Frauenpolitik Nur Gedöns

Frauenpolitisch übertrifft die Große Koalition sogar Schröders Ignoranz. Die Kanzlerin zeigt keinerlei Interesse an der Lage ihrer Geschlechtsgenossinnen.

Arbeiten und Kinder kriegen: Viele Frauen möchten das, aber die Politik hilft ihnen nicht gerade dabei

Arbeiten und Kinder kriegen: Viele Frauen möchten das, aber die Politik hilft ihnen nicht gerade dabei

In einem Politikfeld hat die Große Koalition alle Erwartungen übererfüllt im negativen Sinne. Schon im Wahlkampf 2005 war absehbar, dass Angela Merkel zur Frauenpolitik wenig zu sagen weiß. Insofern waren die Hoffnungen, die in die erste Kanzlerin gesetzt wurden, denkbar gering.

Jetzt sind sie im Keller. Angela Merkel scheut das Thema geradezu: Initiativen zur Frauengleichstellung hat sie bislang nicht entwickelt, jedenfalls nicht freiwillig. Zur UN-Frauenkonferenz in Tokio in diesem Jahr verlas sie eine Botschaft – per Video von Berlin aus. Frauenorganisationen haben vermutlich noch schlechtere Chancen als Tierschützer, eine Audienz bei der Kanzlerin zu bekommen; der Deutsche Frauenrat ist noch nicht vorgelassen worden. Auch die von der Union berufene Bundesministerin für Familie, Frauen, Jugend und Senioren fällt bisher nicht durch Gleichstellungsvorstöße auf.

Anzeige

Das ist einerseits erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Deutschland erstmals von einer Frau regiert wird, was vor einem Jahr weithin als wichtiges Signal gewertet wurde, auch von Alice Schwarzer, und dass noch nie so viele Frauen wichtige Positionen im Kanzleramt bekleideten; gleich zwei Staatsministerinnen hat Merkel.

Nach einem Jahr weiblicher Kanzlerschaft ist jedoch auch dem letzten Zweifler klar, dass deswegen noch lange keine Renaissance der Frauenpolitik zu erwarten ist. Das haben auch die Frauenpolitikerinnen der SPD, die schon in Kanzler Schröder keinen Mitstreiter fanden, inzwischen gelernt. Sie schmoren in ihrer Wut über Ursula von der Leyens sehr einseitig an Müttern und Familien orientierter Aufmerksamkeitspolitik leise vor sich hin. „Frauenpolitik ist Querschnittspolitik – die Ministerin müsste sich streitbarer in andere Ressorts einmischen, sei es bei existenzsichernder Arbeit oder Frauen an den Hochschulen“, sagt Elke Ferner, stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD. Das vermisse sie an von der Leyen, die sich viel zu sehr auf ihr kleines Ministerium konzentriere.

Doch die SPD ist selbst keine Speerspitze des Feminismus, sondern als Gesamtpartei bei dem Thema eher achtlos, wie zuletzt bei den Leitsätzen zum neuen Grundsatzprogramm von der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) kritisiert wurde: „Ein neues Grundsatzprogramm der SPD, in dem ein eigenständiger Schwerpunkt zur Geschlechtergerechtigkeit fehlt und nicht zugleich alle Themen unter dem Gender-Aspekt beleuchtet werden, wäre nicht nur das Papier nicht wert, auf dem es steht, sondern ein programmatischer Rückschritt. Auch im 21. Jahrhundert ist die Geschlechterfrage kein Nebenwiderspruch!“ Die ASF fordert einen eigenen vierten Schwerpunkt, gleichrangig zu den benannten Themen Europa, Wettbewerb und Innovation sowie Sozialstaat.

Leser-Kommentare
  1. Nachdem nun in der Schweiz der Beruf des Schäfers wieder entdeckt wurde, zum löbllichen Beginnen die Schafherden zu schützen ohne die Wölfe abschießen zu müssen, soll in Deutschland nachgezogen werden.

    Die Zeit will beispielsweise den Beruf des Klageweibes wieder verstärkt fördern! Nach alter Tradition kann man Klageweiber für Beerdigungen, z.B. für die des Postfeminisums, anheuern.

    • Jeju
    • 29.11.2006 um 15:26 Uhr

    Also allen denen die Feminismusartikel auf die ... gehen, kann ich nur Harald Martenstein empfehlen (auch in der Zeit, Leben). Der alte Chauvi schreibt doch sehr entspannt über die Sicht der Männer auf diesem Feld.

    Um mal ein Klischee zu pflegen: Das ist doch besser als rumheulen.

  2. Die Aufgabe der Bundesrepublik ist es nämlich nicht 'Frauenpolitk' zu betreiben, was immer das auch ist, sondern für das gesamte Deutsche Volk zu wirken.

    Die beiden Damen in der Bundesregierung agieren wohltuend entspannt. Es ist in diesem Zusammenhang auch wirklich schade das die Erwartungen von Frau Schwarzer nicht erfüllt wurden. Vielleicht sollte die Frau mal lockerer werden!

    Ein Skandal ist natürlich, das der 'Deutsche Frauenrat' nicht vorgelassen wurde. Ich vermute aber das der 'Deutsche Männerrat' wohl auch nicht vorgelassen wurde.

  3. beschraenkt sich nicht auf dieses oder jene Gruppe sondern ist gut fuer alle Waehler.

  4. Es ist keineswegs erstaunlich, wenn Kanzlerin Merkel keine Frauenpolitik betreibt. Sie ist schließlich nicht dafür gewählt worden, dass sie es tut. Sie hat nicht einmal im Wahlkampf versprochen, sich während ihrer Amtszeit besonders den Frauen zu widmen. Das eigentlich erstaunliche ist vielmehr die Tatsache, dass Alice Schwarzer das nicht erwartet hat. Ist nicht Alice Schwarzer diejenige gewesen, die als eine der Ersten in diesem Land mit Nachdruck darauf hingewiesen hat, dass Vorurteile gegenüber Frauen nicht nur unhöflich sind, sondern ausgesprochen dumm?
    Angelika Merkel hat nie einen Hehl aus ihren Positionen gemacht. Jedem, der zuhören wollte, hat sie ihre Prioritäten erklärt: Europa, Wettbewerb und Innovation. Außerdem Arbeitsmarkt. Vielleicht noch Sozialstaat, aber dafür hat sie ja später die SPD in die Große Koalition berufen. An der Reihenfolge der Themen auf der Liste mag sich ab und an vielleicht etwas ändern, an ihrem Inhalt bestimmt nicht. Ich fürchte Angela Merkel ist als gelernte Ostdeutsche überzeugt davon, dass sich die Frauenfrage schon von selbst klären wird, wenn erst einmal die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen optimiert sein werden. Ebenso übrigens, wie sie das für die Ost-Frage erwartet. Erst das Große & Ganze, um die Kleinigkeiten kümmern wir uns später. Budjet, wie der Russe sagt.
    Es stimmt, Angela Merkel schaut, wenn sie als Frau auf Frauen schaut, eher nach oben als nach unten. Wie für die Mehrheit ihrer ParteikollegInnen ist auch der CDU-Chefin der Aufstieg in der Hierarchie wichtig. Grundsätzlich und ohne Rücksicht auf die Fragen: „Wo?“, „Wohin?“ oder „Warum?“ Deutschland vor! Ob der Sieg von einer Frau oder von einem Mann geschafft wird, interessiert erst in zweiter Linie. Ein Staatsminister, nehme ich an, muss für die Kanzlerin vor allem nützlich sein, nicht weiblich. Sie sucht keine Gender-Solidarität. Sie sucht Kompetenz und Fairness, weil nur die ihr den Chefsessel sichern. Beides ist verdammt schwer zu finden. Auch auf den oberen Hierarchie-Ebenen, und zwar nicht nur der Politik und nicht allein in der Wirtschaft. Dafür aber sowohl unter Frauen, als auch unter Männern. Ich jedenfalls beneide die erste deutsche Kanzlerin nicht.
    Natürlich haben es auch die Frauen am unteren Ende der gesellschaftlichen Leiter schwer. Mitunter sogar schwerer, als eine erste deutsche Kanzlerin es hat. Leider kümmert sich die Politik um dieses Klientel insgesamt nur sehr ungern. Weder die SPD, noch die CDU wollen die deutsche Unterschicht wahrhaben. Selbst die Grünen reden vom Aufstieg, von der FDP ganz zu schweigen. Man(n) überlässt die Unteren Chargen sich selbst – und den Rand-Parteien. Was der Frauenbewegung natürlich nicht unbedingt Recht sein kann, weil gerade die Rechten ein, sagen wir: ein all zu antiquiertes Frauenbild ihr eigen nennen. (Küche, Kirche, Kinder, wobei am ehesten wohl noch die Kirche als verzichtbar gilt). Was ganz sicher an der großen Wertschätzung liegt, welche man am Rechten Rand solchen Attributen wie Stärke, Durchschlagskraft und Kampfeswille entgegenbringt. Eigentlich keine typisch weiblichen Tugenden – abgesehen vielleicht von Profiboxerinnen.
    Die Frauenbewegung jammert also weiter vor allem darüber, dass der Anteil von Frauen in politischen Ämtern und gut dotierten Führungspositionen wieder gesunken sei. Als wäre das den Frauen zu verdenken! Wer echte Fronterfahrung hat, weiß ganz genau, was ihm in einer Führungsposition 'entgeht'. Besonders ärgerlich aber an der Blickrichtung der FrauenrechtlerInnen ist: Man könnte fast meinen, auch die Frauenbewegung würde den Traum von der einen,allmächtigen Frau träumen. Den Traum von der guten Kaiserin Mutter, die Kraft ihres Amtes alles, wirklich alles besser macht für ihre Untertanen. Mensch Mädels! Merkt Ihr denn gar nicht, welchem Muster ihr folgt? Ihr lebt wohl hinterm Mond? Staatsgewalt war gestern. Wo mündige BürgerInnen von den Mächtigen insgesamt nichts zu erwarten haben, muss man sich um sich selber kümmern. Oben UND unten. Wir wissen doch alle: Erst aus dem selber Kümmern erwächst Kompetenz. Wie wäre es also zur Abwechslung mal mit Hilfe zur Selbsthilfe? Und zwar von unten nach oben? Ist es nicht denkbar, dass erworbene Gleichberechtigung viel wertvoller ist, als verordnete – wenn auch wesentlich mühsamer?
    Ach ja, eins noch: Wenn Corinna Emundts formuliert: „Man weiß jedoch inzwischen aus anderen europäischen Ländern, dass genau dort die Zahl der Geburten steigt, wo Frauen mehr arbeiten“, dann weiß man als LeserIn nicht so ganz genau, was sie damit eigentlich sagen will. Immerhin: das Phänomen ist bekannt. Vielleicht sollte man ihm mal mit wissenschaftlichen Methoden auf den Grund gehen. Mag sein, die Frauenbewegung würde eine Überraschung erleben. Und anschließend womöglich sogar erkennen: Angela Merkel mag ein typischer CDU-Kanzler sein, ein Gegner der Gleichberechtigung ist sie aber nicht. Im Gegenteil. Sie meint wohl, Gleichberechtigung sei etwas ganz natürliches. Und vielleicht hat die Frau ja Recht. Sie hat immerhin eine Naturwissenschaft studiert.

  5. Also wenn man Merkel wenigstens eins zugute halten kann, dann dass sie diesen ganzen Frauenförderquotenquatsch nicht mitmacht.
    Ich kann das alberne Gelaber, Frauen machen alles besser, da muss ne Frau ran usw. einfach nicht mehr hören. Zudem wird es Zeit, dass aus der Frauenförderung, wie lange Zeit in Hessen üblich, keine Männerbenachteiligung wird.
    Wenn bei einer Kandidatenkür, wie jetzt bei der SPD in Hessen, allein das Geschlecht schon Pluspunkte eonbringt, dann kann sich der aufgeklärte und politisch interessierte Mensch nur noch angewidert abwenden.
    Man schaue sich doch die Grünen an: Wen um Gottes Willen müsen wir denn durch den Frauenblödsinn denn andauernd ertragen?

  6. Also wenn man Merkel wenigstens eins zugute halten kann, dann dass sie diesen ganzen Frauenförderquotenquatsch nicht mitmacht.
    Ich kann das alberne Gelaber, Frauen machen alles besser, da muss ne Frau ran usw. einfach nicht mehr hören. Zudem wird es Zeit, dass aus der Frauenförderung, wie lange Zeit in Hessen üblich, keine Männerbenachteiligung wird.
    Wenn bei einer Kandidatenkür, wie jetzt bei der SPD in Hessen, allein das Geschlecht schon Pluspunkte eonbringt, dann kann sich der aufgeklärte und politisch interessierte Mensch nur noch angewidert abwenden.
    Man schaue sich doch die Grünen an: Wen um Gottes Willen müsen wir denn durch den Frauenblödsinn denn andauernd ertragen?

  7. ein Beitrag aus dem Bereich 'postfeministische Jammereien von frustrierten Frauen', dem die 'Zeit' in letzter Zeit ja immer grösseren Raum einräumt.

    Scheinbar haben etliche Zeit-Schreiberinnen das Jammern als luxuriösen Gelderwerb entdeckt. Anstatt also mal zur Abwechslung einen sinn- und gehaltvollen Artikel zu verfassen, wird das ewig gleiche Gewäsch in immer neuen Aufmachungen präsentiert.
    Einfach und billig - Meinungs-Discount eben. Sieht so die neue F-Klasse aus?

    Mein Vorschlag: Heult doch! und schreibt zur Abwechslung vielleicht mal über was wichtigeres bzw. interessantes.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service