Mikrokredite Investieren in Chancen
Wer Mikrokredite finanziert, erzielt keine hohen Renditen. Dafür hilft er Kleinunternehmen in Entwicklungsländern - und damit häufig Frauen und ihren Familien.
Eine Frau in Dhaka, Bangladesh, verarbeitet Blumen für den Verkauf, während ihr Kind neben ihr schläft. Deutsche Anleger können Frauen wie ihr neue Chancen eröffnen.
Früher hat Corazón Endonela in einer Schuhfabrik gearbeitet. Weil der Lohn vorne und hinten nicht reichte, um ihre drei Kinder zu ernähren, gründete die Philippinin ein eigenes Unternehmen: Mitten in einem Armenviertel von Makati City stellt sie Pantoletten her. Der Verkauf bringt ihrer Familie über 7000 Euro im Jahr ein. Das jährliche Pro-Kopf-Nationaleinkommen auf den Philippinen liegt bei gerade mal 1000 Euro.
Angefangen hat ihre kleine Erfolgsgeschichte mit einem Mikrokredit von rund 100 Euro. Auch Anleger aus den Industrieländern können solche Kleinstkredite finanzieren
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und dadurch Menschen wie Corazón Endonela den Start in ein besseres Leben ermöglichen. Hohe Renditen bringt ihnen das zwar nicht ein, doch dafür ist auch ihr Risiko gering.
Das Darlehen zum Aufbau der kleinen Schuhfabrik kam von der Tulay sa Pagunlad Development Corporation (TPDC). Sie ist ein Mikrofinanzinstitut (MFI) und damit eine jener Sozialbanken, die Darlehen an Firmengründer in Entwicklungs- und Schwellenländern vergeben. Spätestens seit der Bankier Mohammed Yunus mit seiner Grameen Bank in Bangladesch den Friedensnobelpreis 2006 gewonnen hat, ist das Thema weltbekannt. Rund 450 Millionen Menschen profitieren von Mikrokrediten – in Bangladesch über Bolivien bis Burkina Faso.
Mikrokredite gelten als wichtiges Mittel gegen die Armut, von der vor allem Frauen betroffen sind – nach Angaben der UN sind 80 Prozent der Armen auf der Welt weiblich. Viele Programme richten sich deshalb speziell an Frauen. Mit ihrer Arbeit wollen die Mikrofinanzinstitute nicht nur die Armut bekämpfen, sondern auch die materielle Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern. Doch häufig fehlt den MFI für ihre Projekte das nötige Geld.
Organisationen wie die Genossenschaft Oikocredit füllen diese Finanzlücke. Bei ihr erwerben Anleger aus Industrieländern Anteile, das eingenommene Geld leitet sie weiter zu den MFI. Ein Genossenschaftsanteil kostet 200 Euro, die Rendite ist auf 2 Prozent begrenzt. „Obwohl es nicht unser Ziel ist, Gewinne zu maximieren“, sagt Guillermo Salcedo, Mikrokredit-Fachmann der Genossenschaft mit Sitz in den Niederlanden, „investieren Tausende von Menschen in Oikocredit.“
Wem ein gutes Gewissen lieber ist als hohe Renditen, der kann auf diese Weise Entwicklungsländer unterstützen – mit Darlehen statt mit Almosen. Rosemarie Michel, Schweizer Unternehmerin und ehemalige Vizepräsidentin des Netzwerks Women’s World Banking, hat schon oft erlebt, wie ein kleiner finanzieller Vertrauensvorschuss ein Leben verändern kann. Zum Beispiel das einer jungen Frau, die in einem Slum in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik lebt. Von ihrem Mikrokredit erwarb sie eine Nähmaschine und nähte damit Bettwäsche, die sie verkaufte. „Als ich das nächste Mal nach Santo Domingo kam“, erzählt Rosemarie Michel, „besaß sie bereits zwei Nähmaschinen und hatte ihre beiden Brüder in das Geschäft eingebunden.“
Solche sozialen Nebenwirkungen sind häufig, wenn eine Frau ein Unternehmen aufbaut: Sie schafft Arbeitsplätze für Familienmitglieder, schickt ihre Kinder zur Schule, kümmert sich eventuell sogar um sauberes Wasser in ihrem Dorf. So profitieren von den Krediten viele Menschen bis hin zur Dorfgemeinschaft.
- Datum 21.12.2006 - 11:18 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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Freut mich! Danke für die Auskunft.
Mir scheint es offensichtlich, dass hier eine gewisse Form von 'Marktversagen' vorliegt. Die Menschen, die über die Kreditvergabe entscheiden sind schlichtweg zu teuer, da sie nicht aus einem Entwicklungsland kommen, oder? Hier wird doch das Lohnniveau der reicheren Ländern zum Problem der Entwicklungsländer, da hierdurch der Zinssatz bei Mikrokrediten stark erhöht wird. Und das, obwohl die Rückzahlerquote anscheinend recht hoch ist. Ich glaube, wenn man da wirklich was reißen will, müssen Leute die Kredite vergeben, die einfach begabt sowie dafür ausgebildet sind UND aus dem Land mit dem niedrigen Lohnniveau kommen. Hat da jemand Erfahrung damit und kann Bedenken an der Argumentation äußern?
Ihre Angst, dass bei der Kreditvergabe zuviele teure 'Credit Officers' aus dem Norden involviert sind, ist weitgehend unberechtigt. Es ist gerade eine der wichtigsten 'Errungenschaften' der Mikrofinanz, dass lokale Strukturen auf- und ausgebaut werden. In der allermeisten Fällen erfolgt eine 'Intervention' aus dem Norden in Form von fachlicher Unterstützung (Technical Assistance), welche v.a. in der Aufbauphase einer lokalen Mikrofinanz-Institution noch stark subventioniert ist (meist mit Geld aus dem Norden). Die Kreditbeurteilung erfolgt aber immer vor Ort, anders wäre das gar nicht machbar und entwicklungspolitischer Unsinn. Im Falle der Investments aus dem Norden (Refinanzierung der Kreditportolios) fallen natürlich Arbeiten an, die im Norden verrichtet werden, wo entsprechende Saläre bezahlt werden. Wie hoch nun diese Kosten sind kann ich Ihnen anhand der konkreten Gesamtkosten des responsAbility Global Microfinance Funds nennen, der zur Zeit rund 100 lokale Mikrofinanzinstitutionen in 40 Ländern mit insgesamt rund 100 Mio. USD refinanziert und zu einem der grössten privaten Refinanzierer gehört. Sie betragen zur Zeit etwas weniger als 3 Prozent mit fallender Tendenz. Je grösser die Fonds werden, umso eher kann man diese Kosten noch reduzieren, zum Vorteil von Investoren und Endkreditnehmern.
Microfinace-Fonds sichern sich mit Zinsen bis zu 20 % !! gegen Kriegs- und Umweltrisiken ab, die Kreditnehmer in den armen Ländern zahlen müssen während der Anleger 2-4 % Rendite für sein gutes Gewissen erwarten kann ??
Das klingt nach Trittbrettfahrern, die die gute Idee schamlos missbrauchen.
Die Deutsche Bank hat nicht zufällig Mircofinance-Fonds im Angebot ?
... dass irgendwann einmal jemand mit tatsächlicher Sachkenntnis zum Thema schreibt.
Zu allererst erreichen nur die allerwenigsten Mikrofinanzinstitutionen Zinssätze von 20-25%. Unter anderem die der ProCredit-Gruppe, in die Oikokredit investiert hat. Die meisten 'sozialen' Gruppenkreditveranstaltungen nach Vorbild von Grameen liegen eher bei 60% und können damit nicht mal ihre Kosten decken. Dazu führt dann die putzige Gruppentechnologie bei der die Kreditnehmer untereinander haften dazu, dass Menschen in andere Länder flüchten oder sich direkt umbringen, wenn sie ihr Geld nicht zahlen können (meist weil sie von Mitkreditnehmern zu unrentablen Investitionen gedrängt wurden).
Die Vergabe von Krediten von 100$ und weniger ist relativ teuer. 20% bedeuten $20 für den Lohn qualifizierter Analysten, Hausbesuch, IT, Overheads, Besuche um die Rückzahlungen zu finanzieren. Dies alles ist nötig um Kredite an Menschen zu vergeben die sie brauchen UND die sie zurückzahlen können. Niemandem ist geholfen wenn sie das nicht können. Dabei ist die Ausfallquote glücklicherweise meist relativ gering.
Auch wenn die Rendite von Investitionen in MFIs meist recht vernünftig ist (wenn man die tatsächlichen Opportunitätskosten des Kapitals in Entwicklungsändern mal nicht berücksichtigt) werden die meisten Gewinne im selben Unternehmen reinvestiert. Gewinnentnahmen sind eher selten.
Rücklagen gegen Katastrophenfälle hingegen spielen eine untergeordnet Rolle. Kriegs- und Umweltrisiken getrennt zu erwähnen ist übertrieben und zeugt eher von einer negativ romantischen Sicht auf Entwicklungsländer.
Ein anderer beliebter Mythos ist, das Frauen per se bessere Mikrofinanzkunden sind. In den meisten erfolgreichen Institutionen ist das Verhältnis ausgeglichen. Die Idee dass Frauen in Entwicklungsländern besser mit Geld umgehen können (oder anders gesagt dass Männer mit dunkler Hautfarbe per Definition nicht mit Geld umgehen können und es direkt in Schnaps umsetzen oder zu den Huren tragen) ist leider Teil der üblichen protofaschistischen Mythen, die bei den Sozen in der Entwicklungszusammenarbeit sehr beliebt sind.
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