Globale Erwärmung Tote Windhose

Den Prognosen zum Trotz ist das Hurrikandesaster in diesem Jahr ausgeblieben. Doch das ist noch lange kein Grund, am Klimawandel zu zweifeln, kommentiert

Nix los im Golf von Mexiko - die Wirbelstürme Gordon (im Bild rechts oben) und Helene (unten) tobten sich weit draußen auf dem Atlantik aus BILD

Auffällig flau war es in den vergangenen Monaten über dem Atlantik. Im Jahr zuvor fegten noch so viele Wirbelstürme über den Ozean, dass den Meteorologen die Buchstaben ausgingen, um sie zu bezeichnen. In diesem Jahr aber mussten gerade mal zehn Hurrikans getauft werden. Dabei hatten die Experten, nachdem das Wirbelmonster Katrina die Millionenstadt New Orleans ruiniert hatte, schon das Zeitalter der Stürme ausgerufen. Befeuert wurde die Prognose offenbar noch von neuen, wenig ermutigenden Nachrichten über die globale Erwärmung.

Die Warnung kam ausgerechnet von der - des Klima-Alarmismus bisher unverdächtigen - nationalen Klimabehörde der USA. In ihrem Atlantic Hurricane Outlook für das Jahr 2006, ausgegeben im Mai, hatte die die National Oceanic and Athmospheric Administration (NOAA) eine bedrohlich heftige Hurrikansaison vorhergesagt, und dies noch im August weitgehend bekräftigt. 12 bis 15 Wirbelstürme sah die Behörde kommen. Amerika wappnete sich für die nächste Wetterhölle.

Anzeige

Und jetzt? Scheinbar fällt die Katastrophe aus, und die Riege der Klimaskeptiker lässt sich diese Gelegenheit nicht entgehen: "Wie erklären die Alarmisten diese Saison?", fragt zum Beispiel Myron Ebell vom Industrie-finanzierten Competitive Enterprise Institute . Sie fordert von den Warnern des letzten Jahres nun, "sich für ihr schamloses Ausnutzen der Opfer an der Golfküste zu entschuldigen". Man habe die Tragödien Katrina und Rita ausgenutzt, um auf neue Energiegesetze zu drängen.

Nun kann man die NOAA für ihre Fehlprognose kritisieren, aber nicht so. Die NOAA hatte ihre Sturmwarnung nicht mit der globalen Erwärmung begründet, sondern mit den natürlichen Schwankungen des Meeresklimas. Schon seit einem Jahrzehnt begünstigt eine besondere Konstellation der Ozeanströme die Hurrikanaktivität.

Der Streit um Wirbelstürme und die globale Erwärmung wird dennoch zunehmend konfus. Auf beiden Seiten, der Warner und der Entwarner, wird er mit falschen Argumenten ausgefochten. Weder war Katrina ein sicheres Indiz für die drohende Klimakatastrophe, noch ist die diesjährige Flaute eines dagegen.

Tatsächlich war es wohl das Wetterphänomen El Niño ("Christkind"), das die Prognose der NOAA-Meteorologen durchkreuzte. Diese Erwärmung des pazifischen Oberflächenwassers in der östlichen Äquatorgegend ist berüchtigt für ihre Unvorhersagbarkeit. Ein ausgeprägter El Niño dämpft die Hurrikan-Aktivität, das weiß man längst auch bei der NOAA. Aber bis in den späten Sommer sah es eher nach einem lauen El Niño aus. Dann, im September, kam er unerwartet doch noch in Fahrt. So blieb der Hurrikanzähler sogar unter dem langjährigen Durchnitt von 11 stehen.

Der Fehler der US-Wetterbehörde war also nicht, sich in der Vorhersage geirrt, sondern diese Vorhersage irreführend nach außen kommuniziert zu haben. "Die Hauptunsicherheit dieses Ausblicks ist nicht, ob die Saison über dem Normalniveau liegen wird, sondern wie viel sie darüber liegen wird", hatten die staatlichen Sturmwarner in ihrer Frühjahrsprognose geschrieben – und damit der Lobby der Klimaskeptiker fahrlässig in die Hände gespielt. Man hätte es besser wissen müssen: Schon 2002 bremste ein verspäteteter El Niño die aufkommende Hurrikansaison.

Verstärkt wurde der Eindruck von Ruhe aber auch dadurch, dass sich die heftigsten Stürme weit draußen auf See austobten. Um die Erinnerung an die Hurrikangefahr aufzufrischen. hätte nur einer von ihnen über die karibischen Inseln oder die Küstengebiete am Golf von Mexiko hereinbrechen müssen. Gut, dass es nicht so kam. Doch hat das nichts mit dem Klimawandel zu tun.

Das heißt jedoch ebenso wenig, dass zwischen tropischen Wirbelstürmen und globaler Erwärmung kein Zusammenhang bestünde. Gerade im Jahr der Flaute hat die Forschung viel über die aufkochende Hurrikanküche gelernt. Langfristige Beobachtungen haben bestätigt, dass wärmeres Oberflächenwasser in den Tropen die Wirbelstürme anheizt –- sie werden häufiger und heftiger. Die Oberflächentemperatur der Karibik steigt von Jahr zu Jahr, und mit jedem Zehntel Grad wächst die Hurrikangefahr ein bisschen - auch, wenn man ihr diesmal glücklich entronnen ist.

 
Leser-Kommentare
  1. Herr Hüter verschiebt die Ausgangslage ein wenig. Nicht die etablierten Hurricane Forscher haben zu beweisen, dass kein Zusammenhang besteht zwischen Hurricanes und Globaler Erwärmung, sondern die Klimamodellierer haben zu beweisen, dass es ein solcher Zusammenhang gibt.

    Das hatte man im Frühjahr versucht, indem man z. B. Trenberth, der bisher noch keine wissenschaftliche Arbeit über Hurricanes veröffentlicht hat, plötzlich beim IPCC als Lead-Autor eingesetzt wurde, was wiederum zum Rücktritt von Landsea geführt hat. Trenberth hatte kurz vorher in Harvard dies öffentlicht behauptet.

    Die Auseinandersetzung ging darum, ob man Hurricanes in die Computerberechnungen und Voraussagen mit einbeziehen kann.

    Die WMO sieht übrigens keinen wissenschaftlich korrekten Nachweis für einen solchen Zusammenhang:

    global community of tropical cyclone researchers and forecasters as represented at the 6th International Workshop on Tropical Cyclones of the World Meteorological Organization has released a statement on the links between anthropogenic (human-induced) climate change and tropical cyclones, including hurricanes and typhoons.

    The ten consensus statements are as follows:
    Consensus Statements by International Workshop on Tropical Cyclones-VI (IWTC-VI) Participants
    1. Though there is evidence both for and against the existence of a detectable anthropogenic signal in the tropical cyclone climate record to date, no firm conclusion can be made on this point.
    2. No individual tropical cyclone can be directly attributed to climate change.
    3. The recent increase in societal impact from tropical cyclones has largely been caused by rising concentrations of population and infrastructure in coastal regions.
    4. Tropical cyclone wind-speed monitoring has changed dramatically over the last few decades, leading to difficulties in determining accurate trends.
    5. There is an observed multi-decadal variability of tropical cyclones in some regions whose causes, whether natural, anthropogenic or a combination, are currently being debated. This variability makes
    detecting any long-term trends in tropical cyclone activity difficult.
    6. It is likely that some increase in tropical cyclone peak wind-speed and rainfall will occur if the climate continues to warm. Model studies and theory project a 3-5% increase in wind-speed per
    degree Celsius increase of tropical sea surface temperatures.
    7. There is an inconsistency between the small changes in wind-speed

    projected by theory and modeling versus large changes reported by some observational studies.
    8. Although recent climate model simulations project a decrease or no change in global tropical cyclone numbers in a warmer climate, there is low confidence in this projection. In addition, it is unknown how tropical cyclone tracks or areas of impact will change in the future.
    9. Large regional variations exist in methods used to monitor tropical cyclones. Also, most regions have no measurements by instrumented aircraft. These significant limitations will continue to make detection of trends difficult.

  2. Irgendwann wird mir vielleicht einmal jemand plausibel erklären können, wie ein lokales Phänomen des Pazifiks die Hurricangenese im Atlantik beeinflussen soll - bis dahin bleibt das für mich blühendste (Modellbauer-) Phantasie!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service