Jahresrückblick Mein 2006

Prominente Autoren der ZEIT beschreiben, was für sie das wichtigste Ereignis und die bedeutendsten Entwicklungen in diesem Jahr waren. Als Erster

1. Alle Welt, auch die Bundesregierung – und ihre Wähler und Nichtwähler – schauen zu, wie die sudanesische Regierung einen Völkermord organisiert. Im Sudan sind inzwischen mehr als eine Million Menschen ermordet worden. Frauen werden vergewaltigt, Männer erschossen, Kinder erschlagen oder in den Hungertod getrieben. Die Schamlosigkeit der mächtigen Staaten der Welt angesichts des Genozids in Darfur ist grenzenlos.

2. Nach drei Jahren Krieg im Irak sind mindestens 250.000, wenn nicht gar 600.000 Menschen ums Leben gekommen. Dieser Krieg, „a war of choice“ (George W. Bush), hat sich längst zum Bürgerkrieg entwickelt. Nie zuvor hat ein amerikanischer Präsident ohne Rücksicht auf das Völkerrecht oder die Vereinten Nationen die Militärmacht seiner Nation mit vergleichbar verheerender politischer Wirkung eingesetzt. Der Nahe Osten brennt und keiner weiß, wie das Feuer zu löschen ist. Thank you, Mr. President .

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3. Die Fußball-WM – erst durch Sönke Wortmanns Film hat man erfahren, mit welch stumpfsinnigem Pep-Talk aus den chauvinistischen Untiefen der angebliche Kosmopolit Klinsmann seine Elf auf den Rasen schickte. Zuletzt hatte man ähnliches vom Nachkriegsreporter Herbert Zimmermann gehört: „Der Pole schießt schlecht.“ Aber schön war es doch?

4. Die Föderalismusreform. Jetzt steht es im Grundgesetz: Die Bundesrepublik hat sich zum Staatenbund verwandelt. Die Landesvertretungen in Berlin sind größer als die Botschaften fast aller anderen Nationen, die Unregierbarkeit der Nation baut sich ein Denkmal nach dem anderen.

5. Die EU-Erweiterung: Imperial overstretch – so nannten die Historiker die Ausdehnung des britischen Kolonialreichs bis an die Grenzen seiner Haltbarkeit. Das Europagefühl der 50er und 60er Jahre ist verdunstet – oder begraben unter Hunderttausenden raschelnder Vorschriftsseiten; die derzeit schönste: die Leiterregulierung. Vom Sprossenabstand bis zur Ermahnung, Leitern nicht mit dem Rücken zur Wand zu besteigen – alles ist in ihr enthalten, außer dem Verbot, das Gerät zu inhalieren.

6. Was Schönes: Es wird immer wärmer und wärmer und wärmer. Nicht so schön: Die Grünen glauben immer noch, der wachsende Energiebedarf der Welt sei auch ohne Atomenergie zu decken.

Weitere Jahresrückblicke finden Sie hier »

 
Leser-Kommentare
  1. so vorhersehbar, so vernünftig, so langweilig. Und bei Punkt 6 so dumm.

  2. 2. Danke

    Mir haben die angeführten Punkte gefallen. Also ich mein, die Tatbestände sind schrecklich - wie etwa der Irak-Krieg.
    Bei meinem letzten Berlin Besuch ist mir auch aufgefallen, wie groß die Landesvertretungen sind. Baden-Württemberg steht direkt neben Indien und ist genaus so groß und schmuck! Ich frage mich, was treiben die eigentich da drin? Auf den Potsdammer Platz gucken und ab und zu mal zum 'Inder' nebenan gehen und sich von Großmacht zu Großmacht über die Geschicke der Welt unterhalten??

    Herr Naumann, hat allerdings vergessen, dass die Landesvertretungen in Brüssel noch größer sind, als in Berlin. Dort kann man wenigstens das gute Champagner-Bier trinken und an der nächsten Verordnung mitarbeiten, um dann - wenn sie im Land wirksam wird, lauthals den Bürokratismus und den Berliner Zentralismus zu beklagen.
    Gibt es eigentlich den Begriff der Tyranei durch Überdemokratiesierung?

  3. Was haben Sie den erwartet? Das gehört nunmal auch zum Fußball, wer je ernsthaft gespielt hat wird die martialische Art nicht nur auf dem Platz sondern auch in der Kabine vernommen haben. Nur weil die besten Spieler der Erde jetzt in einem Opernhaus geehrt werden und fast jeder Intellektuelle auf einmal Fußballfan ist, ändert sich das Spiel nicht.

    Herr Klinsmann hat anscheinend die Spieler damit erreicht und das zählt ; vielleicht verstehen Sie keine andere Sprache, wie sollten sie auch, haben sie doch ihr Fußballerleben lang nur solches chauvinistisches Zeug gehört .

    Zu bemängeln bleibt desweiteren: die Zeit-Redaktion hat nie ein richtigen Bezug zum Fußball gefunden, was sich in unlesbaren Artikel äußert. Dafür ist der Rest der 'Zeit' singulär (Feuilleton-Deutsch für geil).

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