Klimawandel Vergesst Nairobi!

Der zwölftägige Klimagipfel in Afrika hat so gut wie nichts zum Kampf gegen die globale Erderwärmung beigetragen. Es sind vor allem die Altindustrienationen, die sich vor der Verantwortung drücken. Ein Kommentar

Klimaschutz fängt ganz unten an - dieser Hund in London weiß es. Die Delegierten in Nairobi dagegen konnten sich auf nichts einigen

Klimaschutz fängt ganz unten an - dieser Hund in London weiß es. Die Delegierten in Nairobi dagegen konnten sich auf nichts einigen

Wer vor zwei Wochen, kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz in Nairobi, gehofft hatte, das Konklave der Diplomaten und Minister würde irgendwelche Entscheidungen treffen, die den bedrohlichen Anstieg der Erdtemperatur bremsen könnten, war entweder ein unverbesserlicher Optimist oder ahnungslos. Die Versammlung in Kenias Hauptstadt hatte gar nicht das Mandat dafür. Nun geht das zweiwöchige Event zu Ende – und der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen steigt weiter. So, als wäre nichts geschehen.

Überraschend ist der Vorgang zwar nicht, bemerkenswert aber schon. Denn die Erkenntnisse über die Ursachen des Klimawandels haben sich zur Gewissheit verdichtet, seine ersten Folgen sind erkennbar. Es ist mittlerweile auch klar, dass Klimaschutz billiger ist als unterlassener Klimaschutz – und dass die Bestimmungen des Kyoto-Protokolls vollkommen unzureichend sind. Die weltweiten Treibhausgas-Emissionen werden bis 2012, wenn die Abmachung von 1997 ihre Gültigkeit verliert, um rund 40 Prozent höher sein als 1990, dem Bezugsjahr der Vereinbarung.

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Dass die Delegierten in Nairobi trotzdem nicht für mehr Konsequenz in der Klimapolitik sorgen konnten, hat zwei Gründe: einen banalen und einen komplizierten.

Der banale: Die Klimakonferenz des vergangenen Jahres in Montreal versäumte es, der Nairobi-Konferenz die Verhandlungen über ein Nachfolgereglement des Kyoto-Protokolls aufzutragen. Ohne einen solchen Auftrag – ohne "Mandat", wie es im Diplomatenjargon heißt – gibt es aber nichts zu verhandeln; nicht umsonst ging der Einigung auf das Kyoto-Protokoll Ende 1997 zwei Jahre zuvor das "Berliner Mandat" voraus, das die nachfolgenden Klimakonferenzen mit der Ausarbeitung einer konkreten Klimaschutzvereinbarung in aller Form beauftragte. In Nairobi waren die Delegierten nur berechtigt, reichlich unverbindliche Debatten in Workshops und Foren zu führen.

Die komplizierte Ursache: Mittlerweile ist klar, dass die Industriestaaten allein das Klima nicht werden retten können. Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien müssen beim Klimaschutz mitmachen; allein Chinas Treibhausgas-Ausstoß steigt mit beängstigender Geschwindigkeit und wird schon in Kürze höher sein als derjenige des größten Luftverschmutzers: der Vereinigten Staaten. Nur stimmt eben auch, dass der bisher zu kurz gekommene Teil der Menschheit so gut wie nichts zur bereits messbaren Erderwärmung beigetragen hat. China & Co. verlangen deshalb zu Recht Vorleistungen der altindustrialisierten Länder. Doch genau diese Vorleistungen bleibt man, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bisher schuldig. Die USA und Australien haben das Kyoto-Protokoll nicht einmal ratifiziert, die Europäer sind mit ihren Verpflichtungen fast hoffnungslos in Rückstand.

Diese Verteilungsfragen sind der eigentliche Grund für den Stillstand der internationalen Klimapolitik. Sicher, es schadet nicht, sich zu treffen, miteinander zu reden und Vertrauen zu schaffen. Das ist aus anderen internationalen Verhandlungsprozessen, beispielsweise aus den Abrüstungsverhandlungen, bekannt. Es schadet auch nicht, Vorkehrungen für den bereits eingetretenen und in Zukunft nicht mehr abwendbaren Klimawandel zu treffen; es ist sogar ein Gebot der Vernunft und der Gerechtigkeit. Dass sich die Klimadiplomaten vor 5 Jahren auf die Einrichtung eines "Anpassungsfonds" geeinigt haben, dass sie die Modalitäten der Mittelvergabe nun in Nairobi etwas konkretisiert haben, ist deshalb ein Erfolg. Aber eben ein allzu bescheidener.

Leser-Kommentare
  1. Der Klimazug, seit einigen Jahrzehnten in Fahrt gekommen, lässt sich nur noch schwer aufhalten. Zudem glauben manche noch, er stünde.
    Tapfer wie eh und je stemmen sich allein die Deutschen dagegen. An ihrem Wesen soll die Welt wieder mal genesen.
    Paradoxerweise sind die großen linksgrünen Klimastrategen in der Klemme, denn die AKWs, die ja bekanntlich keine CO2 Emission haben, sollen durch Kohlekraftwerke ersetzt werden. Da siegt wieder mal die Ideologie über den Verstand.
    Windmühlen als originäre Energiequelle sollte man vergessen, was bleibt sind thermosolare Kraftwerke, die Strom bzw. Wasserstoff erzeugen.
    Der korpulente Gabriel wird doppelt scheitern: Einmal überrennt ihn der Klimazug wie alle anderen, gleichzeitig aber ruiniert er noch die deutsche Volkswirtschaft.
    Leider sind wir alle Gabriel! Und die Kanzlerin?
    Merkel,who?

  2. als ein Diesel hat von den Fakten nur wenig Ahnung. In der Golf-Klasse ist der TDI jedem Hybrid verbrauchsmäßig überlegen. Nicht umsonst hat ein Polo-TDI in der (etwas fragwürdigen) Umwelt-Rangliste des VCD die mit Abstand niedrigste CO2-Emission aller dort aufgeführten Fahrzeuge. Für 2 Tonnen schwere SUVs stellt sich das Problem ganz anders dar, aber solche Autos sind per se quatsch.

    Ähnlich unsinning ist ihre Argumentation bzgl. der Atomkraft: Erneuerbare Energieen allein können die CO2-Emissionen nicht auf ein Klima-verträgliches Maß absenken. Das geht nur im Verbund aller CO2-armen oder CO2-freien Energieträger, dazu gehören die Kern- und in Zukunft auch die Fusionsenergie.

    Der EPR ist inhärent sicher, Super-GAU ausgeschlossen. Statt die deutsche Lachnummer Atomausstieg weiterzuverfolgen, sollte man hier forschen und investieren.

    Brennstoff ist auch mehr als genug vorhanden, denn wenn man nicht nur die 0.7% U235, sondern auch die 99.3% U238 und die 4-fache Menge Th232 nutzt, reicht es für ein paar 1000 Jahre. Es gibt auch physikalische Möglichkeiten, durch geeignete U-Th Brennstoffgemische die Proliferation auszuschließen, denn hier entstehen im Reaktor nur für den Bombenbau unbrauchbare Plutonium-Isotopengemische.

    Die Abfälle kann man durch Wiederaufarbeitung und Transmutation in relativ kurzlebiges Zeug verwandeln, das nach ein paar 100 Jahren nicht mehr strahlt. Solange sollte eine sichere Aufbewahrung wohl möglich sein, schließlich stehen die Pyramiden schon 5000 Jahre.

    Es gibt für alle diese Probleme technische Lösungen, die das Klima retten und nicht bedeuten, sich selbst arm zu machen. Warum werden sie nicht angepackt? Weil wir von einer weitestgehend unfähigen Politikerkaste regiert werden und weil Gruppen wie die Grünen oder Greenpeace auf den selbst herbeigeredeten unlösbaren Problemen ihr politisches Süppchen kochen.

    • iDog
    • 17.11.2006 um 20:09 Uhr

    ... denn in der entscheidung gegen die atomkraft geht es ja wohl kaum um den klimaschutz.
    Verstanden haben das anscheinend nur die sogenannten gruenen - und es handelt sich wohlgemerkt um verstehen der realitaet und nicht um eine ideologie, die sich ja logisch lediglich auf eine idee bezieht. man kann ueber die einsicht in den tatbestand, dass atomkraft noch bei weitem schrecklichere folgen hat als jeder vorstellbare klimagau wirklich nicht von einer idee reden.
    Eine idee dagegen, und zwar eine durchaus schlecht, ist es
    die drohenden klimaprobleme mit etwas noch schrecklicherem in den griff bekommen zu wollen. den teufel mit dem belzebub austreiben waere harmlos dagegen.
    daher sitzen die 'linksgruenen klimastrategen', wie sie sie polemischerweise nennen, keineswegs allein in der klemme, sondern wir sitzen - wie sie ja auch bemekten - alle in der klemme: das eine schreckliche problem noch nicht geloesst taucht schon ein zweites auf.
    zynisches untergangsgeunke und schuld-in-die-schuhe-geschiebe hat allerdings nie was gebracht . besser anpacken wo man kann : die gruenen kuemmern sich um die abschaffung der atomkraft und sie fangen schon mal beim klimaproblem an: alten diesel weg und neues hybrid auto kaufen, alte oelheizung weg und solardach anschaffen, nicht nach bali in urlaub sondern mit freunden fahradtour durchs weserbergland machen, ... insgesamt eben nachhaltigen produkten den vorzug geben und alle dreckschleuderer durch missachtung abstrafen. Konsumenten power besteht nicht in niederigen preisen sondern in verantwortungsbewustem konsum.
    mit anderen worten : verstanden haben wir es alle laengst aber dummerweise scheint die nach-mir-und-noch-zu-meinen-lebenszeiten-die-sintflut mentalitaet eine der best verdeidigten bastionen dieser zeit zu sein. ist bequem und verkauft sich gut. Wir wollen uns doch nicht alle fuer dumm verkaufen lassen, oder?

  3. Das Experiment 'Mensch' scheitert gerade. Die Intelligenteren benutzen ihre Gabe dazu, neue sinnentleerte Konsumgüter zu erschließen, alle gemeinsam überlassen die Organisation ihres kollektiven Schicksals den lobbybetriebenen Politikern. Man hält sich mit Satelitenfernsehen, MP3 und Wellness bei Laune und nebenbei geht - hast du nicht gesehen - der Planet zum Teufel.

    Entweder wir ändern radikal unsere Haltung und akzeptieren unsere Verantwortung vor der Schöpfung über unsere Lebensspanne hinaus, oder wir sollten das Hubble-Teleskop dazu nutzen, beizeiten einen neuen Planeten zu suchen.

  4. In den Medien werden immer wieder Argumente ausgetauscht, weswegen die eine Methode oder die andere Methode nicht zu einem nachhaltigen Klimawandel führt.
    Hier liegt genau die Problematik! Keine Methode allein reicht aus, auch nicht alle derzeit bekannten Methoden, wenn man die Problematik weltweit sieht. Völlig falsch ist es aber, die bekannten Methoden nicht sofort anzuwenden, auch wenn die Einzeleffekte nur gering sein mögen. Warum werden z.B. Partikelfilter für die Nachrüstung steuerlich gefördert? Effektiver wäre doch eine klare Vorschrift, für Neuwagen diese Filter ab sofort (und hier hätte schon vor Jahren angefangen werden müssen) vorzuschreiben. Das wichtigste bei dem Problem ist aber der Bereich der Forschung. Hier liegen unsere Zukunftschancen. Die Bundesrepublik muss Exportweltmeister für neue Methoden in Richtung Klimaschutz werden und gleichzeitig alle verfügbaren Methoden konsequent und unmittelbar anwenden. Nur so haben auch Länder, die noch einen erheblichen wirtschaftlichen Nachholbedarf haben, die Chance sich klimaverträglich zu entwickeln. Auch die Debatte über die Kernenergie gehört dazu. Die Forschung auf dem Gebiet der Kernenergie muss weitergehen. Trotzdem ist der Ausstieg aus den Kernkraftwerken richtig. Forschung ja, Anwendung aber nur dann, wenn die Forschung sichere Methoden gefunden hat.
    Jeder (und hier meine ich Menschen, Unternehmen und staatliche Einrichtungen) ist aufgefordert herauszufinden: was kann ich für ein besseres Klima tun!

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