Wir lachen zu wenig. Das mag sich auch der deutsche Künstler und Bildhauer Carsten Höller denken, jedenfalls möchte er Rutschen in den urbanen Alltag einpassen. Richtig gelesen, es geht um jene "Hui!"-Maschinen, die man vom Spielplatz kennt. Deswegen entwirft er ebenso ausgeklügelte wie elegante Installationen. Seine jüngste, Test Site , entwickelt sich gerade in der renommierten Londoner Tate Modern Gallery zu einem der größten Publikumserfolge zeitgenössischer Kunst. Seit Oktober, als die Ausstellung eröffnet und fürs Publikum freigegeben wurde, jauchzt und kreischt es im ehemaligen, gigantischen Turbinenraum des Kunsttempels. Die Besucher, vor allem die Londoner, einmal in den Genuss dieser im Englischen slide genannten „Verwirrungsmaschinen“ ( Die Welt ) gekommen, die einen kurzzeitig in einen Zustand irgendwo zwischen Freude, Albernheit und Verrücktheit versetzen, wollen sie nicht mehr missen. Wer saust denn da? Ein Londoner, der sich für zeitgenössische Kunst interessiert.

Jetzt stellt die Presse schon die bange Frage: Was wird werden, wenn die Ausstellung im April 2007 endet? Und da die Briten nicht nur etwas für Vergnügen, sondern auch für skurrile Ideen übrig haben, scheint die Idee, die Rutschen als Alternative zu Aufzug oder Rolltreppe zu benutzen, auf einmal gar nicht mehr abwegig. Dabei haben bislang nur zwei Höllersche Rutscheninstallationen überdauert: Die Valerio II windet sich seit 1998 im Hof der Berliner Kunst-Werke in der Augustraße - Besucher und Institutsmitarbeiter benutzen sie "sehr gerne und oft", ist zu hören. Die andere in Betrieb befindliche slide entwarf Höller im Jahr 2000 für die Mailänder Fondazione Prada. Seitdem rutscht Modeschöpferin Miuccia Prada nach Feierabend von ihrem Büro zum Auto in der Tiefgarage.

Leider verflüchtigen sich greifbare aktuelle und vergangene Rutschen-Beispiele meist schnell. Die Architekturgeschichte weist zwar, über den modernen Kinderspielplatz hinaus, mal hierhin, mal dorthin, zu Rettungsrutschen in amerikanischen Wohnhäusern oder zum Vertreter des Modernismus schlecht hin, Le Corbusier: Benutzte der Architekt nicht schon 1928 Rampe und Spiraltreppe in seiner Villa Savoye? Er vergaß nur, beides zusammen zu denken! Und im fernen China rutscht man vom höchsten Punkt der Großen Mauer mit den Toboggan , einem Schlitten- oder Bobähnlichen Untersatz, rasant hinab zur ebenen Erde. Doch die Welt ist arm an Rutschen.

Immerhin: Bald könnten in London ein paar Exemplare hinzukommen. In Höllers Auftrag hat sich das Architekturbüro Foreign Office Architects Gedanken über ein Rutschenhaus gemacht, und die Londoner General Public Agency (GPA), die sich auf urbane Gestaltung und Regenerationsprojekte versteht, erstellte eine Machbarkeitsstudie über "Rutschen im öffentlichen Raum". Angesichts einer "risikoscheuen Kultur" und der Tatsache, dass immer mehr urbane Flächen "privatisiert" werden, stelle das Nachdenken über Rutschen als "öffentliches Transportmittel" eine Vielzahl gegenwärtiger und wichtiger Fragen, heißt es da. Denn Fachleute seien sich einig: Was in modernen Städten zu kurz kommt, sind "Spaß und Spiel". Rutschen können sehr wohl Teil unserer mobilen Gesellschaft werden - ein Entwurf für das künftige Londoner Olympiagelände Stratford