Fall Litwinenko Element des Bösen
Die Mörder des russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko wussten genau, was sie taten: Polonium, das jetzt auch bei dem russischen Milliardär Beresowski entdeckt wurde, ist ein extrem effektives, schwer nachweisbares Gift.
Wochenlang tappten die Mediziner im Dunkeln. Erst als der Körper Alexander Litwinenko bereits aufgegeben hatte, kamen sie endlich der mutmaßlichen Ursache seine schweren Vergiftung auf die Spur: Kurz bevor der Russe starb, hatte das Team an der Londoner Klinik die Fährte des radioaktiven Elements Thallium aufgenommen. Nicht weit von der Wahrheit entfernt, doch selbst wenn man die richtige Spur verfolgt hätte – für das Opfer war es zu spät. Gegen radioaktive Strahlung ist kein Kraut gewachsen. Und schon gar nicht gegen Strahlung aus solcher Quelle.
Wenige Tage nach dem Tod des ehemaligen Geheimagenten wussten die britischen Ärzte schließlich Bescheid: Eine winzige Menge des radioaktiven Elements Polonium-210 kostetet den Ex-Agenten das Leben. Litwinenko hatte die tödliche Dosis vermutlich am 1. November geschluckt, hübsch verpackt in ein kleines japanisches Reishäppchen, das ihm und Freunden in einem Londoner Sushi-Restaurant serviert wurde. Kurz darauf wurde er in die Klinik eingeliefert; im dem Restaurant fanden die Ermittler später Spuren des hochtoxischen Stoffs.
Ein Mord, wie ihn nur Spezialisten mit besonderen Beziehungen begehen können. Denn Polonium-210 ist in mehrfacher Hinsicht ein außergewöhnliches Gift: zunächst, weil das Element radioaktiv ist, ein so genannter Alphastrahler. Wie alle radioaktiven Stoffe zerfällt es nach einer gewissen Zeit, und dabei wird Energie frei. Doch während viele andere radioaktive Elemente diese Energie vorwiegend in Form von winzigen Elektronen oder quasi masselosen Gammaquanten abgeben, schießen Alphastrahler mit regelrechten Brocken um sich: Die Pakete aus zwei Protonen und zwei Neutronen, Alphateilchen genannt, sind massiv und extrem energiereich. Selbst geringe Mengen des Elements erhitzen sich durch den Zerfall in Kürze auf mehrere Hundert Grad Celsius. Die Strahlung ist sogar so stark, dass die Luft rund um das zerfallende Polonium zu blauem Leuchten angeregt wird. Vor allem in organischen Geweben richten Alphastrahlen verheerende Schäden an.
Doch so stark die Wirkung auch ist, sie reicht nicht weit: Bereits dünne Goldfolie fängt die relativ großen Teilchen ab, auch die oberste, abgestorbene Schicht der menschlichen Haut können die Alphateilchen nicht durchdringen. Erst verschluckt oder auf anderem Weg in den Körper gebracht entfaltet das Element seine ganze zerstörerische Kraft, denn dort kann es unmittelbar auf lebende Zellen wirken und sie töten, schleichend zwar, doch die Halbwertszeit von Polonium beträgt 138 Tage, die Wirkung ist damit sehr nachhaltig.
Der bösen Absicht gereicht das alles zum Vorteil: Polonium lässt sich, zumindest von Fachleuten und falls diese es denn wünschen, auch ohne schweres Schutzgerät handhaben und transportieren. Und allzu viel Masse muss man für einen Giftanschlag mit dem Alphastrahler auch gar nicht bewegen: Einige Milligramm, vielleicht sogar weniger, reichen, um einen Menschen von innen langsam, aber sicher zu zerfressen. Diese Dosis passt auch in ein Sushiröllchen.
- Datum 01.12.2006 - 02:23 Uhr
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In dem Artikel ist von Radon als Schwesterelement von Polonium die Rede - und davon, dass Frau Curie das Radon aus Uranerzen ausgeschwemmt hätte.
Auch ohne Chemiker zu sein ist mir jedoch bekannt, dass es sich bei Radon um ein Gas handelt. Das dementsprechend nicht aus einem Erz geschwemmt werden kann, wie es Frau Curie mit dem Radium aus der Pechblende tat.
Inwiefern Radium ein Schwesterelement von Polonium sein kann (weil beides von Curies entdeckt wurde?), weiß ich nicht. Radon ist laut Wikipedia insofern mit Polonium verwandt, als dass beim Radonzerfall Polonium entsteht...
Ein wenig mehr Genauigkeit wäre schön - steht ja alles in der Wikipedia!
Welchen Grund könnte ein professioneller Mörder haben, ein derart exotisches Gift zu verwenden? Hätts ein wenig Dioxin nicht auch getan? Allein die Seltenheit und die einzige Quelle von Polonium (Atomkraftwerke) muß doch zwangsläufig den Verdacht auf Kreise lenken, die Zugang zur russischen Atomindustrie haben. Dazu der langsame, schleichende Tod. Drei Wochen hatte das Opfer noch Zeit, Verdächtigungen gegen den Kreml an die Öffentlichkeit zu bringen. Vielleicht war genau das der Zweck?
Oder hat der Mörder einfach nicht damit gerechnet, daß jemand das ausgefallene Mordinstrument überhaupt bemerkt? Glaubte man, der Tod würde schneller eintreten?
...dann reden: Woher bekommt man Dioxin? Geht man einfach in die nächste Apotheke und kauft welches? Und wie handhabt man das Zeug, wenn man sich vor Mikrogramm-Mengen, auf die Haut aufgebracht, hüten muss?
Wie kürzlich übrigens berichtet, sind radioaktive Elemente in den USA relativ frei verfügbar... Also von wegen exotisch. Und einen schleichenden Tod durch Alphastrahler muss man erst mal diagnostizieren. Es dürfte eher so gewesen sein, dass das Ganze zu schnell ging.
Vorschlag:
Erstens ist diese Form der Vergiftung besonders grausam.
Zwischen Litwinenko und Putin gibt es eine offene Rechnung aus Putins Geheimdienstzeit (Persönlicher Hass).
Zweitens will Putin vielleicht, dass jeder weiß dass er dahintersteckt, natürlich, ohne dass man es beweisen könnte(Abschreckung von Kritikern).
Welcome back Stalin.
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