Korruption 200 Millionen Euro weg

Die Affäre um schwarze Kassen bei Siemens weitet sich aus: Jetzt ermittelt auch die griechische Polizei. Zwei weitere Verdächtige wurden verhaftet

Die Korruptionsaffäre bei Siemens nimmt ungeahnte Ausmaße an. Die Staatsanwaltschaft in München geht davon aus, dass ein Schaden in Höhe von mindestens 200 Millionen Euro entstanden ist - zehn Mal mehr als noch am vergangenen Freitag vermutet. "Konkrete Erkenntnisse über den Verbleib dieser Gelder liegen nach wie vor nicht vor", teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Zwei weitere Siemens-Mitarbeiter wurden festgenommen. Sie arbeiteten in der Internen Revision und dem Rechnungswesen der Telekommunikationssparte des Konzerns.

Insgesamt sitzen gegenwärtig sechs Beschuldigte in Untersuchungshaft. Einer von ihnen wurde in Österreich festgenommen und am Mittwoch nach München überstellt. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt sie, eine Bande gebildet zu haben, die schwarze Kassen füllte, um mit diesem Geld Aufträge im Ausland zu akquirieren.

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Zurzeit wertet das bayerische Landeskriminalamt 36.000 Ordner mit Archiv- und Geschäftsunterlagen sowie Computerdaten aus, die bei einer Durchsuchung von Siemens-Geschäftsräumen in der vergangenen Woche sichergestellt worden waren. Die Fahnder hatten in der Münchener Konzernzentrale und rund 30 Siemens-Standorten in Deutschland und Österreich nach Beweisen gesucht und waren auch im Büro des Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld gewesen . Siemens-Vorstände seien aber nicht befragt worden, sie seien in dem Verfahren auch keine Beschuldigten, sondern "Zeugen", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet, allein 70 Millionen Euro der gesuchten Summe seien über drei Konten bei der Raiffeisenlandesbank Tirol in Innsbruck geflossen. Von dort sei das Geld in der zweiten Hälfte der 90er Jahre in zahlreiche Länder weitergereicht worden. Fast fünf Millionen Euro seien ausweislich von Kontoauszügen, die Ermittlern bekannt seien, für ranghohe Persönlichkeiten in Nigeria bestimmt gewesen. Eine kleinere Summe sei nach Syrien gegangen.

Die Staatsanwaltschaft in Bozen verfolgt den Verdacht, dass Siemens sich in den 90er Jahren den Einstieg in den italienischen Telekommunikationsmarkt mit einer Schmiergeldzahlung in Höhe von fünf Millionen Euro erkauft haben könnte. So schreibt die SZ weiter, über Konten in Salzburg seien mehr als 100 Millionen Euro geflossen und weitere 35 bis 40 Millionen seien über Konten in der Schweiz verschoben worden.

Das Handelsblatt berichtete ebenfalls am Mittwoch, dass nun auch in Griechenland gegen einen leitenden Siemens-Mitarbeiter ermittelt wird. Angeblich haben die griechischen Behörden Unregelmäßigkeiten beim Auftrag für das Sicherheitssystem bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen festgestellt. Auch hier soll ein Mitarbeiter der Telekommunikationssparte Com involviert sein. Der Manager habe den Konzern schon im April verlassen, sagte ein Siemens-Sprecher dazu. Auch dieser Verdächtige soll Zugriff auf Konten in der Schweiz gehabt haben, die die Fahnder dem System der schwarzen Kassen bei Siemens zurechnen. In Italien sind Staatsanwälte nach einem Bericht des Wall Street Journals ebenfalls verdächtigen Geldzahlungen auf der Spur. Es geht offenbar um ein Bankkonto, über das mehr als 60 Millionen Euro geflossen sein sollen.

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