Grüne Süßes zum Dessert
Matthias Berninger, Grünen-Politiker und ehemaliger Staatssekretär für Verbraucherschutz, wechselt die Seiten: Er geht zum Schokoriegelfabrikanten Mars. Ein Kommentar
Die gute Nachricht lautet: es gibt Politiker, die loslassen können. Die auch nach zwölf Jahren im Bundestag nicht an ihrem Parlamentssessel kleben. Die, statt dem Steuerzahler auf der Tasche zu liegen, nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik eine Karriere in der Wirtschaft anstreben. Die schlechte Nachricht: Matthias Berningers Weihnachtsüberraschung hat einen schalen Beigeschmack.
Sauer wirkte er nach dem Grünen-Parteitag in Köln vor eineinhalb Wochen. Der 35-Jährige, wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Partei im Bundestag und Vorsitzender der hessischen Grünen, hatte nicht bekommen, was er wollte. Die Grünen zeigten sich von ihrer grünsten Seite, straften die Führung ab und wollten von allzu heftigem schwarz-grünen Liebeswerben in Richtung CDU, das Berninger betreibt, nichts wissen.
Jetzt straft Berninger zurück. Das Gründungsmitglied der schwarz-grünen Pizza-Connection aus der Endzeit der rheinischen Republik, in der auch so illustre Beinahe-Lobbyisten wie Norbert Röttgen zu finden waren, lässt die Grünen sitzen. Und eine politische Karriere hinter sich, die ihresgleichen sucht: mit 23 in den Bundestag, mit 35 wieder heraus. Unter Renate Künast war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium. Zuständig für Kampagnen wie KinderLeicht .
Statt weiter für eine Öffnung der Grünen in Richtung Wirtschaft zu kämpfen, wechselt er nun selber in die Industrie - ausgerechnet in die Europazentrale des US-Nahrungsmittelherstellers Mars. Zwischen Chappi-Hundefutter und Milky Way-Kalorienbomben wird er seinen Kampf gegen "die globale Übergewichts-Epidemie" (Berninger) antreten. "Director Corporate Health and Nutrition" nennt sich sein neuer Job, fernab der Niederungen grüner Basisdemokraten. Süßigkeiten und Hundefutter statt antiautoritärem Kindergarten. Die ungezogenen Kinder, die Grüne Jugend, haben sich bei ihm schon artig bedankt. Per Pressemitteilung ließ ihr Bundesverband verlauten: "Wir begrüßen seine Entscheidung und denken, dass er bei Mars einen besseren Platz für seine wirtschaftspolitischen Äußerungen findet."
In Brüssel trifft Berninger auch auf alte Bekannte. Ob er mit Angelika Beer und Cem Özdemir Essen gehen wird? "Ich habe zu gerne Politik gemacht, um von einem Abschied für immer zu sprechen" schreibt Berninger in einer Abschiedserklärung. "Vielleicht komme ich in ein paar Jahren wieder mit neuen Perspektiven und Erfahrungen." Sein neuer Arbeitgeber kennt den richtigen Werbeslogan für ein Comeback schon: "Mars bringt verbrauchte Energie zurück."
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- Datum 13.12.2006 - 05:05 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Mich würde doch interessieren, welche fachliche Qualifikation Herr Berninger für die Stelle des
'Director Corporate Health and Nutrition'
mitbringt.
daß ein grüner nicht rot wird vor scham, wenn er sich als ganz gewöhnlicher karrierist erweist ist nix neues. etwas anderes zu vermuten wäre blauäugig.
Auch Grüne sind nur Menschen.
Besser Richtung Mars als hinterm Mond! Warum soll ein Politiker nicht nach 12 Jahren 'Dicke-Bretter-Bohren' das süße Innenleben eines Unternehmens kennenlernen? Vielen, zumal jüngeren, Politikern stände es gut an, sich mal ein wenig den Wind der Praxis in kleineren oder größeren Unternehmen um die Nase wehen zu lassen. Marsfeld statt Mißfelder!
Berninger hatte wohl von der grün-rothen Vortänzerin die Schnauze voll. Das kann ihm mit diversen Schoko-Riegeln auch passieren - aber die schmecken wenigstens! Und sollte er eines Tages unter Verstopfung leiden, kann er ja wieder die heisse Luft eines Politik-Profis absondern.
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