Mikrokredite Investieren in ChancenSeite 2/2

Viele MFI bieten in den Entwicklungsländern auch Schulungen über Hygienestandards, Sexualaufklärung und kaufmännische Grundkenntnisse an, oft in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen. Das erworbene Wissen stärkt die Position der Frauen: So meldet das Women’s Empowerment Program in Nepal, dass 68 Prozent der dortigen Kreditnehmerinnen plötzlich über die Familienplanung oder die Ausbildung ihrer Töchter mitentscheiden – Bereiche also, die vorher den Männern vorbehalten waren.

An der traditionellen Rollenverteilung in der Familie ändern Mikrokredite also vieles – an der Zuständigkeit der Frauen für spezifische Arbeitsbereiche können sie aber offensichtlich nicht rütteln. Die Projektberichte der MFI zeigen, dass Frauen nach Erhalt ihres kleinen Kredites als Unternehmerinnen meist typische Frauenarbeiten anbieten, zum Beispiel Nähen oder Weben. „Es besteht die Gefahr, dass Frauen immer nur kleine Darlehen erhalten“, schreibt die britische Politikwissenschaftlerin Linda Mayoux in einem aktuellen Diskussionspapier. Sie ist eine der Kritiker, die befürchten, dass auf diese Weise lukrativere Geschäfte weiterhin den Männern vorbehalten bleiben. Mayoux fordert unter anderem mehr Bildungsangebote, damit die Empfängerinnen lernen, sich in einer Männerwelt besser zu behaupten. Nur so könnten auch Fälle wie der von Shiuli aus Bangladesch vermieden werden: Die 22-Jährige investierte ihren Kredit in das Geschäft ihres Mannes. Der verspielte das Geld, Shiuli blieb auf den Schulden sitzen.

Immerhin, solche Fälle sind selten: Die Kredit-Ausfallsquoten in Microfinance seien derzeit niedrig, sagt Oliver Oehri, Leiter des Forschungsprojekts über Mikrofinance-Anlagen an der Hochschule Liechtenstein: „Das Risiko ist bei Microfinance-Fonds im Vergleich zu traditionellen Anlagen gering.“ Fast alle Kreditnehmer in den Entwicklungsländern zahlten pünktlich zurück und das trotz der hohen Zinssätze von bis zu 20 Prozent, mit denen sich die MFI gegen Kriegs- und Umweltrisiken absichern. Für eine exakte Risikoabschätzung sind die meisten Mikrofinanz-Fonds allerdings noch zu jung. Auch deshalb ist es kaum möglich abzuschätzen, welche Produkte für den deutschen Anleger am besten geeignet sind.

Das gilt auch für den in Luxemburg aufgelegten ResponsAbility Global Microfinance Fund, einen profitorientierten Fonds für Entwicklungsländer. Für 1000 US-Dollar können Kleinanleger hier die ersten zehn Anteile kaufen, die erwartete Rendite liegt zwischen 2 und 4 Prozent. Auch hier hält Experte Oehri es wegen der guten Rückzahlungsmoral der Kreditnehmerinnen für eher unwahrscheinlich, dass Anleger in die Röhre gucken.

Wer jenseits solcher Kreditprogramme in die Förderung von Frauen investieren möchte, dem bieten sich nur wenige Möglichkeiten. Beim gezielten Kauf von Unternehmensanteilen helfen die Ratings von Nachhaltigkeitsagenturen, beispielsweise von Oekom: Gute Noten vergeben sie nur dann, wenn ein Unternehmen etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördert oder in der Chefetage viele Frauen sitzen.

Eine weitere Möglichkeit zur Finanzierung von Frauenprojekten ist ein Sparbuch bei der GLS-Bank (Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken). Die Bank finanziert mit den Spareinlagen Kredite, unter anderem für ein Therapiezentrum in Kroatien, in dem  kriegstraumatisierte Frauen behandelt werden. „Wir registrieren eine steigende Nachfrage nach solchen Anlagen“, sagt Thomas Goldfuß, Bereichsleiter der Bank.

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 05.01.2007 um 4:11 Uhr

    Freut mich! Danke für die Auskunft.

    • Anonym
    • 28.12.2006 um 15:39 Uhr

    Mir scheint es offensichtlich, dass hier eine gewisse Form von 'Marktversagen' vorliegt. Die Menschen, die über die Kreditvergabe entscheiden sind schlichtweg zu teuer, da sie nicht aus einem Entwicklungsland kommen, oder? Hier wird doch das Lohnniveau der reicheren Ländern zum Problem der Entwicklungsländer, da hierdurch der Zinssatz bei Mikrokrediten stark erhöht wird. Und das, obwohl die Rückzahlerquote anscheinend recht hoch ist. Ich glaube, wenn man da wirklich was reißen will, müssen Leute die Kredite vergeben, die einfach begabt sowie dafür ausgebildet sind UND aus dem Land mit dem niedrigen Lohnniveau kommen. Hat da jemand Erfahrung damit und kann Bedenken an der Argumentation äußern?

  1. Ihre Angst, dass bei der Kreditvergabe zuviele teure 'Credit Officers' aus dem Norden involviert sind, ist weitgehend unberechtigt. Es ist gerade eine der wichtigsten 'Errungenschaften' der Mikrofinanz, dass lokale Strukturen auf- und ausgebaut werden. In der allermeisten Fällen erfolgt eine 'Intervention' aus dem Norden in Form von fachlicher Unterstützung (Technical Assistance), welche v.a. in der Aufbauphase einer lokalen Mikrofinanz-Institution noch stark subventioniert ist (meist mit Geld aus dem Norden). Die Kreditbeurteilung erfolgt aber immer vor Ort, anders wäre das gar nicht machbar und entwicklungspolitischer Unsinn. Im Falle der Investments aus dem Norden (Refinanzierung der Kreditportolios) fallen natürlich Arbeiten an, die im Norden verrichtet werden, wo entsprechende Saläre bezahlt werden. Wie hoch nun diese Kosten sind kann ich Ihnen anhand der konkreten Gesamtkosten des responsAbility Global Microfinance Funds nennen, der zur Zeit rund 100 lokale Mikrofinanzinstitutionen in 40 Ländern mit insgesamt rund 100 Mio. USD refinanziert und zu einem der grössten privaten Refinanzierer gehört. Sie betragen zur Zeit etwas weniger als 3 Prozent mit fallender Tendenz. Je grösser die Fonds werden, umso eher kann man diese Kosten noch reduzieren, zum Vorteil von Investoren und Endkreditnehmern.

  2. Microfinace-Fonds sichern sich mit Zinsen bis zu 20 % !! gegen Kriegs- und Umweltrisiken ab, die Kreditnehmer in den armen Ländern zahlen müssen während der Anleger 2-4 % Rendite für sein gutes Gewissen erwarten kann ??

    Das klingt nach Trittbrettfahrern, die die gute Idee schamlos missbrauchen.
    Die Deutsche Bank hat nicht zufällig Mircofinance-Fonds im Angebot ?

  3. ... dass irgendwann einmal jemand mit tatsächlicher Sachkenntnis zum Thema schreibt.

    Zu allererst erreichen nur die allerwenigsten Mikrofinanzinstitutionen Zinssätze von 20-25%. Unter anderem die der ProCredit-Gruppe, in die Oikokredit investiert hat. Die meisten 'sozialen' Gruppenkreditveranstaltungen nach Vorbild von Grameen liegen eher bei 60% und können damit nicht mal ihre Kosten decken. Dazu führt dann die putzige Gruppentechnologie bei der die Kreditnehmer untereinander haften dazu, dass Menschen in andere Länder flüchten oder sich direkt umbringen, wenn sie ihr Geld nicht zahlen können (meist weil sie von Mitkreditnehmern zu unrentablen Investitionen gedrängt wurden).

    Die Vergabe von Krediten von 100$ und weniger ist relativ teuer. 20% bedeuten $20 für den Lohn qualifizierter Analysten, Hausbesuch, IT, Overheads, Besuche um die Rückzahlungen zu finanzieren. Dies alles ist nötig um Kredite an Menschen zu vergeben die sie brauchen UND die sie zurückzahlen können. Niemandem ist geholfen wenn sie das nicht können. Dabei ist die Ausfallquote glücklicherweise meist relativ gering.
    Auch wenn die Rendite von Investitionen in MFIs meist recht vernünftig ist (wenn man die tatsächlichen Opportunitätskosten des Kapitals in Entwicklungsändern mal nicht berücksichtigt) werden die meisten Gewinne im selben Unternehmen reinvestiert. Gewinnentnahmen sind eher selten.

    Rücklagen gegen Katastrophenfälle hingegen spielen eine untergeordnet Rolle. Kriegs- und Umweltrisiken getrennt zu erwähnen ist übertrieben und zeugt eher von einer negativ romantischen Sicht auf Entwicklungsländer.

    Ein anderer beliebter Mythos ist, das Frauen per se bessere Mikrofinanzkunden sind. In den meisten erfolgreichen Institutionen ist das Verhältnis ausgeglichen. Die Idee dass Frauen in Entwicklungsländern besser mit Geld umgehen können (oder anders gesagt dass Männer mit dunkler Hautfarbe per Definition nicht mit Geld umgehen können und es direkt in Schnaps umsetzen oder zu den Huren tragen) ist leider Teil der üblichen protofaschistischen Mythen, die bei den Sozen in der Entwicklungszusammenarbeit sehr beliebt sind.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service