Spielen Beruf: Pokerspieler
James Bond spielt es, im Fernsehen gibt es Live-Übertragungen - Poker ist beliebt wie nie und erobert Europa. Ein professioneller Pokerspieler erzählt aus seinem Berufsalltag
Früher träumten Tellerwäscher davon, Millionäre zu werden. Inzwischen gibt es Spülmaschinen. Wer also eine alternative Tätigkeit sucht, um reich zu werden, kann Chris Moneymakers (der Name ist hier Programm) Autobiografie Moneymaker lesen, die Geschichte von einem, der als Amateur-Pokerspieler aus 40 Dollar 2,5 Millionen machte. Poker, hierzulande immer noch nicht wirklich salonfähig - dicke Zigarren, halbseidene Anzüge, Bluffs - könnte nicht zuletzt durch den neuen Bond-Film Casino Royale Europa erobern. Das Spiel verbindet Unterhaltung, Kribbeln und Geselligkeit mit dem Traum vom schnellen Geld.
Dabei ist Poker, soll es nicht nur zum Spaß um ein paar Cents gehen, sondern auch dazu dienen, Geld zu gewinnen, harte Arbeit. Viele Bücher sind zu lesen, Internet-Artikel und -Foren zu verfolgen, Situationen genau zu analysieren, eigene Fehler aufzudecken. Am Tisch muss der Spieler innert Sekunden die richtige Entscheidung treffen, wobei mathematische, strategische und psychologische Aspekte eine Rolle spielen. Geduld und Disziplin sind die Kardinaltugenden eines gewinnenden Pokerspielers. Alle anderen verlieren.
Warum sich diese schlechten Spieler, die fishes , wieder und wieder an den Tisch setzen? Poker ist eine Sucht. Die Erinnerung an einen sehr guten Abend, den auch der schlechteste Spieler immer wieder hat, ist gegenwärtiger als die vielen Verlustrunden dazwischen - die Hoffnung, Fortuna küsse einen wieder, stirbt zuallerletzt. Im Gegensatz zu Schach und Backgammon wird Poker meist an einem Tisch für zehn Spieler gespielt. Man verliert also nicht gegen einen konkreten Gegner, sondern "hat einfach Pech". Der Glücksfaktor ist groß genug, um die sich selbst betrügenden Verlierer glauben zu machen, sie hätten nur Pech, aber so gering, dass die strategisch überlegenen Spieler langfristig gewinnen.
Wenn Chris Moneymaker eine Million Dollar gewonnen hat, müssen andere Spieler dieses Geld verloren haben. Neben dem Betrag, den die Profis gewinnen, muss auch das Rake , die Gebühr, die vom Anbieter (sei es ein Casino oder eine Internet-Seite) pro gespielter Hand erhoben wird, dazugerechnet werden. Je nach Höhe des Pots, des Geldes also, das am Schluss in der Mitte liegt und von den Spielern im Verlauf des Spiels gesetzt wurde, kann dies einige Dollars pro Hand ausmachen. Das Internet beschleunigt den Ruin. Online kann an mehreren Tischen gleichzeitig gespielt werden, die lästige Mischprozedur entfällt und es können 60 bis 80 Hände pro Stunde gespielt werden. Online-Gambling dürfte für die Betreiber einer der profitabelsten Geschäftsbereiche im Internet überhaupt sein.
Mehr als 80 Prozent aller Spieler verlieren. Sie spielen Sugardaddy und träumen weiter von Casino Royale, in dem der grüne Filz voller gebündelter Dollarscheine liegt, sich langbeinige Schönheiten über den Tisch räkeln und der strahlende Sieger Sonnenbrille trägt. Über diese dunkle Seite des Business erfährt man in der Öffentlichkeit wenig, aber wer regelmäßig in ein Casino geht, dem fällt bald auf, dass trotz des Spielbankengesetzes, das den Spielbanken eine aktive Rolle in der Suchtprävention vorschreibt, ein gutes Dutzend Süchtiger mit Vollgas ihr Vermögen verjubeln. Im Internet, wo das Geld nur virtuell sichtbar ist, ist die Gefahr noch größer.
Und die Profis? Das Geschäft verlangt lange Nachtschichten in der Spielbank oder stundenlange Sessionen vor dem Bildschirm. Die Nerven werden bisweilen arg strapaziert und das soziale Leben auf den Prüfstand gestellt. Nach eigener Erfahrung sind die sharks überdurchschnittlich suchtanfällig. Vielen ist durch das Spielen um hohe Beträge der Umgang mit Geld fremd. Der wohl größte Pokerspieler aller Zeiten, Stu Ungar, starb 1998 im Alter von 45 Jahren an einem Herzinfarkt.
Vor einem guten Monat wurde in den USA ein Gesetz verabschiedet, das Geldinstituten wie Banken und Kreditkartenfirmen die Einzahlung von Geld auf Gambling-Seiten verbietet. Im Repräsentantenhaus fiel der Entscheid dabei fast einstimmig aus. Einige große Online-Casinos haben reagiert und lassen niemanden aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten mehr spielen, andere warten noch ab. Doch die Internet-Poker-Anbieter werden sich wohl auf Europa konzentrieren, hier ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Die Profis wird es freuen - mehr Fische im Haifischbecken.
* Der Autor ist professioneller Pokerspieler in der Schweiz und möchte nicht namentlich genannt werden.
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- Datum 21.11.2006 - 04:42 Uhr
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Das der Autor dann auch noch behauptet er sei selber Pokerprofi gibt dem Artikel noch den Rest....mir drängt sich dabei der Eindruck auf der Autor war mal bei der Bild
Endlich werden einmal entgegen der gängigen Meinung, Poker sei ein Glücksspiel, deutlich die strategischen Aspekte betont, die das Spiel eben zum Geschicklichkeitsspiel machen.Poker ist langfristig gewinnbar, für den guten Spieler!
So weit so gut.
Aber: Die meisten Spieler verlassen die niedrigen Limits nie, sie spielen um ein paar Cents, betrachten Poker als Hobby, haben einfach Spaß. Nicht jeder verlierende Spieler verprasst sein ganzes Vermögen (und nicht jeder gewinnende Spieler kann davon leben) und wird zum Süchtigen, das Internet hat ja erst das Spielen um Centbeträge ermöglicht. Warum hier die Suchtgefahr, die zweifellos besteht ,größer sein soll, bleibt unklar.
Die anschließende 'Milieuschilderung', die überraschenderweise gängige Klischees zu bestätigen sucht, gipfelt in der völlig zusammenhanglosen Erwähnung des Todes von Stu Ungar, offenbar repräsentiert er das typische Ende einer Online-Poker -Karriere. Welchen Stellenwert Poker für den Durchschnittsspieler erhält, entscheidet dieser durch sein Verhalten in ersten Linie immer noch selbst: Sucht ist nicht der Regelfall, sondern Ausnahme.
Die modernen Zocker kaufen Optionen auf die Futures von Schweinebäuchen, Paladium und den 'Bund'. Da kann man all sein Geld auf einmal loswerden oder viervielfachen. Ist auch nicht so anrüchig wie Poker oder Pferdewetten, denn man ist ein 'Investor' und kein Spieler. Man muss sich auch nicht extra herrichten, sondern kann noch um die mittagazeit im Bademantel vor dem Monitor sitzen und mitspielen ohne dass es einem auffällt.
Und für die Unterschicht gibts ja Lotto und Klassenlotterie. Da muss man gar nichts wissen oder können. Dafür behält der Staat auch die Hälfte des eingegangenen Geldes für sich. Fällt hier eh niemandem auf.
'Der wohl größte Pokerspieler aller Zeiten, Stu Ungar, starb 1998 im Alter von 45 Jahren an einem Herzinfarkt.'
Was will der Autor uns damit sagen?
Es gibt sehr viele Pokerlegenden wie Doyle Brunson die noch sehr fit sind..
Mir erschliesst sich der zusammenhang zwischen seinem herzinfakt und Poker einfach nicht...
Ausserdem sind Pokerspieler keineswegs nur suchkranke Sharks und Suchtkrüppel die zig tausende Schulden machen....hier wird nur schwarz weiss gemalt und ich bin als Pokerspieler mehr als entäuscht von diesem Bericht.
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