Fall Litwinenko Krimi ohne AuflösungSeite 2/2
Zugeknöpft gibt sich auch die Regierung Blair. Einzig Peter Hain, Minister für Nordirland und Wales, fand rasch kritische Worte für Moskau, offenbar ohne vorherige Absprache mit 10 Downing Street. Die Zurückhaltung lässt sich nur zu einem Teil mit Rücksicht auf die britischen Beamten rechtfertigen, die in Moskau auf das Entgegenkommen der Behörden angewiesen sind. Würden sie ihre Karten offen legen, könnte sich die Zusammenarbeit noch schwieriger gestalten, als sie ohnehin schon ist.
Der Verdacht drängt sich auf, in Wahrheit sei es, wie der Economist leicht süffisant unterstellt, die größte Sorge britischer Diplomaten, Scotland Yards Fahnder könnten bei den Ermittlungen Erfolg haben und damit eine dauerhafte Vereisung der russisch–britischen Beziehungen einleiten. Allerdings steht es bereits alles andere als gut um das russisch–britische Verhältnis, obwohl sich Tony Blair frühzeitig um einen engen Draht zu Putin bemühte, bevor der noch Präsident von Russland wurde.
Das russische Radioprogramm der BBC erlebt seit einigen Wochen eigentümliche Störungen bei der Übertragung seiner Sendungen; der britische Botschafter wird neuerdings, wo immer er auftritt, von einer lärmenden Horde junger Leute verfolgt, ohne dass der Kreml einen Finger rührt; das British Council sah sich ganz unvermittelt einer drakonischen Steuerüberprüfung durch russische Inspektoren ausgesetzt und britische Diplomaten wurden im russischen Fernsehen der Spionage beschuldigt. Nun ist Letzteres beinah schon zum festen Ritual der Beziehungen zwischen London und Moskau geworden und würde für sich genommen allenfalls für ein paar hochgezogene Augenbrauen sorgen. Doch die Häufung solcher Zwischenfälle deutet darauf hin, dass der Grad der Verstimmung zunimmt.
Dem Putin-Regime ist ein Dorn im Auge, dass Großbritannien zum Zufluchtsort zahlloser Regimegegner, in Ungnade gefallener Oligarchen und tschetschenischer Separatisten wurde, denen man Asyl gewährte und deren Auslieferung London ablehnt. Zur Ehrenrettung der britischen Regierung sei angemerkt, dass sie Asylrecht ohne Ansehen der Person oder der Umstände in der jeweiligen Heimat gewährt, womit sie sich allerdings ein paar Gäste, unter ihnen ein Abu Hamza, einhandelte, auf die man lieber verzichtet hätte.
Eines ist klar geworden: Der Machtkampf in Moskau schlägt direkt auf die Außenbeziehungen des Landes durch. Die Beziehungen zwischen London und Moskau drohen noch stärker zu vereisen. Ein Happy End ist nicht in Sicht. Einiges spricht dafür, dass man in „Londongrad“ nicht so schnell zur Ruhe kommen wird. Der qualvolle Tod Alexander Litwinenkos war als Warnung gedacht für die „Feinde Russlands“. Zugleich demonstrierte das neue Russland, dass es sich wenig um die Meinung der Welt schert, wenn es um die Verfolgung eigener Interessen und um die Begleichung alter Rechnungen geht.
Zum Thema
Chronologie: Der Fall Litwinenko
-
Ein Giftmord wie aus einem Agentenkrimi: Die Hintergründe des mysteriösen Falls liegen immer noch im Dunkeln. Was bisher geschah »
Rätselhafte Morde, Repressalien gegen Kritiker: Wohin steuert Putins Reich?
-
Ein Schwerpunkt mit Analysen und Hintergrundberichten »
- Datum 12.12.2006 - 11:23 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT online
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





kein Kommentar erforderlich. Aus der Ziffer '16' messerscharf auf die Zahl der Jahre mit Fragezeichen schließen zu wollen, wäre ebenso, als würde bei 'ww'illig zu überlegen sein, ob das Pseudonym etwas mit einem Stotterer zu tun hat. - Ende!
Offensichtlich hat der Autor den Fall bereits gelöst...Er sollte sich vielleicht doch lieber in der Kriminalistik, denn im Journalismus versuchen. Habe selten solch einen inhaltsleeren und tendenziösen Artikel gelesen. Es scheint hier lediglich um das Wiedekäuen selektiv genehmer Theorien zu gehen, nicht anders als bei 'The Sun'. Dann aber stellt man sich die Frage: wozu noch 'Die Zeit'?
hmmm, ich frage mich manchmal warum schaerfere kritik so oft als 'inhaltslos' gebrandmarkt wird... der autor hat weder den fall geloest, noch so etwas angekuendigt... aber warum eine kritik an der loesung des falls als inhaltslos bezeichnet wird, kann ich mir nicht erklaeren...
Ich steht nicht auf der Gehaltsliste der'Zeit', weshalb sollte ich es versuchen besser zu machen? Ich habe auch keine Ambitionen, als Journalist angesehen zu werden. Als solcher würde ich mich allerdings davor hüten, gedankenlos z.T. Unsinn aus anderen Quellen nachzuplappern. Man sollte keine Stümper, sondern wirkliche Kenner des Landes solche Artikel schreiben lassen, sonst kann man gleich den Papagei befragen.
'wird's schon richten'. Lösen wird 'den Fall' niemand. Doch Gedanken darf man sich schon machen. Das ist auch einem Journalisten als Autor nicht untersagt. Kritisieren ist so einfach, besser machen dagegen schwieriger.
Die Vermutung war schon richtig - allerdings stottere ich nicht beim Schreiben, wie manch einer von der schreibenden Gilde, sondern nur beim Sprechen (so hat man mehr Zeit, sich über das Zusagende einige Gedanken zu machen. Kann ich nur empfehlen, wäre u.U. auch für Andere nützlich).
Was die Inhaltslosigkeit angeht, so bezieht sie sich nicht auf die vermeintliche Fallösung, sondern auf den Artikel. Der dort gegebene Aufschluss ist keinesfall fundiert, nicht einmal originell, und schon gar nicht neu. Wenn man schon keine Ahnung vom Land hat, so sollte man mit derartigen Vermutungen zurückhalten. Als guter Boxer sollte man, wenn man schon 'scharf' austeilt, auch 'scharf' einstecken können. Aber gute Boxer scheint es kaum noch zu geben.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren