Windenergie Kurzschluss in der See-SteckdoseSeite 2/2
Hinter den Kulissen herrscht allerdings Unklarheit, wie teuer die seetauglichen Steckdosen tatsächlich sind. Die vier CDU-Bundesländer sprechen von drei Milliarden Euro. RWE und auch E.on gehen sogar von mehr als vier Milliarden Euro aus.
Der Bundesverband Windenergie (BWE) hält das dagegen für "unverantwortliche Panikmache". Er kommt in einer Kalkulation auf nur 900 Millionen Euro. "RWE arbeitet mit unseriösen Daten", sagt BWE-Geschäftsführer Ralf Bischof. So rechne das Unternehmen etwa mit einer viel zu optimistischen Leistung von installierten 20.000 Megawatt.
Das Bundesumweltministerium schätzt dagegen, dass in den kommenden fünf Jahren nur fünf Offshore-Parks mit insgesamt 1500 Megawatt Leistung ans Netz gehen. Ein Drei-Personenhaushalt müsse mit einer Mehrbelastung von gerade einmal 2,7 Cent im Monat rechnen. "Die Auswirkungen auf die Strompreise sind vernachlässigbar", heißt es in einem internen Papier.
Doch in der Branche herrschte offene Panik. Offshore ist für sie ein entscheidender Zukunftsmarkt, weil in Deutschland die Wachstumspotenziale an Land ausgeschöpft sind. Die Industrie befürchtete jetzt, auch draußen auf See den Anschluss zu verlieren. Insgesamt stehen schon rund 300 Windmühlen in der Nordsee. In deutschen Gewässern drehen sich aber gerade einmal zwei Testräder. Während Dänemark und Großbritannien schon seit Jahren Erfahrungen mit Wind und Wellen machen, konnte Minister Gabriel erst Anfang Oktober seine Zustimmung für
den ersten deutschen Offshore-Windpark "Borkum-West"
geben.
"Es wäre für uns sehr schlimm, wenn das Gesetz im Vermittlungsausschuss landet", sagte Knud Rehfeldt, Vorstand der Stiftung Offshore Windenergie, die das Testfeld "Borkum-West" fördert, noch am Donnerstagabend. Denn dann hätte eine Hängepartie gedroht. "Niemand würde sich mehr trauen, in unsere Industrie zu investieren."
Selbst bei Parteikollegen stießen die Pläne der CDU-Länder auf Unverständnis. "Ich halte den Vorstoß für vollkommen unverständlich", sagte der Umweltfachmann der CSU, Josef Göppel. "Damit verhindert man nur eine Zukunftsenergie."
Und nicht nur das. Wenn Deutschland seine Klimaschutzziele aus dem Kyoto-Protokoll erreichen und Kohlendioxid-Emissionen reduzieren will, kommt es an der Windkraft nicht vorbei. Geht es nach der Bundesregierung, soll Windstrom 2030 ein Viertel der Stromproduktion ausmachen. Geplanter Offshore-Anteil: 60 Prozent.
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- Datum 24.11.2006 - 03:08 Uhr
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