Wer hat meine Hemden geschrumpft? Eine Frage der Ehre

ZEIT-Autor Mark Spörrle schreibt die irrwitzigen Geschichten auf, die ihm im wahren Leben passieren. In der ersten Folge ist er sich ganz sicher, den Weg genau zu kennen

Es war kein Problem für mich, dass Torstens neue Wohnung in einem Stadtteil lag, in dem wir sonst nie zu tun hatten. Es war auch kein Problem für mich, dass er dort sein Einweihungsfest feierte.

Für meine Liebste war es das.

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«Sollen wir ihn anrufen und fragen, wie wir zu ihm kommen?», erkundigte sie sich, als ich vor unserer Abfahrt einen Blick auf den Stadtplan warf.

«Nicht nötig», sagte ich. «Ich kenne die Adresse, Tüllesamstraße 12. Und ich habe gerade auf der Karte nachgesehen.»

«Aber wir waren noch nie dort», beharrte sie.

Ich klappte den Stadtplan zu und lächelte milde. «Keine Sorge«, sagte ich. «Ich fahre.»

«Dann», sagte meine Liebste, «nimm die Karte lieber mit.»

Ich lächelte noch milder. In jeder Beziehung gibt es Dialoge, die sich ständig wiederholen.

«Nicht nötig», sagte ich. «Ich habe mir die Strecke wie immer genau eingeprägt.»

Ich fuhr vom Ring auf die Schnellstraße, nahm die dritte Querstraße links, folgte ihr bis zum Ende und bog beim Kreisverkehr scharf rechts ab. Die vierte Straße nach dem kleinen Platz musste die Tüllesamstraße sein.

Sie war es erstaunlicherweise nicht.

«Oh nein», sagte meine Liebste, ihr Geduldsfaden beim Autofahren war hauchdünn, vor allem, wenn sie nicht selber fuhr.

«Kein Problem», sagte ich, «es wird die nächste sein.»

Auch die nächste Straße hieß nicht Tüllesamstraße.

Ganz zu schweigen von der übernächsten und der Straße danach.

Manchmal bin selbst ich nicht perfekt.

«Ich glaube, ich habe mich verzählt», sagte ich leichthin.

In Höhe des Maiglöckchenwegs wendete ich, fuhr bis zum Platz zurück, wendete wieder und zählte erneut die vierte Straße ab.

Leser-Kommentare
  1. 1. Gähn!

    Ja, so ist er eben, der Mann! Wussten Sie auch schon, dass Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können? Darüber könnte man doch auch noch einmal eine ganz, ganz witzige Kolumne schreiben!

  2. 2.

    das ist ja echt eine suuuuuuper witzige kolumne. manchmal greift leider auch die zeit bei der artikelauswahl (oder journalistenwahl?) daneben...

  3. 3.

    Schade, dass sich dieser Artikel darauf beschränkt, relativ konventionell allseits bekannte Geschlechterklischees aufzuwärmen.

    • Lovvis
    • 12.12.2006 um 12:09 Uhr
    4.

    Hee, die Folge von 'Hör mal wer da hämmert' hab ich auch gesehen!

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