Sklaverei : Wo anfangen? Wo aufhören?

Soll der Westen sich für die Sklaverei entschuldigen? Tony Blair jedenfalls hat es am vergangenen Montag nicht getan. Stattdessen sprach er sein „tiefstes Bedauern“ darüber aus, dass eine solch barbarische Praxis jemals möglich war

Soll der Westen sich für die Sklaverei entschuldigen? Tony Blair jedenfalls hat es am vergangenen Montag nicht getan. In seiner Erklärung zum 200. Jahrestag der Abschafferung der Sklaverei durch Großbritannien vermied er, ganz der Anwalt, das Wort „sorry“; stattdessen sprach er sein „tiefstes Bedauern“ darüber aus, dass eine solch barbarische Praxis jemals möglich war. Sklaventransport in Afrika, 1890 BILD

Dabei hat gerade Großbritannien während seines Aufstiegs zur führenden Weltmacht im 18. Jahrhundert von der Sklaverei profitiert. Sogar mehr noch als andere europäische Nationen wie Spanien, Portugal und Holland, die bereits früher in den Sklavenhandel eingestiegen waren.

Hafenstädte wie Liverpool, Bristol und London erblühten dank des Handels mit Millionen von Schwarzafrikanern, die auf die Plantagen der Karibik verfrachtet wurden. Es waren furchtbare Reisen, die häufig mit dem Tod endeten – von den elf Millionen Sklaven des transatlantischen Handels starben an die drei Millionen auf dem Transport. Die anderen schufteten ein miserables Leben lang auf den Ländereien der Plantagenbesitzer.

Doch dann war es Großbritannien, das mit der Abschaffung der Sklaverei begann. Es waren Quäker, Methodisten und Baptisten, die Ende des 18. Jahrhunderts den Widerstand gegen die Sklaverei organisierten. Der Kampf gegen die Sklaverei war die zivilisierende Mission schlechthin für das präviktorianische Zeitalter. Eine christlich motivierte Mission war dies; wichtig zu erwähnen, nachdem doch in früheren Zeiten das Christentum die Sklaverei lediglich gemildert, durchaus aber legitimiert hatte.

Die Protagonisten jener Jahre empfanden diese Mission als moralische Reinigung, die half, das alte, sündenhafte Selbst zu überwinden. Zugleich leiteten die Briten daraus einen Anspruch zu universaler, moralischer Führung ab, ein Anspruch, der noch heute nachklingt.

Das Empire verbot die Sklaverei 1807 und setzte dann auf dem Wiener Kongreß 1815 andere europäische Nationen unter Druck, dem britischen Beispiel zu folgen. Britische Kriegsschiffe sollten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts entlang der Westküste Afrikas patrouillieren und Boote von Nationen aufbringen, die im zivilisatorischen Prozess noch nicht so weit vorangeschritten waren.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen