Amokwarnung Grausiges Ende
In Baden-Württemberg tauchte eine anonyme Drohung eines Schülers auf, zu Nikolaus an seiner Schule Amok zu laufen. Nun wurde ein vermisster Schüler tot aufgefunden.
Es ist überhaupt keine Geschichte zum Nikolaustag: Zwei Knaben spielen miteinander, und dann spielt noch ein dritter mit. Doch die beiden stellen fest, dass der viel böser ist als alle anderen. Als er damit droht, am Nikolaustag in seiner Schule Amok zu laufen, informieren die zwei Schüler erst ihre Schulleitung und dann die Polizei. Die nahm die Drohung sehr ernst, sagt Günter Loos vom baden-württembergischen Innenministerium, denn "die beiden konnten deutlich machen, wie ernst der Kandidat das meinte". Dieser Mitspieler sei "sehr, sehr aggressiv gewesen". Das mag einiges heißen. Die zwei hatten nicht irgendetwas gespielt, sondern Counter-Strike , jenen Ego-Shooter, der seit der Tat in Emsdetten wieder als "Killerspiel" durch die Medien geistert. Man kann davon ausgehen, dass sie manches an Aggressivität gewohnt sind.
Am Dienstagabend informierte das baden-württembergische Kultusministerium per E-Mail alle Schulen im Land über diese Drohung im Internet. Zeitgleich sprach das Innenministerium die Polizei an. Schuldirektionen und örtliche Beamte sollten sofort in Kontakt miteinander treten und besprechen, wie am Nikolaustag die Schulen zu schützen seien. Denn wo er zuschlagen wolle, hatte der anonyme Spieler nicht gesagt. So sind alle verfügbaren Beamten in Zivil oder Uniform unterwegs. Sie fahren Streife oder parken vor den Schulgebäuden. Sie beobachten die Schüler.
Im Brennpunkt liegt an diesem Mittwoch Offenburg. Dort wurden an drei Schulen alle Schüler durchsucht. Eine Schulleitung beschloss, ihre Schüler wieder heimzuschicken. Seit Montagnachmittag wurde dort ein 18-jähriger Schüler vermisst, ein introvertierter Einzelgänger, der auch Counter-Strike spielte und wohl eine Waffe seines Großvaters mitgenommen hatte, sagt Jürgen Gießler von der örtlichen Polizeidirektion. Während seiner Schullaufbahn hatte er alle drei Schulen besucht. Nach der Warnung im Internet suchten sogar Hubschrauber nach ihm. Jetzt haben die Beamten ihn in einem Waldstück gefunden. Er ist tot. Vermutlich hat er sich selbst umgebracht. Ob er auch derjenige war, der im Internet mit einem Amoklauf gedroht hatte, ist noch nicht erwiesen.
Überall sonst im Land nimmt der Schultag seinen Lauf. Die Lehrer sollen und werden einmal mehr auf die Ängste der Schüler eingehen, der Unterrichtsstoff tritt in den Hintergrund. Das Kultusministerium bittet die Schüler und ihre Eltern, besonders aufmerksam zu sein und Auffälligkeiten vertraulich der Polizei zu melden. "Das Öffentlichmachen ist gut", sagt Helmut Nock, psychologischer Schulberater und Leitungsmitglied des Kriseninterventionsteams der Abteilung Schule und Bildung beim Regierungspräsidium Stuttgart. Ernst genommen werden sollte die Drohung auf jeden Fall. "Es wäre leichtsinnig zu sagen, da kann nichts passieren." Dabei ist ihm klar, dass mit der ersten landesweiten Warnung dieser Art Schulen auch manipulierbarer würden. Das genau kritisiert denn auch die Polizeigewerkschaft. Deren Landesvorsitzender Josef Schneider warnte am Mittwoch vor Trittbrettfahrern, die durch den Rummel um die Amokwarnung zur Nachahmung verleitet werden könnten.
Das steht für Hansjörg Blessing, Sprecher im Kultusministerium, in keinem Verhältnis: "Wir sind an die Öffentlichkeit gegangen, weil man sich nur mal vorstellen muss, was passiert wäre, wenn heute ein Amoklauf stattgefunden hätte und wir nicht öffentlich gewarnt hätten." Eltern müssten entscheiden können auch wenn an diesem Tag wegen der Ängste kein gewöhnlicher Unterricht stattfinden könne, auch wenn einige Eltern beschlossen haben, ihre Kinder gar nicht erst in die Schule zu schicken. Die Lehrer werden auch das verstehen.
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- Datum 06.12.2006 - 05:08 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Also, das ist ja wohl die billigste Form von Kulturkritik... Huxley und Orwell...puuuhh.... das schreit der Geimeinschaftskundelehrer in mir freudig auf... wie leicht die Welt doch eingeteilt werden kann: die böse Regierung und die unaufgelärten, unmündigen Untertanen. Gell? Schön einfach nicht wahr? Ganz wie Huxleya es beschreibt.
CS ist ein Taktik-shooter, man spielt im Team nicht alleine.
Ego-shooter spielt man allein.
Wer sich mit dem thema ausseinandersetzt krigt das schnell mit.
Wer hat der Polizei den Tip gegeben? Zwei Counter Strike Spieler!
Und was wird passieren wenn man das Spiel verbietet? J.S.
solche Masseneffekte entstehen wenn die Veranwortlichen anstatt verantwortlich zu handeln nur auf ihre eigene Absicherung bedacht sind. So wurde mit einer sensationsgeilen Presse, und einer Sensationssüchtigen Öffentlichkeit und den verantwortungslosen Verantwortungsträger in Politik und Administration eine Massenhystery ins Werk gesetzt.
Ich finde es nur schwer zu rechtfertigen, dass diese Warnung veröffentlicht wurde.
In meinen Augen sind Amokläufer, sowie diese hysterischen Ängste 2 Seiten ein und der selben Medaille.
Ein Irrer, egal aus welchen Gründen, kann einem täglich über den Weg laufen. Es ist jederzeit möglich auf diesem Wege oder durch Ähnliches zu Tode zu kommen.
Die geringe Zivilcourage, die mangelnde Fähigkeit mit solchen Risiken Leben zu können, Ängste dieser Kategorie bei Eltern halte ich durchaus für mitursächlich, wenn ein junger Mann zum Amokläufer wird.
Offensichtlich scheinen solche Täter immer wieder aus einem Umfeld zu kommen in der Scheinsicherheit und Verdrängungsmechanismen dieser Art häufiger anzutreffen sind. Genau diese behütete Sicherheit wird Ihnen und der Gesellschaft zum Fluch.
Jugendliche die nie gelernt haben die kleinen und großen Katastrophen des Lebens durchzustehen, weil sie schlicht keine Erleben bzw. zur Kenntnis nehmen müssen werden irgendwann Ihnen überrollt. Nämlich dann, wenn die Kindheit zu Ende geht und Selbstverantwortung unumgänglich wird.
B Grabe
Zitat Artikel
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Die zwei hatten nicht irgendetwas gespielt, sondern Counter-Strike, jenen Ego-Shooter, der seit der Tat in Emsdetten wieder als 'Killerspiel' durch die Medien geistert. Man kann davon ausgehen, dass sie manches an Aggressivität gewohnt sind.
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Wueder sich bitte die ZEIT daran erinnern, dass ein serioeser Journalist (so jene noch existieren/je existierten) es insbesondere in Nachrichten vermeidet, haltlose, unbegruendete und populistische Kommentare abzugeben?
Wenn so was in einer Kolumne oder aehnlichem steht - schlimm genug! Aber in diesem Rahmen?
Traurig, dass ein weiterer Einzelgaenger Selbstmord beging.
Traurig, dass die ZEIT anstatt die zwei Jungen die den Vorfall meldeten fuer ihre Zivilcourage (auch indirekt) zu loben sie (indirekt) zu 'Killerspielern' degradiert.
Wann wird bitte endlich auch der Umgang mit den sogenannten 'Killerspielen' auf dem sonst uebliche Niveau der ZEIT geschehen? Es verleidet mir so langsam ernstlich die Lektuere!
In die gleiche populistisch-manipulatorische Kerbe schlaegt uebrigens meiner Meinung nach auch das 'kuenstlerisch verfremdete' Titelbild zum Artikel.
Counterstrike ist nicht brutal genug, da brauchte es noch ein paar bedrohliche Farb- und Form-Akzente, damit auch alle Angst vor den Killerspielen kriegen. Und natuerlich muss man auch gleich einen impliziten Zusammenhang zwischen dem Spiel und dem Tod des Jungen suggerieren - ohne dass ueberhaupt irgend etwas bisher bekannt waere.
Einfach unwuerdig.
Bei jedem 'normalen' Selbstmord waere vielleicht ein Bild der Polizei, des Tatortes, oder des Opfers und Taeters gezeigt worden.
Also wir verbieten Killerspiele, es wird auch eingehalten und dann gibt es keinen Grund mehr Amok zu laufen ?
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