenseitern einzulassen? Die Gefahr auch als Selbiger zu gelten erscheint als zu groß. Als Schüler wäre ich dazu nicht bereit gewesen, ich kann auch nicht guten Gewissens behaupten, jemals dazu bereit zu sein. Meiner Ansicht nach wäre es ein Weg, den guten Ansatz eines Schülerbeauftragten oder Problemlehrers zu vertiefen. Aber wie bringe ich Schüler, Eltern und Lehrer dazu, miteinander über derartige, schwerwiegende Probleme zu sprechen und eine Lösung zu finden? Für mich waren die Ansprechpartner während meiner Schulzeit nie eine Option. Sicher gab es bei mir auch Probleme in der Familie, mit Freunden, etc., aber ich hätte niemals mit einem Verbindungslehrer gesprochen. Vielleicht könnten diese auf diejenigen Personen zugehen, schwer auszumachen sind Aussenseiter sicherlich nicht. Vielleicht muss ja nicht immer der Beliebteste zum Klassensprecher werden... Ein Aussenseiter in solch einem 'Amt'; ich fände das klasse.
Irgendwo wird es meiner Meinung nach aber immer Löcher geben, durch die der eine oder der andere fallen wird.
Alles lässt sich sicherlich nicht verhindern zumindest aber begrenzen.
Die einzig zutreffende Aussage: Diese Killerspiele müssen weg. Es handelt sich aber nicht um die 'Egoshooter', sondern um die realen Killerspiele in unserer Welt.
Täglich wird suggeriert, dass Gewalt gut und richtig ist. Die Nachrichtensendungen sind gespickt mit Gewalt. Sie zeigen die Gewalt als plausible Option zur Durchsetzung der eigenen Ziele. Gewalt kann auch passiv sein. Sie zeigt sich nicht immer in physischer Form. Viele leiden auch unter dieser Form der Gewalt. Es sind meist zurückhaltende, eher unauffällige Personen.
Dies manifestiert sich in der Kindheit und Jugend. Unsere Gesellschaft sieht die Gewalt des Alpha-Typs als normal an und lässt gewähren. Sie produziert nicht nur chauvinistische Charaktere ohne Sinn für Recht und Mitgefühl, sondern auch zerstörte Persönlichkeiten, welche entweder in ihrer Opferrolle verharren, oft ein Leben lang, oder irrational ausbrechen.
Es ist lächerlich zu behaupten, die Spiele konditionieren zur Gewalt. Wer solchen Unfug redet ist realitätsfremd. Die Ursachen liegen in der Sozialisation. Die Eltern vermitteln keine humanistischen Werte. Die Schule lässt jeden Tag Gewalt zu und macht dadurch unzählige zu Opfern, die Täter kommen ungeschoren davon und werden als 'durchsetzungsstark' belohnt. Die Politik gebraucht, missbraucht und verbraucht Gewalt, als ob sie im Supermarkt zu Aktionspreisen angeboten würde.
Nach dieser langen Reihe von Konditionierungsprozessen der Realität erleben wir die Gewalt auch in der Fiktion. Der Medienkonsum lebt von Gewalt. Das Spiel ist nur ein kleiner Teil, das Ende einer langen Kette.
Machen wir uns nichts vor, der Verstand reicht um die Keule zu heben, doch nicht um sie niederzulegen. Massenmord gehört seit Urzeiten zum Verhalten unserer Spezies. Die heutige Zeit zeigt nichts Neues. Die Gewalt ist nur in eine komplexere, perfidere Struktur eingebunden und wird durch das Lügenmärchen der 'zivilen' Gesellschaft kaschiert.
Zivilisation heisst noch lange nicht Fortschritt. Ein Vorteil bleibt aber: heute kann man es den Computern in die Schuhe schieben.
Es ist erfreulich, endlich mal etwas wirklich vernünftig begründetes und richtiges über dieses Thema zu lesen... Ich weiß nicht, ob ihr den Text von Jörg Lau (ebenfalls in der ZEIT) gelesen habt, der wirklich purer Schwachsinn ist... Hätten diese ganzen 'Hilfe, PC-Spiele machen uns zu Mördern!'-Autoren recht, wäre ich ja wohl das Paradebeispiel für einen Amokläufer: Ich bin 18, zocke, seit ich denken kann (ja, ich hab natürlich auch Spiele gespielt, die ich nach der USK nicht hätte spielen dürfen ;-D), und das nicht zu knapp, höre 'böse' Musik (dazu gehören 'Selbstmord-fördernde' Sachen [Gothic], natürlich auch Marylin Manson, sowie Punk, in dem unser Staat und sein ganzes System angeprangert wird... Dazu kommt dann noch, dass ich lange Haare hab, mit nem langen, schwarzen Mantel rumrenn, mich schwarz schminke und Springerstiefel trage... Uiuiui, mag jetzt jeder Spießer mit Vorurteilen denken, 'der sitzt bestimmt in der Gosse und pöbelt besoffen unschuldige Omas an!'. Falsch gedacht. Ich bin im 12. Jahrgang auf dem Gymnasium und bin mit einem Schnitt von 1,5 der zweitbeste (nach einem, der mir sehr ähnlich ist) aus dem gesamten Jahrgang. Das einzige mal, soweit ich denken kann, dass ich WIRKLICH jemanden am liebsten 'mit einer Klaviersaite von hinten stranguliert' hätte, war, als ich den oben erwähnten Artikel 'Spielen ohne Grenzen' von Jörg Lau las... Das erinnert mich schon fast an Propaganda, und ich unterlasse an dieser Stelle die Vergleiche zum NS-Regime und der Propaganda gegen Juden u.Ä., da ich mich nicht auf das niedrige Niveau des Autors herablassen möchte. Wie in vielen andren Kommentaren zu lesen ist, bin auch ich der Ansicht, dass dies nichts weiter als das Prinzip '99% aller Terroristen ernähren sich von Brot - VERBIETET BROT, ES BILDET TERRORISTEN AUS!' ist... Naja, aber ich nehme an, dass man von Politikern, die es nicht für nötig erachten, sich genauer über die Welt der 'Gamer' zu informieren, beispielsweise durch ausprobieren, sondern lieber viele Arme um die Möglichkeit der Hilfe bringen, indem sie sich selbst ihre Diäten immer weiter erhöhen oder Steuern hinterziehen, nicht erwarten kann, dass sie jemals eine kompetente Ansicht hierüber erlangen werden... Danke jedenfalls für diesen (endlich einmal!) klugen Artikel.
es ist einfach herrlich: die computer sind schuld, die politiker sind schuld, die lehrer sind schuld... what about: der schooter ist verantwortlich fuer was er tat? waere zur abwechslung mal eine idee, oder?
nein, bloss nichs verbieten!!! also gut, dieser schuetze wird keine menschen mehr an- oder erschiessen; mit oder ohne verbot.
hoch lebe die freiheit - in meiner (neuen) heimat ist es die freiheit, eine schusswaffe zu besitzen. es ist nur wirklich bemerkenswert, wieviele menschen durch schusswaffengebrauch in nicht selbstverteidigung umkommen...
Was machen wir eigentlich, wenn irgendwann mal ein junges Mädchen auf die Idee kommt, ein Massaker zu veranstalten? Werden wir dann Robbie Williams oder Tokio Hotel dafür verantwortlich machen? Werden dann auch die bösen Lehrer, die unfähigen Eltern, das marode Schulsystem, die teuren Zuchtpreise für Pferde, die Handyrechnung etc. verantwortlich gemacht?!
Ich bin kein Diskursanalytiker,. aber irgendwie scheint sich das Thema 'Gewalt' ausschließlich auf die Jungs zu konzentrieren. Wenn das mal kein böses Erwachen gibt. Schließlich gibt es mehr als genug Beispiele für Gewaltbereitschaft unter (Schul-)Mädchen. (Nicht was ihr jetzt schon wieder vermutet.)
also hoert mal: wenn nicht alle menschen diebe sind, sollen wir also diebstahl nicht mehr strafbar machen? weil nicht alle menschen vergewaltiger sind, sollen wir vergewaltigung nicht mehr verbieten?? NICHT ALLE MENSCHEN SPIELEN DIESE PERVERSEN GEWALTSPIELE! und wenn auch das spielen nicht zur gewalt fuehrt, so sind es zumindest gewaltbereite menschen, die diese spiele erfreulich und unterhaltsam finden, warum sonst wuerden sie sie spielen??
Ich spiele sie zeitweise auch gerne. Trotzdem habe ich in meinem Leben noch keinen Menschen geschlagen, angezündet, verbrannt, erschossen o.ä.
Nicht jeder Mensch, der ein Hakenkreuz sieht, wird zum Nazi.
Nicht jeder Mensch, der in einem Porno mitspielt, ist sexbesessen.
Nicht jeder Mensch, der am PC ballert, mag Gewalt im Leben.
Ob diese Spiele pervers sind oder nicht, liegt allein in deiner Meinung und die ist rein subjektiv. Ich persönlich finde auch Leute pervers, die Nutella mit Gurke aufs Brot essen.
Gibt den Kids die Möglichkeit (und den Eltern den Auftrag), die Spiele als Bestandteil unserer Kultur kennen zu lernen, anstatt auf Verdrängung zu bauen. Wo ist denn nun eure hochgelobte, allseits gepriesene Aufklärungsarbeit?! Gewalt und Gewaltszenen gehören zu uns, das ist seit der Romantik anerkannt - oder würden Sie auch ein Gemälde von Goya wegen 'Gewaltverherrlichung' verbieten lassen?
Falls ja, ... dann war's das mit uns beiden. Falls nicht, dann sind wir uns ja einig.
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