Bei Qalyilya, Besetztes Palästinensisches West-Jordanland. Es ist halb sechs Uhr früh, als Mohammed Kharroub in das orangene Sammeltaxi steigt. Eigentlich wären es nur 25 Minuten Fahrzeit zum israelischen Flughafen Ben Gurion. Doch Mohammed ist Palästinenser und zwischen seinem Dorf und Israel reckt sich die Trennmauer in den Himmel. Fünf Stunden hat er eingeplant, um den Übergang nach Jerusalem namens Qalandiya zu erreichen.

Mohammed engagiert sich im Bezirk Qalqilya seit sieben Jahren ehrenamtlich bei “Samen des Friedens”. Als das Taxi aus seinem Dorf hinausfährt, schläft der Israeli Haggai Kupermintz noch tief. Auch er wohnt etwa 25 Minuten vom Flughafen entfernt. Auch er soll, genau wie Mohammed, um 16.15 Uhr ein Flugzeug besteigen, das sie nach Antalya fliegen soll.

Mohammed hat den ersten “fliegenden Kontrollpunkt” hinter sich gebracht; solche Checkpoints werden von der israelischen Armee spontan zwischen einem und dem nächsten palästinensischen Dorf aufgestellt, und von ihnen gibt es derzeit etwa 165 im West-Jordanland. Ihretwegen ist Mohammed so früh aufgebrochen. “Ich bin unterwegs um eines guten Zieles willen”, denkt er, “Frieden.”

Und er hat Glück. Um zehn Uhr dreißig hat er nach fünf Kontrollpunkten den Übergang erreicht. Dort zeigt er seinen Passierschein vor, den jeder Palästinenser benötigt, um Jerusalem oder israelisches Staatsgebiet zu betreten. Sein Schein gilt nur an diesem Tag, und nur von acht bis 21 Uhr, und nur für den direkten Weg zum Flughafen Tel Aviv.

Nachdem Mohammed den Übergang passiert hat, bemerkt er den Verlust seines Mobiltelefons, das er auf die Röntgenmaschine gelegt hat. Der Dienst habende israelische Offizier sagt: “Man hat es gestohlen.” Augenblicklich fühlt sich Mohammed von seiner “Familie und der ganzen Welt abgeschnitten.” Ohnehin schon unter Druck, gerät der Palästinenser fast in Panik. Jenseits des Übergangs besteigt er schließlich einen eigens für die Konferenz eingesetzten Bus zum Flughafen. Dort angekommen, werden ihm vom Sicherheitspersonal Dutzende von Fragen gestellt. Dann wird er in eine Kabine abseits der Warteschlange gebeten und muss sich bis auf die Unterwäsche entkleiden. Die Zeiger der Uhr stehen auf 13.30 Uhr. Jetzt bricht Haggai Kupermintz zum Flughafen auf.

Eineinhalb Stunden und Dutzende von Fragen später steht fest: Mohammed darf fliegen. Mit etwa zwei Hundert Palästinensern und Israelis besteigt er eine Chartermaschine mit Ziel Antalya. Seit Jahren bringt IPCRI – das “Israel/Palästina-Zentrum für Forschung und Information” – auf diese Weise Menschen der beiden Konfliktparteien zusammen. Denn zuhause stehen zuviele Hindernisse im Weg: Israelis dürfen die Besetzten Palästinensischen Gebiete nicht betreten, und Passierscheine für Palästinenser zum Besuch Israels zu erhalten, gleicht einem nervenaufreibenden bürokratischen Marathon mit ungewissem Ausgang.  Also bringt IPCRI – genau wie ähnlich gesinnte Organisationen –  Israelis und Palästinenser regelmäßig außer Landes.