Lebenslagen Richtig Gutes tun

Jeder dritte Deutsche spendet mindestens einmal jährlich Geld für wohltätige Zwecke. Wie man herausfinden kann, ob die Gabe auch wirklich nützt, beschreibt

Wer in diesen Tagen durch die Fußgängerzonen der Republik geht, oder besser vielleicht: geschoben wird, dem wird mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann eine Spendenbüchse unter die Nase gehalten. Mal von in Engelskostümchen gewandeten jungen Mädchen, mal von angegrauten Herren, die in ihrem abgewetzten Weihnachtsmannkostüm beim Spender nicht selten Bedenken wecken, ob denn das Geld auch wirklich gut angelegt sei. Gegeben wird am Ende häufig trotzdem. So mancher denkt dabei vielleicht an seine Steuererklärung und verlangt einen Beleg, denn dann kann er den gespendeten Betrag als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Andere hingegen wollen so kurz vor Weihnachten ihr soziales Gewissen beruhigen.

Etwa ein Drittel aller Deutschen über 14 Jahre spendet der Statistik zufolge mindestens einmal pro Jahr. Jeder von ihnen gibt im Schnitt 100 Euro. An Verwendungsmöglichkeiten für ihr Geld mangelt es nicht. Wohltätige Vereine, Organisationen und Institutionen gibt es auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zur Genüge, und seit der Staat aus Geldmangel immer mehr Angebote im sozialen Bereich zurückstutzt, kommen laufend neue hinzu. Angesicht dieser Vielzahl an potenziellen Empfängern stellt sich schnell die Frage, ob das gespendete Geld auch bei den Bedürftigen ankommt und sinnvoll eingesetzt wird.

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Dabei ist es beim Spenden gar nicht so sehr viel anders als bei der Geldanlage: Besser, als spontan dem ersten Impuls in der Fußgängerzone zu folgen, ist es, mit kritischer Neugier und Überlegung an die Sache heranzugehen - vor allem dann, wenn man größere Beträge spenden möchte. Will sagen: Ebenso wenig wie man eine Aktie alleine aufgrund eines angeblich todsicheren Tipp kaufen sollte, empfiehlt es sich, blindlings zu spenden.

Bei der Suche nach seriösen Organisationen, die bundesweit tätig sind, hilft das Internet. Eine Art „Spenden-TÜV“ ist das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Es beobachtet laufend den Spendenmarkt und vergibt an die Organisationen und Vereine, die es prüft und für einwandfrei befindet, ein offizielles Prüfsiegel. Unter die Lupe nehmen die Spendenprüfer dabei unter anderem, ob die Werbung der Organisation wahr, eindeutig und sachlich ist, ob die Initiatoren sparsam und nachvollziehbar mit den eingesammelten Geldern arbeiten und ob die Verwendung der Spendenmittel kontrolliert wird.

Die Homepage des DZI verrät, wer das Siegel bekommen hat. Außerdem finden sich dort Tipps und aktuelle Informationen für Spender. Wer vom DZI geprüft werden möchte, muss allerdings dafür bezahlen – und das ist mancher Institution schlichtweg zu teuer. Folge: Wer das Siegel bekommt, gilt als seriös, doch wer es nicht hat, ist deshalb nicht unbedingt unseriös. Lokale Vereine und Initiativen beispielsweise haben nicht einmal eine Chance, das Siegel zu beantragen. Wer solchen Organisationen Geld zukommen lassen möchte, kann sich oftmals bei den Sozialverbänden und Bürgerbüros vor Ort über sie informieren.

Manch Anleger wird es allerdings nicht dabei belassen, einfach nur Geld zu geben. Für viele ist die Adventszeit auch ein Anlass, über verantwortungsvolle Formen der Geldanlage nachzudenken. Sie wollen zwar mit ihrem Kapital eine angemessene Verzinsung erzielen, aber nicht um jeden Preis. Dass immer mehr Menschen bei der Auswahl ihrer Geldanlage auch auf soziale, ethische und ökologische Gesichtspunkte achten, erklärt den Boom bei Anlageangeboten, die mit dem Etikett "nachhaltig" verkauft werden.

Das Problem der Auswahl stellt sich dabei indes in gleicher Weise wie beim Spenden. Denn es gibt in Deutschland mittlerweile viele Banken, die ökologische und ethisch orientierte Investments anbieten – Öko- und Naturbanken genauso wie herkömmliche Institute. Die Palette reicht dabei von konventionellen Sparanlagen, über spezielle Fondsprodukte bis hin zu unternehmerischen Beteiligungen. Schwierigkeit dabei: „Ethisch“ und „ökologisch“ sind keine exakt abgegrenzten und definierten Begriffe. Darunter versteht im Einzelfall jeder Anleger – und jedes Institut – etwas anderes. Für den einen reicht es bereits, dass ein Unternehmen seine Produktion so weit wie möglich ökologisch gestaltet, für andere wiederum kommt es grundsätzlich nicht in Frage, ein Sparkonto bei einer Bank zu eröffnen, die Unternehmen aus der Kernkraftwerks, Tabak- oder Automobilbranche zu ihren Kunden zählen.

Leider gibt es bislang noch kein allgemein anerkanntes „Öko-“ oder „Ethik-Siegel“ für Geldanlagen – quasi einen „Blauen Engel“ des Geldes. Dazu darf ein zweiter Gesichtspunkt nicht übersehen werden, nämlich ob es tatsächlich etwas bewirkt, wenn der Anleger zum Beispiel einen Spendenfonds oder ein Öko-Sparbuch auswählt. Dabei verzichtet der Sparer jeweils auf einen Teil der jährlichen Erträge, die als Förder- beziehungsweise Spendengelder in bestimmte Projekte fließen – Brot statt Zinsen sozusagen.

Ob und was der Anleger durch diesen Renditeverzicht bewirkt, ist eine Frage des Konzepts und der Projekte, die mit dem Geld unterstützt werden. Und nicht zuletzt stellt sich noch stärker die Frage, inwieweit die Verwendung der „gespendeten“ Gelder auch kontrolliert wird.

Kurzum: Wer sein Gewissen beruhigen und gezielt Gutes tun will, ist möglicherweise besser damit bedient, sein Geld ganz konventionell zu investieren und einen Teil der Erträge selbst abzuzweigen, um damit direkten Nutzen zu stiften. So hat es jeder selbst in der Hand, diejenigen Organisationen und Vereine zu unterstützen, die nach dem eigenen Verständnis am ehesten dem Begriff „ethisch“ oder „ökologisch“ entsprechen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes Händchen bei der Auswahl und ein besinnliches Weihnachtsfest.

Thomas Luther ist Finanzjournalist und beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dem Thema Geldanlage und hat eine Reihe von Büchern dazu veröffentlicht. Er arbeitet als freier Autor und Redakteur beim "Handelsblatt".

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Geld anlegen mit gutem Gewissen: Ein Schwerpunkt über ökologische und ethische Investments

 
Leser-Kommentare
  1. Jede Art von Geldspende ist offensichtlich immer und überall willkommen. Wünscht der Spender jedoch, dass sein Geld einem spezifischen Zweck zukommt, so sollte er sich gezielt an die betreffende Gruppe halten., der sein Interesse gilt. Ich zum Bespiel unterstütze Musikstudenten, die gewöhnlich bei der Stipendienverteilung schlechter abschneiden, denn die Industrie fördert vornehmlich technische und naturwissenschaftliche Studien.

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