Fall Litwinenko Schattenmann

Welche Rolle spielte der Italiener Mario Scaramella beim Mord an dem russischen Ex-Spion Litwinenko?

"Il Professore", der "Berater" oder auch der Schattenmann: Wer ist Mario Scaramella und welche Rolle spielt er im Litwinenko-Krimi?

"Il Professore", der "Berater" oder auch der Schattenmann: Wer ist Mario Scaramella und welche Rolle spielt er im Litwinenko-Krimi?

Männer wie Mario Scaramella gibt es eigentlich nicht mehr. Sie gehören in die Vergangenheit des Kalten Krieges. Männer, die westlichen Politikern hinterherspionieren, um ihnen Verbindungen zum KGB nachzusagen, Männer die geheime Kontakte zu Russen wie Amerikanern pflegen, Schattenmänner.

Wäre Alexander Litwinenko nicht vergiftet worden – Scaramella wäre wohl in seiner Unterwelt geblieben. Der 36-Jährige Neapolitaner aber war dabei, am 1. November in der mittlerweile weltbekannten Sushi-Bar am Piccadilly Circus. Er habe nur Wasser getrunken, argwöhnte Litwinenko, als es für ihn selbst schon zu spät war. Der Russe verdächtigte den Italiener, ihn vergiftet zu haben.

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Mittlerweile steht fest: Scaramella hat auch eine Dosis Polonium abgekriegt. "Inhaliert auf dem Weg zur Bar oder in der Bar heruntergeschluckt", sagte er am Dienstag der römischen La Repubblica. Zunächst hieß es, die Dosis sei fünfmal höher gewesen als eine tödliche Menge. Sein Freund und Weggefährte Paolo Guzzanti, Senator der Berlusconi-Partei Forza Italia, behauptete rundheraus: "Mario muss sterben. Er hat sein Todesurteil im Krankenhaus bekommen." Aber das scheint übertrieben – wie so manches, was Guzzanti und Scaramella miteinander ausgeheckt hatten.

Der Journalist Guzzanti war bis zum Frühjahr Vorsitzender eines Parlamentsausschusses, der Beziehungen des KGB zu italienischen Politikern aufdecken sollte. Die Commissione Mitrokhin befasste sich mit der Liste eines früheren KGB-Agenten, auf der angeblich westliche Gefolgsmänner und Zahlungsempfänger des sowjetischen Geheimdienstes verzeichnet waren. Guzzanti hatte Scaramella als seinen "Berater" insbesondere auf Romano Prodi angesetzt. Im Wahlkampf gegen Silvio Berlusconi sollten Prodis angeblichen KGB-Verbindungen ans Licht der Öffentlichkeit gebracht werden, und dem Kandidaten der linken Mitte schaden. Ein abenteuerliches Konstrukt um den heutigen italienischen Ministerpräsidenten mit christdemokratischer Vergangenheit.

Dem linksdemokratischen Präsidenten der Region Kampanien, Antonio Bassolino, versuchte Scaramella laut der Staatsanwaltschaft in Neapel sogar Kontakte zur Camorra anzuhängen. In Neapel wird gegen Scaramella mittlerweile wegen Waffenhandels, in Rom wegen Geheimnisverrats ermittelt.

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