Frauen und Macht »Ich war ein Unikat«
Wie Frauen in den Anfangsjahren der Bundesrepublik um Einfluss und Rechte stritten. Die ehemalige Staatsministerin Hildegard Hamm-Brücher im Gespräch mit der Historikerin Sybille Steinbacher, geführt von Margrit Gerste
Frau Hamm-Brücher, bei Kriegsende waren Sie 24 Jahre alt und hatten gerade in München Ihren Doktor in Chemie gemacht. Was hat Sie in die Politik getrieben?
Hildegard Hamm-Brücher: 1945 war, trotz allen Elends, das Jahr der Befreiung, der Freude, der Begeisterung - man musste keine Angst mehr haben. Ich dachte darüber nach, welche Konsequenzen das für mein Leben hat, endlich frei zu sein. Dass ich überlebt hatte, war ja ein Wunder, denn ich war in München im weiteren Umfeld der Weißen Rose auch in den Blick der Gestapo geraten. Ich wurde zwar zwangsexmatrikuliert, konnte aber meine Doktorarbeit zu Ende schreiben. Ich hatte also überlebt, aber Freunde und Kommilitonen hatten ihr Leben geopfert.
Sie haben bei der "Neuen Zeitung" als wissenschaftliche Mitarbeiterin angefangen - Erich Kästner war Ihr Chef.
Hamm-Brücher: Ja, er war mein Schutzpatron. Und er brachte mir bei, wie man schreibt. Im Übrigen tat ich, was August Bebel einst den Frauen geraten hatte: Wenn ihr mitmachen wollt, müsst ihr ins Wasser springen und schwimmen lernen - ich sprang. In einem klapprigen Auto schickte man mich kreuz und quer durch die amerikanisch besetzte Zone. 1946 hatte ich dort eine schicksalhafte Begegnung.
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Ich traf Theodor Heuss, später Bundespräsident, damals Kultusminister im Schwabenland und ein leidenschaftlicher Demokrat. Anderthalb Jahre nach Kriegsende war er der erste Deutsche, der mir etwas Positives über Demokratie erzählte! Und ich konnte ihm von mir erzählen, auch vom Freitod meiner jüdischen Großmutter, bei der meine Geschwister und ich nach dem Tod unserer Eltern lebten. Heuss befand: Das Mädle muss in die Politik gehen! 1948 kandidierte ich für die frisch gegründete FDP für den Münchner Stadtrat - und hatte keine Ahnung, was ein Stadtrat zu machen hatte! Meine jungen Mitstreiter jedenfalls malten mir mit Wasserfarben ein schönes Plakat: "Verjüngt den Stadtrat, wählt Hildegard Brücher!"
Sie hatten Erfolg! Aber was wollten Sie damit anfangen?
Hamm-Brücher: Ich hatte keinerlei ideologische Orientierung, ich hatte nur ein Ziel: Eine Diktatur darf sich nicht wiederholen. Und: Die Männer haben uns zweimal in einem Jahrhundert in fürchterliche Katastrophen geführt, jetzt müssen wir Frauen uns einmischen. Das war meine erste Emanzipation. Ich spürte die Verpflichtung, dafür zu leben, wofür Freunde ihr Leben geopfert hatten. Zunächst aber war ich vollauf damit beschäftigt, Kartoffeln heranzuschaffen, Schuldächer zu flicken und Schuh-Bezugsscheine zu verlosen.
- Datum 30.11.2006 - 04:55 Uhr
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- Quelle ZEIT Geschichte 4/2006
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Mann, Germanow, Du hast es grade nötig! Wenn hier einer dumm daherschwatzt, dann bist das meistens Du!
Vorbemerkung an 'Germanow':
Mit flapsigen Sprüchen kann man die 'Hoheit über die Stammtische' gewinnen, eine redliche Diskussion lässt sich so nicht führen.
Nachbemerkung: so witzig waren die Anmerkungen nicht. Ein zweiter 'Harald Schmidt' ist nicht in Sicht...
Die Dame, so ehernhaft sie sein mag, war ein eitler Dummschwatz. Hätte es sie nicht gegeben, keiner hätte es gemerkt.
ist es von Germanow, in einem Satz so viel 'Dummschwatz' von sich zu geben! 'Hättest Du geschwiegen, wärst ......'
Hildegard Hamm-Brücher. Eine wirklich beeindruckende Persönlichkeit der deutschen Politik. Sich durchzusetzen, ohne einer androgynen Verpuppung zum Opfer zu fallen, ist an sich schon eine Leistung. Immer, wenn man hätte denken können, jetzt ist die Hamm-Brücher aber 'mainstream', just dann kam sie vom Wege ab. Ihr Lebensweg erinnert mich sehr an die Erinnerungen Berggruens: Hauptweg und Nebenwege.
Als 1982 der Weg der FDP schnurstracks Richtung CDU verlief, meldete sich Frau Hamm-Brücher zu Wort. Sie hatte gute Argumente für eine kritische Analyse, trotzdem war (und ist) so eine Haltung sehr schwer durchzuhalten.
Die Zungen der meisten Granden in der CDU lösten sich erst, als diese Abgeordneten und Minister sich aus der Umklammerung ihrer eigenen Partei lösen konnten. Heute sagen - in aller Offenheit - die Blüms und Geislers, was sie wirklich denken. Hamm-Brücher tat dies - in den allermeisten Fällen - von Anfang an! Dafür gebührt ihr Respekt - eigentlich hätte sie es verdient gehabt, das Ansehen dieser Republik in noch höheren Positionen zu mehren.
Auch wenn einige Anspielungen bezüglich Männer und Macht für mich so nicht nachvollziehbar sind, aus dem Zeitgeist sind sie allemal zu verstehen.
Hildegard Hamm- Brücher jedenfalls ist einer der herausragendsten Persönlichkeiten dieser Republik, eine der wenigen Frauen die sowohl für Männer als auch für Frauen als Vorbild gelten kann, nie den Habitus einer 'Emanze' benötigte und vielleicht auch deshalb für die Frauen weit mehr erreicht hat als die sogenannte Emanzipationsbewegung insgesamt.
Bemerkenswert bleibt vor allem die Fähigkeit sich jenseits des politisch ideologischen Hyps mit den realen Defiziten diese Landes zu beschäftigen und diese auf den Punkt zu bringen (Unentbehrlehrlichkeit der Mütter als Hilfslehrerinnen etc.) entgegen so mancher Schul- und Bildungspolitik aller Lager, die außer Etiketten kaum etwas sinnvolles aufzuweisen haben.
B Grabe
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