Telekommunikation Für eine Hand voll Taka
Der frischgebackene Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus legt sich mit einem norwegischen Mobilfunkkonzern an - wegen eines außerordentlich erfolgreichen Gemeinschaftsprojekts in Bangladesch.
Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus streitet mit Norwegens Telefonkonzern
Für ein paar Sekunden war das Lächeln verschwunden. Nein, sagte Muhammad Yunus auf einer Pressekonferenz, wenige Stunden vor der Verleihung des Friedensnobelpreises am Wochenende in Oslo. Nein, über das Thema Telenor wolle er jetzt eigentlich nicht sprechen. Und auch Geir Lundestad, der Direktor des Osloer Nobel-Institutes, sekundierte seinem Laureaten eilends: Man habe etwas zu feiern, da wolle man sich doch nicht etwa den Kopf über unerfreuliche Dinge zerbrechen.
Unerfreuliche Dinge? Kopfzerbrechen? Das sind ungewohnte Worte in der sonst so harmonischen Welt des Friedensnobelpreises. Vor allem, wo es doch bei der fraglichen Angelegenheit eigentlich um eine Erfolgsgeschichte ersten Ranges geht: In den vergangenen zehn Jahren haben die von Yunus gegründete Grameen Bank und der norwegische Ex-Telefonmonopolist Telenor mit einem Gemeinschaftsunternehmen mehr als zehn Millionen Menschen in Bangladesch zu einem Mobiltelefon verholfen. Zum Teil wurde das finanziert mit den Kleinst-Krediten, für deren Erfindung und Markteinführung Yunus und die Grameen Bank mit dem diesjährigen Nobelpreis geehrt wurden.
Ein doppelter Grund zu feiern also, zumal wohl die meisten der neuen Telefonbesitzer in Bangladesch wenige Jahre zuvor noch nicht einmal von einem Handy zu träumen gewagt hätten. Grameenphone, so der Name der agilen Telefonfirma, sorgt dafür, dass selbst die abgelegensten Dörfer eine Verbindung zur Welt bekommen. Weil keine teuren Kabel gelegt werden mussten, wurden binnen kürzester Zeit unzählige Menschen ans Telefonnetz gebracht – und das in einem der ärmsten Länder der Erde.
Eine besondere Rolle in diesem Telekommunikations-Märchen spielen dabei die so genannten Telefonladys. Das sind Frauen, die sich mit einem Klein-Kredit von 12.000 Taka (das sind etwa 130 Euro) ein Handy zulegen und dann als Ein-Frau-Unternehmen Gesprächsminuten an die Mitglieder ihrer Dorfgemeinschaften verkaufen. Rund 260.000 Telefonladys gibt es mittlerweile. Mehr als 55.000 Dörfer des strukturschwachen Landes werden durch sie versorgt.
So weit, so gut also. Und doch gibt es handfesten Streit zwischen den Partnern aus Asien und Skandinavien. Im Kern geht es um ein angebliches Versprechen des Telenor-Managements. Yunus behauptet nämlich, dass die Norweger vor zehn Jahren zugesichert hätten, ihre Mehrheitsbeteiligung an Grameen-Phone nach einer Übergangsfrist an die Partner aus Bangladesch abzutreten. Von dem anfänglichen 51-Prozent-Anteil, so habe Telenor damals in Aussicht gestellt, werde höchstens eine 35-prozentige Beteiligung übrig bleiben.
Ein Bericht der norwegischen Zeitung
Dagbladet
stützt diese Linie. Das Blatt hat im Archiv des Osloer Entwicklungshilfeministeriums den fraglichen Vertrag ausgegraben. Das Papier vom 28. Juni 1996 sieht demnach in Paragraf 13, Unterpunkt 6 tatsächlich vor, dass Telenor seinen Anteil spätestens sechs Jahre nach dem Start des Unternehmens auf weniger als 35 Prozent zurückfährt. Der Grameen Bank wird dabei ein Vorkaufsrecht für die frei werdenden Anteile eingeräumt.
- Datum 11.12.2006 - 13:54 Uhr
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