Fall Litwinenko Weitere Vergiftung?
Mario Scaramella sagt von sich selbst, er sei ebenfalls mit Polonium vergiftet worden. Der italienische Kontaktmann von Alexander Litwinenko liegt in einem Londoner Krankenhaus.
»In meinem Körper befindet sich eine Polonium-Menge, die fünf Mal über der tödlichen Dosis liegt«, sagte der Kontaktmann des vergifteten Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko, Mario Scaramella, am Sonntagabend in einem Telefoninterview des italienischen Fernsehens RAI. Der italienische »Sicherheitsberater«, der derzeit in einem Londoner Krankenhaus liegt, ist nach eigenen Angaben mit einer tödlichen Strahlendosis vergiftet worden. Unterdessen hat sich in die Ermittlungen zum Gifttod Litwinenkos auch die US-Bundespolizei FBI eingeschaltet.
Nach Informationen der Sonntagszeitungen The Observer und Sunday Mirror vernahmen Beamte von FBI und Scotland Yard in Washington einen Agenten des früheren sowjetischen Geheimdienstes KGB namens Juri Schwets. Er soll angeblich über Informationen verfügen, wonach die Gift-Affäre in Zusammenhang mit der Zerschlagung des russischen Ölkonzerns Yukos steht. Solche Spekulationen gibt es seit längerem. Scotland Yard verfolgt auch mehrere andere Spuren.
Scaramella stand am Sonntag weiter unter strenger Kontrolle der Ärzte. Sein Anwalt erklärte dem italienischen Fernsehen, der Geheimdienst-Experte Scaramella wolle »alle ihm verfügbaren Namen und Daten öffentlich bekannt geben«. Darunter seien »alle Informationen, die Litwinenko ihm im Laufe der Zeit gegeben habe«. Es gehe um Namen von Politikern und Journalisten, die mit der Spionagetätigkeit der ehemaligen Sowjetunion in Verbindung gestanden hätten, sagte Anwalt Sergio Rastrelli. Scaramella verfüge unter anderem über entsprechende Tonbänder.
Scaramella hatte sich mit Litwinenko am 1. November in einer Londoner Sushi-Bar getroffen. Kurz darauf erkrankte Litwinenko. »Meine Vergiftung kann mit Informationen zusammenhängen, die Litwinenko mir seit Monaten zukommen ließ«, hatte Scaramella bereits zuvor erklärt. Er hoffe zu überleben, »um alle Dinge, die über mich gesagt und geschrieben werden, zu widerlegen«.
- Datum 06.12.2006 - 04:56 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 4.12.2006
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