Fall Litwinenko Falsche Spuren
Im Mordfall Litwinenko betreiben verschiedene Akteure ein Verwirrspiel wie in einem Krimi von Edgar Wallace. Nun will ein Zeuge auspacken, der in Wahrheit schon lange redet.
Zwielichtige Figur: Der Italiener Mario Scaramella will jetzt zum Mord an Alexander Litwinenko aussagen. Er war einer der Letzten, der den Ex-Spion vor dessen Tod traf. Litwinenko selbst bezeichnete ihn als möglichen Täter
Der Fall des vergifteten russischen Ex-Spions und Putin-Gegeners Alexander Litwinenko bekommt fast jeden Tag eine neue Wendung. Nur die Klarheit ist nicht einen Deut größer geworden. Am vergangenen Wochenende waren nach überwiegender Medienmeinung, die auf Aussagen britischer Fahnder basiert, die wahrscheinlich Schuldigen „Schurkenelemente“ im FSB, dem russischen Geheimdienst. Seine Agenten reisten womöglich getarnt als Fans von CSKA Moskau zum Spiel der europäischen Champions League gegen Arsenal London.
Diese Lösung besitzt einen unschätzbaren Vorzug: Sie beschädigt nicht direkt die britisch–russischen Beziehungen. Die Briten können schließlich schlecht sagen, dass ihrer Meinung nach der russische Staat selbst hinter dem Mord steht, und dann die volle Kooperation des Putin-Regimes erhoffen.
Darüber hinaus gibt es viel Spekulation und wenig harte Fakten: Angeblich verfolgte Litwinenko Pläne, russische Oligarchen und Geheimdienstler mit Informationen über ihre Vergangenheit zu erpressen. Angeblich will der Italiener Scaramella jetzt „wirklich auspacken“, nachdem er seit gut zwei Wochen nichts anderes getan hat, als Interviews zu geben.
Am Verwirrspiel sind verschiedene Akteure mit ganz unterschiedlichen Motiven beteiligt. Da ist einmal die russische „connection“, der Kreml selbst, die russische „Mafia“ und Renegaten des Geheimdienstes, die angeblich auf eigene Faust operieren. Ihnen allen liegt daran, Spuren zu verwischen, falsche Spuren
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inklusive atomarer Strahlung
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zu legen oder den Verdacht auf andere zu lenken. Selbst die britischen Fahnder sind an diesem Spiel beteiligt, wenn sie auch aus ehrenwerteren Motiven heraus handeln. Etwa, um Gewissheit vorzutäuschen, wo keine besteht, um bei Tätern und Hintermännern Reaktionen auszulösen, die der Wahrheitsfindung dienen könnten.
Ein Musterbeispiel dafür liefert die Story von der radioaktiven Strahlung, die in mehreren Boeings 767 von British Airways entdeckt wurde. Dabei handelt es sich um eine äußerst seltsame Geschichte. Polonium-210, als Mordmittel identifiziert, soll vor dem 1. November, dem mutmaßlichen Tag des Giftanschlags auf Litwinenko, an Bord eines Jets nach London gelangt sein, fest verschlossen in einem winzigen Behälter. Das hätten Messungen an Bord erbracht, wurde in der vergangenen Woche suggeriert. Um Spuren von Radioaktivität im Jet zu hinterlassen, müssten die Täter die unglaublich klingende Dummheit begangen haben, den Behälter während des Fluges zu öffnen. Einzig in diesem Fall könne, sagen internationale Fachleute übereinstimmend, Strahlung im Jet aufgetreten und später gemessen worden sein. Was abwegig erscheint angesichts eines ansonsten absolut professionell durchgeführten Mordanschlages mit einer Substanz, die wohl in den staatlichen Atomanlagen Russlands erzeugt worden ist.
- Datum 04.12.2006 - 03:25 Uhr
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Alle Mordtheorien sind zweifelhaft, da die Mordmethode doch sehr skuril ist. Eine mehr und mehr plausibele Erklärung ist die Schmuggeltheorie. Woher Litwinenko auch immer das Polonium-210 her hatte, Abnehmer gibt es allemal. Polonium-210 wird zur Herstellung von altmodische Low-Tech-Zündern für Atombomben verwandt. Litwinenko hatte Geldschwierigkeiten und ausserdem das nötige Netzwerk zum Schmuggeln von radioaktiven Substanzen. Siehe auch Kommentar auf russland.RU :'Fall Litvinenko: Polonium als Schmugglerware?'
@tgj. Dagegen spricht, dass Schmuggler zu erfahren sind, um sich selbst zu vergiften! Wenn man schon in diese Richtung spekulieren möchte, dann habe ich eher den Eindruck, dass da jemand deutlich Spuren hinterlassen möchte: Die '500-fache Dosis', das ähnelt doch eher jenen durch Maschinengewehrsalven zu Hackfleisch verstümmelten Opfern irgendeiner Mafia, die - und das ist ja nun wirklich kein Geheimnis mehr - sich in der ehemaligen Sowjetunion aus den ehemaligen Kadern des KGB rekrutieren, so wie Putin eben auch. Was dort abgeht, hat auch was von jener 'Ursprünglichen Akkumulation des Kapitals' in New York und anderen bekannten US-amerikanischen Großstädten, wo sich in den so genanten 'Gründerjahren', die irischen, die italienischen, die jüdischen etc. pp. Straßengangs solange wechselseitig in Stücke schlugen, bis „am Schluss“ der Markt aufgeteilt und an dem einen Ende eine brave Nordamerikanische Bourgeoisie und am anderen die Amerikanische Arbeiterklasse daraus entstanden war. Die, die dann das ganze Ausmaß einer solchen Metamorphose zu spüren bekamen, waren die US-amerikanischen Arbeiterbewegung und die Gewerkschaften, die sehr schnell lernen mussten, dass sie nicht nur mit Gangstern gegenüber, sondern auch mit solchen in den eigenen Reihen zu tun haben.
Der jetzt erst und solchermaßen so bedeutungsgeschwängerte Begriff des „Raubkapitalismus“, erwarb in den USA - wie durch oben beschriebenen Szenen - doch wohl nur seine ursprüngliche Prägung, während er in Russland wohlmöglich jetzt seiner Vollendung entgegen geht!
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