SchächtungOpferung ohne Leid

Wie viel Qualen dürfen wir in Deutschland einem Tier zumuten, wenn es um die Religionsfreiheit geht? Das wird am Donnerstag vor Gericht verhandelt, wenn es um das betäubungslose Schlachten geht. Doch ist Schächten ohne Betäubung überhaupt schmerzhaft? Ein Gespräch von 

Ein seit Jahren dauernder Streit über das Schächten von Tieren wird an diesem Donnerstag vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig fortgesetzt. Ausgelöst hat den Prozess der türkische Metzger Rüstem Altinküpe aus dem hessischen Aßlar. Der seit 24 Jahren in Deutschland lebende Türke will durchsetzen, dass er nach islamischem Ritus ohne Betäubung Tiere schlachten darf was aber das deutsche Tierschutzgesetz untersagt.

Martin von Wenzlawowicz ist Tierarzt am Beratungs- und Schulungsinstitut für schonenden Umgang mit Zucht- und Schlachttieren im holsteinischen Schwarzenbek. Er schult Personal von Schlachthöfen und erforscht im Auftrag des Bundes, der EU und der Industrie Betäubungsmethoden.

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ZEIT online: Was genau ist der Streitpunkt?

Martin von Wenzlawowicz: Es geht um das betäubungslose Schächten, zu dem manche Muslime, wie Herr Altinküpe, in Deutschland eine Genehmigung fordern. Das Schlachten von Tieren ohne Betäubung ist jedoch in Deutschland nicht erlaubt, weil es die Tiere unnötigen Qualen aussetzt. Beim rituellen Schächten werden mit einem sehr scharfen Messer in einem einzigen Schnitt die Luft- und Speiseröhre und die großen Blutgefäße durchtrennt. Dazu muss das Tier in eine bestimmte Position gebracht werden, nach Mekka ausgerichtet, und auf dem Rücken oder der Seite liegen. Das Tier blutet dann aus. Ohne Betäubung spüren die Tiere den Schnitt in ihre Haut und durch die Weichteile des Halses. Bis sie das Bewusstsein verlieren, können sie kaum mehr atmen, weil sie Blut in die Bronchien und die Lunge einsaugen.

Leserkommentare
  1. Ich bin grundsätzlich der Ansicht, dass das Töten von Tieren zum Nahrungskonsum unethisch ist. In unserer heutigen aufgeklärten Welt ist es ohne weiteres möglich, sich vegetarisch ausgewogen zu ernähren. Nur weil immer schon Fleisch gegessen wurde, muss dies auch nicht immer so weitergehen. Wir leben doch auch sonst nicht mehr in der Steinzeit, aber was den Fleischkonsum anbelangt, fallen nahezu alle Menschen wieder auf Steinzeitniveau zurück. Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben (Tolstoi).

    • OttoN
    • 23. November 2006 15:17 Uhr

    'Unsere heutige Welt' ist nicht augeklärt, lediglich einige Länder des sog. Westens. Vergessen Sie den Allgemeinheitsanspruch, mit dem Sie hier dozieren!

    Ernährungsphysiologisch ist tierisches Protein insbesondere für Kinder in der Entwicklung unverzichtbar. Machen Sie doch aus solch einem Punkt keine Weltanschauung...

  2. Der Grad des Mitgefühls mit der leidenden Kreatur ist wohl von der Sozialisation im jeweiligen Kulturkreis abhängig und wandelt sich beständig.

    Da in diesem unseren Land jedoch glücklicherweise der Wille der weit überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung in ein Gesetz gegossen wurde, welches die Kreatur schützt ,sollten sich auch 'Zugereiste' daran halten können.

    Man stelle sich nur mal vor, Zugereiste Anhänger des Nudismus fordern in einem muslimischen Land die Freigabe des Nacktbadens. Da wird möglicherweise alles mögliche abgehackt. Aber nicht bei Tieren!

  3. Wer in Deutschland ein Schächtverbot durchsetzen will, muss bereit sein, es gegen Juden und Muslime durchsetzen, hat daran eigentlich schon jeder hier gedacht?

  4. Wenn man sieht, wie die Mohammedaner mit menschen umgehen, verwundert doch nichts mehr.
    Warum sollen sie denn mit Tieren schonender umgehen.
    Fanatischer Glaube rechtfertigt alles.
    Dadurch kommt der gottlose Westen z.T. in große Schwierigkeiten.

    • Fugo
    • 23. November 2006 16:17 Uhr
    6. Unsinn

    Wo,OttoN. erkennen Sie die aufgeklärten Länder des Westens? USA? Grossbritannien? Sind wir deswegen aufgeklärter, weil 'unsere' Religion älter ist als der Islam? WIe sah es bei und vor 550 Jahren aus? Und was ist mit Nordirland, Baskenland, den so genannten Schwellenländern? etc. Wirklich aufgeklärt???
    Übrigens: Die Rede ist ja nicht von vegan, sondern vegetarisch, das heisst, man konsumiert Milchprodukte und Eier,die liefern genügend tierische Proteine. Fleisch braucht der menschliche Körper nachweislich nicht. Die Mär vom 'Fleisch ist lebensnotwendig' ist Unsinn.

  5. 'Wenn man sieht, wie die Mohammedaner mit menschen umgehen, verwundert doch nichts mehr.'

    Mr. Bush and Mr. Blair sind keine Mohammedaner! Uebrigens heisst es korrekt Muslime und nicht Mohammedaner. Aber das sollte ein aufgeklaerter Mensch mitlerweile wissen, der sich auch nur ein bischen mit der Materie beschaeftigt.

    Aber das ist eben der Unterschied zwischen Stammtischparolen und der Realitaet.

  6. Immer wieder werden Meinungen mit dem banalen Satz 'In unserer aufgeklaerten Welt...' untermauert, um irgendeine Form von Relevanz vorzutaeuschen!
    Dabei ist genau so ein vorgehen ein Anzeichen von Rueckstaendigkeit, da man sich auf eine Pseudorealitaet beruft!
    Wir haben die Mittel und die Freiheit aufgeklaert zu sein. Daraus folgt aber nicht, dass wir es tatsaechlich sind. Nochweniger folgt daraus, dass die eigene Meinung korrekt ist. Also wer meint sich aufgeklaert verhalten zu wollen, sollte sich mit Argumenten und Aufgeschlossenheit bewaffnen und nicht mit Pseudoargumenten!

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