Einkommen Wem Armut droht
Fast elf Millionen Deutschen droht der Absturz in die Armut. Unter ihnen sind fast zwei Millionen Kinder. Sozialtransfers schützen vor dem Fall.
Eine Suppenküche in Berlin
Rund 10,7 Millionen Deutsche sind von Armut bedroht, darunter 1,7 Millionen Kinder unter 16 Jahren. So lässt sich das Ergebnis der Studie "Leben in Europa" zu Armut und sozialer Ausgrenzung für Deutschland lesen, die das Statistische Bundesamt am Dienstag vorstellte. Das Amt berechnete eine so genannte Armutsgefährdungsquote von 17 Prozent für die neuen Bundesländer, 12 Prozent für den Westen Deutschlands.
Nun sind Armutsberichte immer so eine Sache. Denn Armut ist relativ. Niemand in Deutschland lebt in so elenden Verhältnissen wie manch einer in Bangladesh oder dem Kongo. Trotzdem gibt es auch hier arme Leute. Wie viele es sind, ist letztlich Definitionssache. Die Europäische Union, die die Regeln für die aktuelle Statistik vorgegeben hat, interessiert sich vor allem für die Frage, ab wann die Menschen in Europa von Armut bedroht sind. Es geht ihren Statistikern also nicht darum festzulegen, wo die Armut letztlich beginnt
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möglicherweise, weil dies nicht nur von den finanziellen Verhältnissen einer Person abhängt, sondern auch von ihren sozialen und politischen Lebensbedingungen.
Die Antwort der EU: Wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung auskommen muss, trägt das Risiko, in Armut zu stürzen. In Deutschland sind das 13 Prozent, weniger als in den meisten anderen Mitgliedsstaaten. Besser sieht es nur in den skandinavischen Länder aus, gleichauf liegen Österreich und Frankreich. In Portugal und Griechenland sind dagegen ungleich mehr Menschen von Armut bedroht.
Die Methode, nach der diese Rangliste berechnet wird, ist recht kompliziert: Zunächst wird das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erwirtschaftete Einkommen aufgenommen. Wichtig sind vor allem Arbeitslöhne und -gehälter sowie Einkünfte aus Vermögen. Sozialtransfers bleiben bei der Rechnung außen vor. Die so erhaltene Summe verteilen die Statistiker nach einem bestimmten Schlüssel auf die im Haushalt lebenden Personen. Er berücksichtigt, dass Personen Einspareffekte bei den laufenden Kosten erzielen, wenn sie in einem Haushalt zusammenleben. Eine vierköpfige Familie bewohnt beispielsweise meist weniger Quadratmeter pro Person als zwei kinderlose Paare. Weil sie deshalb in der Regel weniger Miete zu zahlen braucht, wird der Gewichtungsschlüssel herangezogen, um das statistisch relevante Pro-Kopf-Einkommen ihrer Mitglieder zu berechnen.
- Datum 20.05.2008 - 09:28 Uhr
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