Marion Dönhoff Preis 2006 DankesredeSeite 2/2
Bei einem meiner ersten ärztlichen Einsätze in der sogenannten Dritten Welt, als 30- jähriger tatendurstiger und ziemlich selbstsicherer Arzt in den Slums von Kalkutta, habe ich meine Lehrmeisterin Mutter Teresa eines Sonntags nach der Heiligen Messe gefragt: »Mutter, was ist denn die wichtigste Eigenschaft, die man benötigt, um erfolgreich diesen elenden Gestalten zu helfen«. Ich erwartet eigentlich eine Antwort wie: »Du musst ein guter Christ sein, du musst dein ärztliches Handwerk beherrschen, du musst physisch fit und psychisch belastbar sein«. Weit gefehlt. Es kam eine typische Mutter- Teresa-Weisheit: Knapp, kurz, einfach und doch so wahnsinnig schwer. Teresa sagte: »Du musst die Menschen lieben, sonst erreichst du gar nichts... weder für diese Elenden, noch für dich.« Einen Aspekt der kulturellen Schräglage unser westlichen Zivilisation personifiziert der Arzt, der zum Medizintechniker degeneriert ist, welcher den Patienten- Mensch zum Fall degradiert.
Wer heute Afghanistan helfen möchte, aber das Land primär als politologischsoziologisch hochinteressanten Fall sieht, als Paradebeispiel eines »failed state«, als »country without state«, wer Afghanistan sicherheitspolitisch als »high-risk-area« im islamischen Krisenbogen betrachtet, die militärische Lage im Land als Paradebeispiel »asymmetrischer Kriegsführung« wertet, der wird scheitern. Man muß die Afghanen- Menschen lieben, wenn man ihnen und ihrem Land erfolgreich helfen möchte. Sie, meine Damen und Herren in der Jury, und Sie, verehrte Gäste, tragen heute dazu bei.
Es ist zwar heute Sonntag und damit der »Tag des Herrn«. Aber es ist natürlich auch und ganz besonders der Tag der Dame, der Tag von Gräfin Dönhoff. Und ich bin sicher: unser aller oberster Verleger und Herausgeber hat um den großen Bayerischen Geschichtenschreiber Ludwig Thoma zu zitieren die Gräfin heute sicher für drei Stunden vom »Halleluja und Hossianna-Singen« exkulpiert und sie ist unter uns und freut sich mit uns. Und darüber sollten auch wir uns freuen.
Informationen zur Marion Dönhoff Stiftung »
- Datum 05.12.2006 - 06:07 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 6.12.2006
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