Reformdebatte Darf Köhler das?Seite 2/2
Die
Berliner Zeitung
hat den Eindruck, Köhler sei nach der Hälfte seiner Amtszeit "endlich angekommen in seinem Amt". Seine Rede am Mittwoch sei die eines "politischen", aber vor allem die eines "freien Bundespräsidenten. Er war so frei, in eine innerparteiliche Debatte der CDU einzugreifen, die aber eine gesellschaftliche Debatte ist. Und er war so frei, dem Selbstlob der großen Koalition und ihrer Kanzlerin ein sehr realistisches Bild der Gesellschaft entgegenzustellen." Bemerkenswert findet die
Berliner Zeitung
daran, dass Köhler damit Aufgaben übernehme, "die eigentlich der Kanzlerin zukämen". Während die in ihrer Regierungserklärung lieber im Unbestimmten geblieben sei, wachse bei Köhler seine "Wut" über die Handlungsunfähigkeit der Politik. "Gut so, mehr davon!", spornt ihn das Blatt an.
Auch die Süddeutsche Zeitung bemerkt eine Verkehrung der Rollen: "Wieder einmal offenbaren sich die seltsamen Läufe der Politik. Köhler, von Merkel ins Amt befördert, stellt sich an die Seite der SPD und fordert die Kanzlerin auf, Gerhard Schröder zu spielen. Sie soll dessen Erbe Hartz IV bewahren und 'Basta' rufen."
Während andere Blätter Köhlers Rede ebenfalls als "wohltuend" bewerten, wie etwa die
Lausitzer Rundschau
, zeigt für das
Handelsblatt
seine Wortmeldung kurz vor dem CDU-Parteitag in Dresden "die große ordnungs- und wirtschaftspolitische Lücke, die sich mittlerweile in der Unionsfraktion seit dem Abgang von Friedrich Merz aufgetan hat." Andere Blätter halten dagegen die Einmischung des Präsidenten nicht nur in die Tagespolitik, sondern eben auch in eine innerparteiliche Debatte für verfehlt. So sieht ihn der
Tagesspiegel
bereits auf "Wadenbeißerebene": "Der Bundespräsident hat Hand angelegt. Er hätte das nicht nötig. Zwei Dinge gehen nicht zusammen: Köhlers Wunsch, ein 'politischer Präsident' zu sein und sein, im besten Falle, naiver Umgang mit den Reflexgesetzen der Mediendemokratie. Die kann er beklagen, er steht aber nicht drüber. Meint er, es zu können, macht er sich angreifbar. Will er sie aber
–
á la Rüttgers-Schelte
–
für die Niederungen der operativen Politik nutzen, hat er ein falsches Rollenverständnis."
Die
Stuttgarter Zeitung
kommt ganz ähnlich zu einem ebenfalls vernichtenden Schluss: "Das Staatsoberhaupt nimmt in Kauf, dass seine Aussagen in einem innerparteilichen Machtkampf der Union für kurzfristige Interessen missbraucht werden. Das ist das Gegenteil dessen, was er wollte. Deshalb war es ein Fehler." Und der
Kölner Stadt-Anzeiger
schreibt: "Natürlich verpflichtet sein Amt den Bundespräsidenten nicht zum politischen Eunuchentum. Nun aber steht der Präsident als Ringrichter in einem innerparteilichen Machtkampf da: Er verteilt Haltungsnoten. Er polarisiert. Er ist parteiisch."
Köhlers Vorgänger, erinnert das Blatt, hätten die "Balance zwischen der wattigen Unverbindlichkeit im Großen und der zugespitzten Schelte im Kleinen" durchweg gut bewältigt. Köhler aber stehe nun unter "Rechtfertigungsdruck".
In der Tat muss man, unabhängig von der Beurteilung des Rüttgers-Vorstoßes, die Frage stellen: Warum dieser unpräsidiale Trompetenstoß von Bochum? Die Antwort sei gewagt, dass Köhler eben noch nicht seine Rolle gefunden hat in der Politik und neben der Großen Koalition
–
und dass er darunter leidet, im Gegensatz zu seinen Vorgängern Weizsäcker, Herzog oder Rau nicht als ein eigenes überparteiliches politisches Gewicht wahrgenommen zu werden. Deshalb wohl diese Lautstärke, und deshalb dieser schiefe, misslungene Ton.
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- Datum 24.11.2006 - 12:38 Uhr
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Was erlauben Sparkassen-Präsident ? Milliardenschwere Steuerausfälle wären eher anzumahnen und all die nicht erhobenen gerechten Solidaritätsteuern, die sich angeblich nicht rentieren !
Bemerkenswert ist insbesondere, dass die neue Software offensichtlich dergestalt konzipiert ist, dass Leserkommentare abgewürgt werden.
Sie haben recht. Die neue Software ist ein Schrott.
Entweder ein Psycho-Test der Leser oder ein Ausdauertest unerschrockener Kommentatoren.
Aber im großen und ganzen hat sich das Kommentieren ohnehin erledigt. Die interessanten Artikel sind seit Neuestem nicht mehr freigegeben.
Adieu, liebe Zeit-Redaktion
korfstroem
Der Bundespräsident hat, neben seinen offiziellen Aufgaben, auch die Pflicht, Politiker wieder an ihre Verantwortung, die sie in ihrem Amt haben, zu erinnern. Rüttgers zeigt immer mehr Mangelerscheinungen in dieser Hinsicht. Er wird immer populistischer und verspricht irgendwelches Zeug auf dem Rücken von anderen, ohne auch nur einen blassen Schimmer davon zu haben, was er damit anrichtet.
Angela Merkel treibt irgendwo auf dem Meer des Schicksals auf einer Nusschale ohne Navigatore und je nachdem woher der Wind kommt, treibt es sie in die eine oder andere Richtung. Sie ist ihrem Posten derzeit offensichtlich nicht gewachsen.
Wenn ein Präsident solche Dinge geschehen sieht, muss er aus meiner Sicht sogar die Politiker aufrufen, wieder zu einem anständigen Verhalten zurückzukehren.
Die Empörung, die jetzt plötzlich von einigen CDU und CSU Politikern lauthals verkündet wird erinnert mich an das Sprichwort 'getroffene Hunde bellen'. Und das Verhalten erinnert mich an jenes von Berlusconi hier in Italien, bei dem der Präsident immer schuld war, wenn er eines seiner skandalösen Gesetze nicht unterschrieb.
Angela Merkel kann man nur wünschen, dass sie den Mut fasst ihren immer populistischeren Parteikollegen in den Hintern zu treten.
Ach, Horst Köhler, wie schade, daß Frau Christiansen aufhört. Sie würden so gut in die elitäre Runde passen, die sich wöchentlich zum sonntäglichen Frühschoppen vor dem Zubettgehen trifft.
Nur auf den Bundespräsidentenstuhl, da passen Sie eben nicht. Soziale Themen sind Ihre Stärke nicht - nie gewesen.
Auf einer IHK-Tagung eine Parteitagsrede zu halten - wäre keinem Ihrer Vorgänger eingefallen. Der Respekt vor dem Amt und die Verantwortung für alle Bürger sprechen zu sollen, hätte nicht erst beim Redeentwurf Einhalt geboten. Schon die Idee wäre abwegig erschienen.
Sie sind auf dem besten Wege, der Heinrich Lübke unserer Tage zu werden. Heinrich Lübke war nur ungeschickt oder wurde - oft genug unberechtigt - so dargestellt.
Ihnen dürfen Absicht und Uneinsichtigkeit unterstellt werden. Wäre das Amt nicht so unbedeutend, Sie sollten die Aufgabe abgeben. Doch an wen? Die Parteien seien heute schon aufgerufen, bei der Personalauswahl für Ihren Nachfolger/Ihre Nachfolgerin sorgfältiger auf das Vorhandensein präsidialer Eigenschaften zu achten. Ein Bundespräsident sollte das ganze Volk vertreten. Das tun Sie nicht.
korfstroem
'Die Kanzlerin erklärt immer wieder in schulmeisterlichem Ton, die Gesellschaft sei nun einmal hochkomplex, die Reform sei eine Schnecke...' Und da dass wohl jeder von uns so sieht, aber niemand möchte, dass die Reform gerade bei ihm/ihr selbst zuschlägt, brauchen wir eine laute und neutrale Stimme, die zusätzlich zu der Kanzlerin die Reform als Schnecke darstellt und eine Beschleunigung fordert. Wir wissen es doch alle. Sehe ich gar nicht als parteilich, die Aussage von Herrn Köhler, sondern als Appell und Forderung und Mahnung und Ermutigung an alle.
Mir imponiert, dass der Bundespräsident so offen und kritisch seine Meinung zur Politik der Parteien sagt. Auch wenn ich in Bezug auf den Rüttgers-Vorstoß nicht seiner Ansicht bin.
Unseren sozial-kuschel Politikern (bald sind wieder Wahlen, da müssen noch ein paar Geschenke vorher raus) hat der Bundespräsident die WAHRHEIT in's Gesicht gesagt und jetzt sind sie beleidigt wie die kleinen Kinder.
Eine VERSICHERUNG dient der Risikoabsicherung und zu sonst garnichts. Bekomme ich demnächst auch bei meiner Hausratversicherung eine 'Treueprämie', weil ich schon 30 Jahre eingezahlt hatte, bevor mir die Einbrecher die Bude ausgeräumt haben.
AUFWACHEN CDU ! Euer 'Gerechtigkeitssinn sollte sich mal mehr auf die Lasten der 'Sandwichgeneration' projizieren als auf den 'Awweider am Fließband der seit 95 Jahren in die Sozialkassen eingezahlt hat', nicht wahr Herr Blüm?
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