Fall Litwinenko Anschlag auf Beresowski?

Bei den Ermittlungen zum Tod des russischen Ex-Spions Litwinenko sind auch in einem Londoner Büro des russischen Milliardärs und Putin-Gegners Boris Beresowski Polonium-Spuren entdeckt worden

Ein Polizeisprecher sagte, in zwei Gebäuden sei die hochgefährliche radioaktive Substanz gefunden worden. Litwinenkos Freund Alexander Goldfarb bestätigte, dass es sich bei einem der beiden Gebäude um das Büro von Boris Beresowski handelt. Der Milliardär und frühere Öl-Magnat lebt in London im Exil.

Spuren des radioaktiven Polonium 210 waren auch in Litwinenkos Körper nachgewiesen worden. Litwinenko war am Donnerstag unter mysteriösen Umständen gestorben. In einem Abschiedsbrief hatte der Kreml-Kritiker den russischen Präsidenten Putin beschuldigt, für seinen Tod direkt verantwortlich zu sein.

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Nach dem Tod des offenbar vergifteten russischen Ex-Agenten müssen sich drei Menschen in einer britischen Spezialklinik radiologischen Untersuchungen unterziehen. Zudem stießen die Behörden in London an weiteren Orten auf Anzeichen radioaktiver Strahlung, wie Innenminister John Reid mitteilte. Damit könnten potenziell wesentlich mehr Menschen radioaktiver Strahlung ausgesetzt gewesen sein als bisher befürchtet. Reid betonte allerdings, es gebe keinen Anlass zur Unruhe.

Äußerst giftige Polonium-Rückstände wurden zunächst nur in Litwinenkos Wohnung entdeckt sowie in einem Restaurant und einem Hotel, in dem er sich aufgehalten hatte. Die Behörden forderten daraufhin alle Bürger auf, eine eigens eingerichtete Notrufnummer zu wählen, falls sie ebenfalls an diesen Orten waren. Mehr als 450 meldeten sich nach Behördenangaben daraufhin aus Angst um ihre Gesundheit. 18 davon werden genauer untersucht. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um eine Verstrahlung oder radioaktive Vergiftung der Betroffenen mit Sicherheit ausschließen zu können, sagte eine Sprecherin der Gesundheitsschutzbehörde HPA.

Ein Sprecher des britischen Premiers Tony Blairs warnte am Montag davor, die russische Führung vorschnell für den Tod Litwinenkos verantwortlich zu machen. "Der Premierminister und andere Minister haben wiederholt ihre Besorgnis über einige Menschenrechtsaspekte in Russland betont. Aber in diesem speziellen Fall müssen wir vorsichtig vorgehen. Polizeiermittlungen sind im Gange und wir müssen das Ergebnis abwarten."

Litwinenko hatte sich Anfang November in London mit einem ehemaligen Kollegen aus Moskau und einem italienischen Akademiker getroffen. Noch am gleichen Tag traten Vergiftungssymptome auf und Litwinenko begab sich in eine Klinik. Er recherchierte im Fall der regierungskritischen russischen Reporterin Anna Politkowskaja, die am 7. Oktober in Moskau erschossen worden war. Putin wies am Rande des EU-Russland-Gipfels in Helsinki die Vorwürfe einer Verwicklung in den mysteriösen Tod Litwinenkos zurück.

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