Kunst

Kunst der Langsamkeit

©Tomma Abts; 2003, Acryl und Öl auf Leinwand, 48 x 38 cm, Courtesy Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin; Galerie Daniel Buchholz, Köln; greengrassi, London

Warum Tomma Abts den Turner-Preis verdient hat. Ein Essay in Text und Bild. Wer die Gemälde von Tomma Abts betrachtet, kann nur ahnen, wie viel Zeit und Stadien unter der trügerisch blassen Oberfläche liegen. Oder würde man diesem Bild anmerken, dass die diesjährige Turner-Preis-Gewinnerin es zunächst mit einem bunten Muster überzog, ehe sie, Monate und Farbschichten später, zu diesem kühl reduzierten Ergebnis kam? „Ich finde expressive Werke, beispielsweise von Willem de Kooning, zwar faszinierend, doch ist es nicht meine Art von Darstellung. Dennoch können meine Bilder durchaus sehr farbig, expressiv beginnen“, erklärt die gebürtige Kielerin, die seit Mitte der neunziger Jahre in London lebt. Nur ganz leicht drücken sich in ihren Bildern die Spuren der darunterliegenden Strukturen verräterisch durch die oberste Farbschicht. Wie Narben der Vergangenheit, die den Werken fast Persönlichkeit verleihen, was durch die Titel der Arbeiten noch verstärkt wird. Abts benennt sie konsequent nach nordisch hart klingenden Eigennamen – oder eben – und rahmt sie stets im gleichen Maß von 48 x 38 cm, einem klassischen Porträtformat.
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