Diskriminierung "Ich kenne schwule Nationalspieler"
John Blankenstein war Schiedsrichter und bekennender Schwuler. Im Fußball ist diese Verbindung ungewöhnlich. Ein Gespräch mit dem Referee
Einer von elf Bundesligaspielern ist homosexuell, berichtet das Fußballmagazin RUND. Da das Klima in den Stadien nach wie vor enorm schwulenfeindlich ist, führen viele Profis ein Leben in Angst und im Verborgenen. Reaktionen auf das Coming-out eines Berufsfußballers sind nicht abzusehen. Daher scheuen viele Betroffene ein Outing.
Anders agierte John Blankenstein, der einzige Schiedsrichter im Profifußball, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt hat. 17 Jahre lang pfiff der Niederländer in der holländischen Ehrendivision, im Europapokal und auch bei Länderspielen. Nach seiner aktiven Laufbahn arbeitete er als Schiedsrichterbeobachter der UEFA.
Herr Blankenstein, wann haben Sie sich als Schiedsrichter öffentlich geoutet?
John Blankenstein: Als ich neu im Profifußball war, wurde ich in Interviews gefragt, ob ich verheiratet bin. Ich habe ganz offen geantwortet: "Nein, ich bin schwul" - schon war es öffentlich. Ich hatte nichts mehr zu verbergen, und das war ein gutes Gefühl. Diese Ehrlichkeit wurde in Holland sehr positiv aufgenommen. Ich wurde nie angefeindet. In Holland akzeptiert man mich als Schwulen, es ist nicht so ein großes Thema wie anderswo.
Im Ausland ist das ganz offensichtlich anders.
1994 sollte ich das Finale der Champions League zwischen dem AC Mailand und dem FC Barcelona leiten. Doch das Spiel wurde mir entzogen. Den Italienern war ich als Holländer nicht unparteiisch genug, da bei Barcelona mehrere Holländer im Team spielten. Und diese rosa Sportzeitung "La Gazzetta dello Sport" schrieb außerdem, dass ich ja schwul sei, was erst recht gegen mich sprechen würde. Ähnliches habe ich auch in England vor einem Länderspiel erlebt. Der "Daily Mirror" schrieb mit großen Lettern: "Tonight's Referee Is Gay".
Warum hat gerade der Fußball ein Problem mit Homosexualität?
Fußball ist eine Machowelt. Die allgemeine Auffassung ist noch immer, dass zu einem Fußballer eine schöne Frau gehört. Zwei küssende Männer zerstören dieses heile Bild.
Sind die Gefahren eines Outing für Spieler größer als für Schiedsrichter?
Als schwuler Spieler würde man große Probleme bekommen, vor allem mit den Fans der Gegner. Und Vereinswechsel ins Ausland wie nach Spanien oder Italien kannst du dann auch vergessen. Man müsste mit allen Konsequenzen leben. Schiedsrichter sind individueller, wir haben keine Fans, es sind sowieso alle gegen uns. Da macht es keinen Unterschied, dass ich auch noch schwul bin.
"Ein Outing wäre mein Tod", so ein homosexueller Profi. Rückendeckung von ihren Klubs und vom DFB können die Spieler nicht erwarten. Während der DFB und die Bundesligavereine sich inzwischen deutlich gegenüber Rassismus und Gewalt im Stadion aussprechen, wird bei der grassierenden Hetze gegen Homosexuelle weggesehen und weggehört.
Homosexuelle Fußballer leben in einer ständigen Angst.
Diese Spieler sind das Ergebnis einer falschen Welt, in der sie leben. Sie müssen immer aufpassen, dass sie sich nicht wie Homosexuelle bewegen. Sie müssen sich konzentrieren, den harten Kerl raushängen zu lassen. Diese Spieler sind nicht sie selbst. Ich kenne einige schwule Profis, sogar in der holländischen Nationalmannschaft. Die schützen sich, indem sie verheiratet sind oder eine Freundin haben. Man weiß, dass man die ganze Welt betrügt und vor allem sich selbst. Das ist eine Rolle, die alles unerträglich schwer macht. Sie verdrängen ihre Gefühle und verhalten sich wie Machos. Nachts suchen sie aber doch nach ihrer sexuellen Befriedigung.
Werden Sie von Profis nach Rat gefragt?
Oft, dann aber meist außerhalb des Fußballumfeldes. Für einige bin ich eine Art Sachverständiger, der sie beraten kann. Ich erzähle denen, dass sie sich Gedanken machen sollen, was es bedeutet, wenn sie das Rampenlicht nach der Karriere verlassen. Dann kehren sie in das normale Leben zurück und haben nicht mehr diese Verpflichtung, sich betrügen zu müssen. Sie müssen sich darauf einstellen, dass es Probleme geben wird. Dann ist man nicht mehr ein Teil einer Fußballmannschaft, sondern einer von vielen. Dann kommt es irgendwann heraus, und man trennt sich von seiner Familie. Das sind Tragödien.
- Datum 23.11.2006 - 05:09 Uhr
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- Quelle RUND, ZEIT online, 23.11.2006
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Ja, es wäre an der Zeit, dass einer sich outet. Und dann mit dem Spielen aufhören muss. Der Preis ist zu hoch und es ist ungewiss, ob mann dort überhaupt von Kollegen Unterstützung erhalten wird. Kann sein, man bekommt vom schwulen Mitspieler erst recht einen Tritt ins Kreuz - damit er selber nicht auffällt. Denke, die Probleme fangen schon dort an, wo niemand wirklich Unterstützung gelernt hat, sondern das Leben im Schrank zur zweiten Natur wird. Umso spannender zu sehen, wer denn schon aus dem Beruf ist und sich endlich bekennt. Ob es die nicht zuerst geben sollte ...
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf diskriminierende Aussagen. Danke. Die Redaktion/vn
Aber bitte nur Eiskunstlauf, nicht etwa Eisschnelllauf - das wäre schon zu hetrosexuell. Vor dem Formulieren solch großartiger Ideen bitter erst nachdenken.
Fußball spielen (und schauen) hat etwas mit Leidenschaft für diesen (!) Sport zu tun. Also möge bitte jeder kicken, der es kann - unabhängig seiner sexuellen Ausrichtung, seiner Religion, etc.
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