Fall Litwinenko Albtraum Atom-Terror

Seit Jahren treibt westliche Sicherheitsexperten die Angst vor nuklearen Anschlägen um. Der Tod des russischen Ex–Spions Alexander Litwinenko zeigt: Man ist ihnen näher als gemeinhin angenommen.

Vor einigen Wochen enthüllte der Prozess gegen einen britischen Muslim, dass al-Qaida bereits während der 90er Jahre intensiv an Plänen gearbeitet hat, in London eine "schmutzige", uranverseuchte Bombe zur Explosion zu bringen. Zumindest eine Ahnung von dem, was atomarer Terrorismus bedeutet, erhält derzeit die britische Metropole nach dem Mord an Alexander Litwinenko.

Die Polizei stößt in London auf immer mehr Orte, die vom Fallout des radioaktiven Anschlages auf den russischen Dissidenten betroffen sind. Wo immer Litwinenko nach seiner Vergiftung hinging, hinterließ er eine radioaktive Spur von Polonium-210. Erst in der Sushi-Bar, dann beim Treffen mit zwei Russen im Millennium Hotel, bei einer Sicherheitsfirma, in den Büroräumen des russischen Oligarchen Boris Bereswoski und schließlich in seinem Heim in Muswell Hill, von dem aus Litwinenko ins Hospital in Barnet gebracht worden war.

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Mehr als 500 besorgte Briten haben sich bislang bei einer telefonischen Notrufnummer gemeldet, weil sie fürchten, mit der radioaktiven Strahlung in Berührung gekommen zu sein. In drei Fällen schien es den Behörden ratsam, Tests vorzunehmen, nachdem die Personen über Symptome klagten, die unter Umständen auf Radioaktivität zurückzuführen sein könnten.

Die Regierung versichert, dass eine Gefährdung für Gesundheit und Leben eigentlich nicht vorliegen könne. Polonium-210 muss in den Körper aufgenommen und verdaut werden, um lebensgefährlichen Schaden anzurichten; es hat eine sehr kurze Halbwertszeit. Mit anderen Worten, es verflüchtigt sich rasch; aber es kann bereits durch Kontakt mit einer verschwitzten Hand übertragen werden.

Auch die etwas zwielichtige Gestalt des Italieners Mario Scaramella, dessen Name aus einem James-Bond-Roman entnommen scheint, wird derzeit auf Radioaktivität getestet. Der Mann, der mit Alexander Litwinenko das letzte Mahl in der Sushi-Bar einnahm, flog am Dienstag überraschend in Heathrow ein, um sich freiwillig den Fragen der Polizei zu stellen.

Fest steht, dass Alexander Litwinenko starb, nachdem er mit einer winzigen Dosis von Polonium-210 in Berührung gekommen war. Britische Wissenschaftler sind zur Auffassung gelangt, dass das Gift in einer Kapsel, etwa halb so groß wie ein Stecknadelkopf, enthalten war. Des Weiteren sind sie davon überzeugt, dass der oder die Täter Zugang zu einer großen Atomanlage gehabt haben müssen; andernfalls wären sie nicht in den Besitz der raren Substanz gelangt. Auch glauben die Experten, dass sich bald schon herausstellen werde, wie das verwendete Polonium-210 beschafft wurde und wo es herstammt. Zumal ein zusätzliches chemisches Molekül bei dem Prozess der Herstellung verwendet wurde.

Leser-Kommentare
  1. Alexander (Sascha) Litvinenko hat in seinem beruflich-abenteuerlichen Leben mit Gewissheit viele Feinde gehabt. Vielleicht auch ein paar wirkliche Freunde; vielleicht.
    Ganz sicher finden unter den russischen Exilanten in London und überall teilweise brutale Machtkämpfe statt. Es geht denen ja kaum daraum, wieder in Russland Fuß zu fassen, sondern im Westen die Karriere fortzusetzen, durch die Towarisch Putin ihnen einen Strich gemacht hat; der lupenreine Demokrat.
    Es ist schon vorstellbar, daß einer dieser mächtigen & reichen Russen den Befehl gab, Sascha zu killen; aus welchen Gründen auch immer.
    Und wenn Polonium-210 zur Verfügung stand - warum nicht damit? Es dürfte eine Reihe von ehemaligen Genossen in Moskau zum Zittern & Erschauern gebracht haben: droht ihnen doch nun unter Umständen ein ähnlich qualvolles Schicksal. Ein raffiniert vorgehender Mörder kann mit diesem Teufelszeug jeden erledigen.

  2. Vielleicht war der Mord an dem Ex-FSB-Mann ja sogar eine Warnung an Präsident Putin selbst?

  3. Diese ganze Geschichte stinkt doch zum Himmel. Da kommt jemand mit offensichtlicher Strahlenkrankheit in die Klinik und wird drei Wochen lang auf Thallium-Vergiftung behandelt. Und dann, kurz vor dem Tod, wird festgestellt, dass der Mann mehr Alpha-Stahlung von sich gibt wie ein Fusionsreaktor. Und dann gelingt es auch noch Polonium nachzuweisen. Toll. Wo haben diese Quacksalber ihren Chemieschein gewonnen?

  4. Putin hat garantiert einen Leibwächter mit Geigerzähler der jede Speise auf Radioaktivität kontrolliert.

    Geigerzähler sind für unter 300 Euro zu haben und man braucht sie nur kurz über das mit Polonium vergiftete Lebensmittel halten und schon schlagen sie Alarm. Geigerzähler gibt es in der Größe eines Handys, beim Geheimdienst sicher sogar noch kleiner.

    Man kann eben nicht jeden mit Polonium umbringen, sondern nur Leute deren Essen nicht mit einem Geigerzähler kontrolliert wird.

    Warum also sollten wir glauben Putin käme eher als Opfer denn als Täter in Frage? J.S.

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