Rechtsextrem "Zigeuner liquidieren"

Europas rechtsextreme Parteien wollen sich im EU-Parlament zusammenschließen. Die anstehende Osterweiterung spült gefürchtete Scharfmacher herein.

Früher Hofdichter des rumänischen kommunistischen Diktators Ceausescu, heute Befürworter der rumänischen Rechten und bald im EU-Parlament: Corneliu Vadim Tudor

Früher Hofdichter des rumänischen kommunistischen Diktators Ceausescu, heute Befürworter der rumänischen Rechten und bald im EU-Parlament: Corneliu Vadim Tudor

Der eine, Dumitru Dragomir, will Juden zu Seife verarbeiten. Der andere, Corneliu Vadim Tudor, war Hofdichter des rumänischen Tyrannen Nikolae Ceausescu. Der Dritte möchte Zigeuner „liquidieren“. Was diese Figuren gemeinsam haben? Sie sitzen bald im EU-Parlament – und vielleicht werden sie demnächst eine eigene Fraktion bilden. Denn Europas rechtsextremen Parteien, die bislang fraktionslos waren, wollen sich mit Jahresbeginn zusammenschließen.

Der Zeitpunkt ist ideal. Mit dem Jahreswechsel werden im EU-Parlament alle Funktionen - etwa die Vorsitzenden der Ausschüsse - neu gewählt. Und der Beitritt von Rumänien und Bulgarien am 1. Januar 2007 gibt den Radikalen vom rechten Rand eine neue Chance auf einen eigenen Klub - und damit auch auf mehr Geld und Einfluss im EU-Parlament.

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Bislang scheiterte das Vorhaben der Rechten nicht nur an inhaltlichen Differenzen, sondern auch daran, dass Parteien im EU-Parlament für den Fraktionsstatus mindestens 19 Abgeordnete aus zumindest fünf Ländern vereinen mussten. Gemeinsam mit Bulgarien und Rumänien hätten die Rechten genügend Mandate für eine eigene Fraktion. Zusätzlich haben auch noch zwei ehemalige Mitglieder der UK Independence Party Interesse an der Eurorechten signalisiert. "Das Potenzial liegt bei bis zu vierzig Abgeordneten", meint der österreichische EU-Abgeordnete Andreas Mölzer, einst Chefideologe Jörg Haiders. Insgesamt sitzen 732 Abgeordnete im EU-Parlament.

Doch gerade an den Neuankömmlingen könnte eine europäische Rechtsfraktion scheitern. Die Neoabgeordneten aus den beiden Erweiterungsländern sind selbst den überzeugtesten westeuropäischen Rechten zu heftig. Aus Rumänien kommen sechs Mitglieder der Großrumänien-Partei, dessen Vorsitzender Corneliu Vadim Tudor Hofdichter des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu war. Er bezeichnet ihn noch heute als "großen Patrioten". Tudor ist für die Wiedereinführung der Todesstrafe und fordert Lager für die ungarische Minderheit, Homosexuelle und Roma. Sein Parteikollege, der künftige EU-Parlamentarier Dumitru Dragomir, wollte nicht nur „Juden zu Seife“ verarbeiten. Dragomir ist auch Herausgeber des Magazins Atac a la persona mit der regelmäßigen Rubrik "Zvastika" ("Hakenkreuz"). Einer seiner Journalisten schrieb zum Thema Juden: "Schade, dass heute ein so großer Mangel an Stacheldraht und Zyklon B herrscht."

Die Bulgaren senden einen Vertreter der Ataka (Attacke) nach Brüssel. Der Vorsitzende Volen Siderow sieht Bulgarien "bedroht von außen durch die Ausländerflut", will den Tatbestand des "nationalen Verrats" im Gesetzbuch, verspricht ein "Regierungsprogramm zur Eingrenzung und Liquidation der Zigeunerkriminalität" und kritisiert die "unter jüdischem Einfluss stehende" USA. Dimitar Stojanow, der künftige Ataka-EU-Abgeordnete, provozierte im Oktober als Beobachter im EU-Parlament bereits einen heftigen Skandal. Als eine Romaabgeordnete aus Ungarn zur Parlamentarierin des Jahres gewählt werden sollte, protestierte Stojanow in einer E-Mail an alle EU-Abgeordneten, in Bulgarien gäbe es "viel hübschere Zigeunerinnen", die sind schlanker, und man könne sie kaufen: "Die Schönsten sind die teuersten, 5000 Euro das Stück."

So viel offener Antisemitismus, Rassismus und Sexismus scheint den angestammten Eurorechten zu viel. "Der Vlaams Belang möchte nicht mit Parteien assoziiert werden, die unanständig sind", sagt Vlaams-Belang-Chef Frank Vanhecke, der seinen früheren Namen "Vlaams Blok" änderte, um einem Verbot der Partei zuvorzukommen, nachdem der belgische oberste Gerichtshof festgestellt hatte, dass das Programm des Vlaams Blok als "rassistisch und diskriminierend" einzustufen sei. "Und wenn das stimmt, was in den Medien über Ataka geschrieben wird, dann haben wir ein Problem." Auch der Österreicher Andreas Mölzer gibt sich noch zögerlich: "Wenn manche Dinge, die kolportiert werden, wahr sind, dann wären diese Parteien untragbar." Der FPÖ-Politiker will sich aber selbst ein Bild machen, auch wenn er zugibt, dass das schwierig ist. "Die Texte dieser Parteien sind ja teilweise in Kyrillisch."

Leser-Kommentare
    • plamen
    • 15.12.2006 um 14:29 Uhr

    Ist das so schwer zu verstehen, Ossli?

  1. bevor die hysterische linke jetzt wieder ihre moralpropaganda vom stapel lässt, sollte sie sich doch mal ohne ideologische scheuklappen überlegen, warum die europäer wohl keine fundamentalistischen moslems oder langfingrige zigeuner wollen.

    toleranz ja - blindheit nein.

  2. Schade, dass heute Menschen noch immer so reden. Dies spricht nicht gerade für einen aufgeklärten Umgang mit Geschichte. Da haben wohl einige noch nicht verstanden, dass wir mitlerweile im 21 Jahrhundert angekommen sind und Stammtischparolen für ein zukünftiges Europa nicht von Vorteil und -ausdrücklich- nicht erwünscht sind.

    • plamen
    • 13.12.2006 um 22:29 Uhr

    Was hat eine Religions- mit einer Volksgemenschaft zu tun? Die Bezeichnung 'angfingrige zigeuner' ist klarer Fall für Volksverhetzung. Das einzig langfingrige ist dein Hohlkopf.

    Es wäre eine Schande, wenn die ZEIT diesen Kommentar stehen läßt.

    • Colon
    • 14.12.2006 um 3:01 Uhr

    Knapper und gut geschriebener Artikel, Frau Horaczek!
    Halten Sie uns weiter auf dem aktuellsten Stand.
    Danke.

  3. Was soll das heissen eine 'parasitäre Gesellschaftsform'. Zu erst einmal ist der Begriff 'Zigeuner' aus dem deutschen Sprachgebrauch schon seit etlichen Jahrzehnten verbannt worden, weil er mit Volksverhetzung und Gaskammern in Verbindung gebracht wird. Die Europäische Gemeinschaft hat sich schon vor Jahren darauf geeinigt, dass es sich hier um eine aus Indien stammende Minderheit in Europa handelt die Roma heisst.
    So und eine parasitäre Gesellschaftsform wie sie es nennen konnte sich nur entwickeln, wenn man davon überhaupt sprechen kann, wenn man als Volksgruppe seit über 600 Jahren verfolgt, diskriminiert, ermordet, sterilisiert, verjagt, körperlich und seelisch verletzt wird und in ständiger Armut lebt. Nachdem in Deutschland zum Höherpunkt der Zigeunerverfolgung über 500.000 in den Gaskammern Hitlers umkamen, sollte man meinen das intelligente Menschen heutzutage in Deutschland etwas dazugelernt haben aus der Geschichte. Doch leider liest man sogar im ZEIT Forum ewiggestrige stumpf verallgemeinernde Komentare wie Ihren. Traurig ist das sonst gar nichts. Schauen Sie doch mal auf der Website der Europäischen Gemeinschat und den Stichworten Sinthi und Roma nach und informieren sich mal ein bischen darüber wie die Tatsachen wirklich aussehen im Europa des 21. Jhrdts. bevor sie ganze Volksgruppen und Religionsgemeinschaften beleidigen.

  4. meinungsfreiheit bedeutet nicht nur das recht darauf seine eigene meinung frei äussern zu dürfen, sondern auch dass andere ihre meinung frei äussern dürfen.

    es ist genausowenig mein fehler, dass die zigeuner im laufe der jahrhunderte eine parasitäre gesellschaftsform hervorgebracht haben, wie es mein fehler ist, dass wilde fundamentalisten den islam seit ca. 30 jahren gehijackt haben und deren fundamentalistische ansichten in letzter zeit auch immer mehr in 'gemässigten' muslimischen kreisen übernommen werden, bewusst oder unbewusst.

    europa hat gar keine andere wahl als sich früher oder später mit diesen fragen auseinanderzusetzen und je länger gewisse kreise jegliche ehrliche auseinandersetzung mit diesen problemen aus rein ideologischen gründen vermeiden, desto unmenschlicher wird letztlich die antwort ausfallen.

    • plamen
    • 14.12.2006 um 7:55 Uhr

    Die einzigen Parasiten schören in deinem Kopf herum.

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