Amoklauf Training im Kalkwerk
Die Polizei hat beim Amoklauf von Emsdetten wahrscheinlich Schlimmeres verhindert, weil die Beamten für solche Situationen inzwischen geschult werden.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers zeigte sich nach der Bluttat in der münsterländischen Kleinstadt mit der Polizeiarbeit äußerst zufrieden. Weil einige Beamten schnell an der Schule gewesen seien und - eigens trainiert - sofort eingegriffen hätten, sei es vermutlich nicht zum Äußersten gekommen: eine Reihe von Toten wie vor vier Jahren beim Amoklauf eines früheren Schülers in Erfurt.
Aber wie trainiert man das polizeiliche Verhalten bei Amokläufen? Um 9:28 Uhr am Montag erreichte die Polizeistation in Emsdetten der Hilferuf: „Hier ist eine Person auf dem Schulhof. Die schießt um sich.“ Bemerkenswert schnell, schon sechs Minuten später, waren zwei Streifenwagen auf dem Schulgelände.
Die vier Beamten, alles andere als Spezialeinsatzkräfte, sondern im Alltag eher beschäftigt mit Diebstählen und anderen kleineren Delikten, zögerten nicht. Zielstrebig betraten sie das Schulgebäude. Der Amokläufer Sebastian B. verschanzte sich im zweiten Obergeschoss der Realschule; Schüler und Lehrer konnten entkommen, die meisten unverletzt.
Streifenbeamte gegen Amokläufer: Das Düsseldorfer Innenministerium ist sich sicher, dass dieses couragierte Vorgehen eine größere Katastrophe verhindert hat. Richtige Spezialeinheiten trafen nämlich erst um 10:10 Uhr an der Schule ein; und es war sogar noch ein günstiger Zufall, dass diese gerade im 32 Kilometer entfernt gelegenen Münster stationiert waren. Rund 35 Minuten lagen also zwischen dem Eintreffen der Streifenpolizisten und dem der Spezialeinheiten. Eine gute halbe Stunde, in der Grausames hätte geschehen können.
„Amokläufer handeln in der Regel sehr schnell. Meistens sind es Einzeltäter. Sie wollen nicht mit der Polizei verhandeln. Sie wollen ‚Tabula rasa’ machen, sich rächen – was sie etwa Bankräubern oder Kidnappern unterscheidet.“ Dieses Täterprofil erstellt Dieter Wehe, Inspekteur der nordrhein-westfälischen Polizei im Gespräch mit ZEIT online . Es wäre, so Wehe, unverantwortlich gewesen, hätten die Mittelstadtpolizisten nur den Schulhof gesperrt, abgesichert und auf die Spezialeinheiten gewartet. „Der Täter muss unter Druck gesetzt werden, die Polizei soll dessen Aufmerksamkeit auf sich lenken und dann die Irritation des Amokläufers nutzen. Agieren, nicht abwarten – das trainieren wir“, so Wehe.
Aber wie? Alarmiert durch das Schulattentat in Erfurt im Jahr 2002, als der 19-jährige Robert Steinhäuser gezielt und schnell 16 Menschen tötete und die Polizei lange abwartete, fand inzwischen in vielen Bundesländern ein „Paradigmenwechsel“ statt, wie Polizeiinspekteur Wehe es nennt. Mittlerweile wird bei „Einsätzen aus Anlass von Amoktaten“ von den vor Ort befindlichen Polizisten per ministeriellen Erlass ein unverzügliches Eingreifen verlangt. Um dies zu schulen, wurde in NRW in diesem Jahr das so genannte „Einsatztraining 24“ ins Leben gerufen: ein aus vier Modulen bestehendes 24-stündiges Schulungsprogramm, das jeder Polizeibeamte im Fahndungs-, Kripo- oder Wachdienst mindestens einmal pro Jahr absolvieren muss. Ein zentrales Modul dieser Zusatzausbildung heißt tatsächlich „Amoktraining“.
- Datum 23.11.2006 - 05:02 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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die Arbeit der Polizei in allen Ehren, aber, was wäre denn passiert, wenn der Täter nicht 'nur' über einschüssige Vorderladerwaffen verfügt hätte, sondern über halbautomatische Pistolen, Repetiergewehr oder Pump-Gun? Mit solchen Waffen hätte der Attentäter in 6 Minuten eine Menge Menschen umbringen können. Also, erstmal nachdenken, bevor man solche Sprüche abläßt, Hr. Ministerpräsident. Ich denke, unser restriktives Waffenrecht hat hier Schlimmeres verhütet. Allerdings sollte man sich über die freie Verkäuflichkeit der Schwarzpulverwaffen ab 18 Jahren nochmal Gedanken machen. Ich finde 25 Jahre wäre hier angebrachter. Wer sich von der Durchschlagskraft eines Schwarzpulvergewehres mal ein Bild gemacht hat, wird vielleicht auch zu diesem Schluß kommen.
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