Fussball Zur Geduld verdammt

Der 1. FC Köln steckt fest im Mittelfeld der 2. Bundesliga. Auch der als Heilsbringer gefeierte Rückkehrer Christoph Daum konnte daran bisher noch nichts ändern. Die erhoffte Erlösung aus der sportlichen Tristesse erfordert eine lange vermisste Tugend: Geduld. Ein Kommentar von

Vor knapp zwei Wochen war der 1. FC Köln fast ein Meisterschaftskandidat. Schließlich konnte der Verein mit Christoph Daum den Trainer verpflichten, mit dem der FC vor 16 Jahren zuletzt um den Titel mitspielte. Das rund ums Geißbockheim für gewöhnlich ohnehin überbordende Anspruchsdenken erhielt nach einer Inszenierung an Daums Krankenbett, von dem aus der 53 Jahre alte Fußballlehrer seiner alten Liebe noch mal das Jawort zuhauchte, einen Stoß in Richtung Größenwahn. Mit Daum, dem Erlöser, war der direkte Wiederaufstieg bereits beschlossene Sache.

Seit dem vergangenen Spieltag ist allerdings die Ernüchterung ebenso groß wie es die Erwartungshaltung war. Zweitligakonkurrent MSV Duisburg, im Gegensatz zu den Kölnern derzeit ein ernsthafter Aufstiegskandidat, brachte beim 3:1-Sieg in Köln auch die letzten Optimisten aus der Domstadt zur Raison. Bei der desolaten Vorstellung der Kölner saß der Leibhaftige erstmals auf der Trainerbank, und durch die Niederlage wurde klar, dass selbst er kein Wunderheiler ist, der über Nacht aus verunsicherten Profis eine intakte Mannschaft formen kann.

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Dennoch, mit Daum hat der 1. FC Köln einen renommierten Trainer unter Vertrag genommen, der für mehr steht als nur für seinen stechenden Blick, flammende Ansprachen und Motivationskünste, sondern auch für Kompetenz und Erfolg. Er versteht sich nicht als Mann vom Schlüsseldienst, der nur kurz die Tür zur Bundesliga aufschließt und dann mit der Rechnung wieder verschwindet. Hat ein Verein ihm bisher Zeit gelassen, hat er auch stets funktionierende Teams geformt. So war es in Stuttgart und Leverkusen. Selbst in der Türkei bei Besiktas und Fenerbahce Istanbul, wo die Halbwertszeit eines Trainers normalerweise noch kürzer ist als in Köln, ließ man ihm lange wirken - mit Erfolg.

In Köln hat Daum bis 2010 unterschrieben und bereits angekündigt, auch noch ein Jahr in der Zweiten Bundesliga dranzuhängen, sollte der sofortige Aufstieg nicht gelingen. Der Verein kann also langfristige auf seinen gut bezahlten Trainer bauen, muss aber auch Geduld haben, damit der neue Coach auf lange Sicht auch in Köln an seine Erfolge anknüpfen kann - eine ungewohnte Übung für das Präsidium mit dem bekanntlich hauchdünnen Geduldsfaden. Der jüngste Auftritt der Mannschaft und die Qualität des Kaders machen deutlich, dass Daum mit der Renovierung des Teams eine schwierige Aufgabe vor sich hat.

Ex-Trainer Hanspeter Latour und Manager Michael Meier haben ihm einen bunt zusammengewürfelten Haufen verunsicherter Profis vorgelegt, ein wackeliges Gerüst, in dem Daum als einzigen Stabilisator Abwehrchef Alpay ausgemacht hat. Der übrige Teil der Hintermannschaft um die Fehlerteufel Ehret, Mitreski und Haas wankt nervös von Spiel zu Spiel.

Die Lage ist prekär: Bis zu einem Aufstiegsplatz sind es neun Punkte Rückstand, die Abstiegsränge sind nur noch vier Punkte entfernt. Am Sonntag muss Köln bei den zuletzt heimstarken Offenbacher Kickers antreten. Ohne den rotgesperrten Alpay in der Verteidigung und noch immer ohne Sturmhoffnung Patrick Helmes, der immer noch einen Mittelfußbruch auskuriert. In der Winterpause wird Daum dann wohl seinen Wunschzettel für neues Personal einreichen, um die Mannschaft langfristig nach seinen Vorstellungen zu verstärken.

Im Gegensatz zu einigen bisherigen Übungsleitern, die mit Visionen an den Rhein wechselten und nach der ersten Negativserie ihre Papiere bekamen, hat Daum den Vorteil, dass er weiß, worauf er sich eingelassen hat. Entgegen einiger Spieler ist er erfahren genug, um mit Druck umzugehen. Er kennt den Klub und die Erwartungshaltung noch aus der Zeit als siegesgewohnter Bundesligatrainer, der er wieder sein kann - wenn der Atem der Vereinsführung während der Aufräumarbeiten des Rückkehrers nur lange genug anhält.

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