Kulturpolitik Künstler proben den AufstandSeite 2/2
Als am Abend Carl St. Clair mit der Staatskapelle Weimar Berlioz' Symphonie Fantastique interpretiert und zum Abschluss Alun Francis mit der Thüringen Philharmonie und riesigem Chor Beethovens Neunte spielt, sitzen mehr als 1400 Menschen im Parkett und auf den Rängen. Insgesamt sollen es am Dienstag 8000 Zuhörer gewesen sein.
Mit so viel Zuspruch hatten weder Christian Ludwig noch Claus Strulick gerechnet. "Ich finde es gut, wie das Publikum mitgeht, wie konzentriert die Leute sind", sagt der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Orchestervereinigung und nippt an einem Wasser. Die kulturelle Arbeit müsse gestärkt werden. "Das geht nicht nur Thüringen an, sondern ganz Deutschland", sagt er. Befremdlich ist für ihn, dass ausgerechnet die Thüringer CDU-Regierung einen harten Kurs gegen die Kultur fahren will, obwohl führende Unionspolitiker wie Bundeskanzlerin Merkel, Innenminister Schäuble, Bundestagspräsident Lammert und selbst Bundespräsident Horst Köhler vor einem kulturellen Abbau warnen. "Die Politiker hier in Thüringen handeln leider kurzsichtig", findet Strulick.
Viele Musiker haben während des Kultur-Marathons in anderen Orchestern ausgeholfen. "Es gibt keine Konkurrenz zwischen den Orchestern", sagt Chefdirigent Alun Francis, "die schafft nur das Ministerium." Dass man sich als Einheit in der Vielfalt begreift, ist so deutlich aber erst durch Peter Mittmann und seine Initiative "Erhalt Thüringer Kultur" zu spüren. Der Architekt im Ruhestand kämpft seit September unermüdlich dafür. Immer wieder rechnet er vor, wie wenig Geld der kleine Freistaat sparen würde und welch großer Schaden am Ende entstünde.
An diesem Dienstag ist jeder mit diesen Fragen beschäftigt. Viele tragen sich in Unterschriftenlisten ein und heften sich den Button mit "Streichkonzert - nein, danke!" ans Revers. Doch in erster Linie zählt die Musik. "Es war grandios, dass ich so viele Orchester kennen lernen konnte", sagt Manfred Schicht am Ende und streift sich die Lederjacke über. Zwar hat er nach 13 Stunden Musikhören seine Favoriten ausgemacht, aber "es wäre ein Fehler, wenn ich hier etwas herausheben würde", sagt er. Froh und glücklich ist er: Vielleicht konnten einige neue Zuhörer an diesem Tag für die Musik gewonnen werden, vielleicht wird auch er jetzt noch öfter ins Konzert gehen. Wenn ihm denn noch die Gelegenheit dazu gegeben wird.
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- Datum 13.12.2006 - 04:25 Uhr
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das programm klingt nach abonnementskonzerten - hätte überall stattfinden können -
man muss zeigen, womit man besser ist oder womit man was besonderes bringt - gefördert wird das, was hin zum einzigartigen geht - zumindest im ansatz - man muss es gremien schwer machen, mit überall gängigem tut man das nicht, im gegenteil
nochmlas nachdenken
... das war zu allen Zeiten schon so. Bach verliess Eisenach -- das sich so stolz auf ihn gibt -- sobald er laufen konnte, und kam nie wieder. Damals wie heute geht es um das liebe Geld. Erst die reichen Medici-Banker brachten Kultur nach Florenz, erst der Goldrausch brachte die Oper bis San Francisco. Reichen drei Berliner Opern aus bei so vielen Arbeitslosen oder sind es zu viel? Die Frage ist immer wieder, wie viel Kultur man sich zum gegebenen Moment gerade leisten kann. Zulagen sind stets willkommen, doch wenn's ans Sparen geht, wird halt protestiert.
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