Innere Sicherheit Anti-Terror-MolochSeite 2/2

Die Geheimdienste sammeln bereits Daten im Vorfeld, bei Vermutungen oder vagem Verdacht. Die Polizei ermittelt auf Grund von Fakten und bei einem konkreten Verdacht. Gerate nun einer auf Grund einer vagen Vermutung von Geheimdienstlern in diese Datei, könnte er zum Terroristen abgestempelt werden, befürchten die Kritiker. Und könnten nicht - so der Bochumer Jura-Professor Ralf Poscher bei der Anhörung - Leute wie der Schriftsteller Peter Handke wegen seiner Lobpreisungen des verstorbenen serbischen Diktators Slobodan Milosevic in die Datei geraten?

Das Gesetz über die Anti-Terror-Datei ist das vorerst letzte in einer langen Reihe von Sicherheitsmaßnahmen, die auf die Terroranschläge des 11. September 2001 folgten. Die »Otto-Kataloge«, so benannt nach dem damaligen Innenminister Otto Schily (SPD), wurden von der großen Koalition verlängert und erweitert. Dass auch die bei der Lkw-Maut erhobenen Daten zum Anti-Terror-Kampf verwendet werden sollen, steht auf der Agenda der Koalition. »Wie weit wollen Sie gehen?«, fragte der Linkspolitiker Jan Korte in der Bundestagsdebatte. Die Antwort steht aus.

( Norbert Klaschka, dpa )

 
Leser-Kommentare
    • zyane
    • 02.12.2006 um 8:30 Uhr

    Ich weiß gar nicht was das alles bringen soll. Eine Überwachung soll ja z.B. Terroranschläge verhindern. Wenn jetzt die Polizei, aufgrund einer Überwachung, eine Person festnimmt, diese aber den geplanten Anschlag noch nicht ausgeführt hat, kann dieser Jemand auch nicht für eine Tat verurteilt werden die er noch gar nicht begangen hat.

  1. Diese Gesetzgebungen sind natürlich ein ständig anhaltender Vertrauensbruch von Seiten des Staates gegenüber den Bürgern. Wir sollten uns also fragen, warum kann der Staat seinen Bürgern nicht mehr vertrauen? Der Begründung Terrorismusprävention glauben ja viele Mensch nicht so recht. Die allgemein grassierende Verunsicherung rührt wohl daher, dass sich der Bürger irgendwie unspezifisch von den Verhältnissen in dem bedroht fühlt, was sein Menschsein ausmacht. Mit solcher Sicherheitspolitik wird also einerseits versucht der Verunsicherung die Diagnose Terrorismusbedrohung und seine Therapie, die Bekämpfung durch Sicherheitsgesetze aufgedrückt, andererseits weiss der Gesetzgeber wohl, ihn und den Bürger treibt in Wirklichkeit die Angst vor den explosiven Aggressivitäten dieser von ihm geradezu faschistisch durchökonomisierten Gesellschaft an.

  2. Heißt das, es gibt mindestens 1.451.605 Terroverdächtige in diesem Land? Da muss man sich ja schon schämen, wenn man nicht drinsteht.

    Es gibt ja noch einen Lichtblick, nämlich dass der Überwachungsapparat viel zu dämlich ist, die Überwachung auch effektiv zu organisieren.

    Die Dresdener Polzei findet ja noch nicht einmal Sexualstraftäter in Ihrer Datei, weil sie nicht wissen, welche Suchworte sie eingeben müssen. Liegt es in einem Rechtsstaat nicht vielleicht nahe, Straftäter abzulegen unter den Paragraphen StGB nach denen sie verurteilt worden sind? Z.B. 174-184, 'Strafdaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung'? 'Wahrscheinlich Kommunist' oder 'Vorsicht: Kauft Döner bei Moslems' passt da natürlich nicht ins Raster.

  3. sind 1.451.605 Terrorverdaechtige zu viel.

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