Allergien Nasenqual im Winter

Heuschnupfen unterm Weihnachtsbaum? Gab es bisher nicht. Aber jetzt lässt das milde Wetter die Pollen fliegen. und treibt eine Flut von Patienten zum Allergologen.

Auch die Birken machen Pollenallergikern jetzt zu schaffen

Auch die Birken machen Pollenallergikern jetzt zu schaffen

Strahlende warme Tage, Marienkäfer auf der Fensterbank, blühende Rapsfelder und Weidenkätzchen: Insbesondere den Süden Deutschlands hat der warme Dezember 2006 an der Jahreszeit zweifeln lassen. Das deutsche Wetter spielt verrückt, und wer nicht gern friert, hat Grund zur Freude.

13 Millionen deutsche Allergiker allerdings können sich für die milden Wintermonate wenig begeistern, und das aus gutem Grund: Obwohl der Dezember noch nicht einmal zwei Wochen alt ist, haben Frühblüher wie Haselnuss, Erle und Birke den warmen Hauch als Zeichen für den Aufbruch missverstanden. Ihre Pollen fliegen nun munter durch die Lüfte und ärgern sensible Nasen.

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Der Hamburger Hals-Nasen-Ohren-Arzt und Allergologe Bruno Schmolke wollte zunächst nicht glauben, dass die vielen Patienten in seinem Wartezimmer nicht etwa mit einer - der Jahreszeit angemessenen - Erkältung zu ihm kommen: „So etwas habe ich in meinen 32 Jahren Praxis noch nicht erlebt.“ Normalerweise sind November und Dezember pollenfreie Monate. Doch auffällig viele Allergiker verlangten in den letzten zwei Wochen nach der Hilfe des Spezialisten. „Auch zwei meiner Arzthelferinnen klagen über typische Beschwerden“, sagt Schmolke. Die Leiden der Heuverschnupften sprechen eine eigene Sprache: Niesattacken, Nasenkribbeln, tränende Augen und dazu der unangenehme Gaumenkitzel – kein normaler Schnupfen macht sich auf diese Weise bemerkbar.

Dabei reagiert schon fast jeder sechste Deutsche allergisch auf verschiedene Pollenarten. Bis zum Jahr 2015 könnte etwa die Hälfte der Menschen in Europa betroffen sein, lautet die Prognose der „Europäischen Akademie für Allergologie und klinische Immunologie“.

Normalerweise dauert die quälende Zeit von den Frühlings- über die Sommermonate an und endet im Herbst. Spätestens mit dem ersten Frost können Pollen-Allergiker dann aufatmen. „Liegt die Temperatur jedoch wie in den vergangenen Wochen längere Zeit über 10°C, setzt der Pollenflug eher ein“, so Schmolke. Die Leidenszeit der ohnehin schon geplagten Allergiker dehnt sich damit fast auf das gesamte Jahr aus.

Die Ökoklimatologin Annette Menzel von der TU München hat den Beginn der Haselnussblüte der vergangenen 50 Jahre ausgewertet. Ihr Ergebnis: „Der frühere Pollenflug ist ein Effekt der allgemeinen Erwärmung“. Und Menzel hat noch eine weitere Entdeckung gemacht: „Die Pflanzen breiten sich immer mehr aus: Sie klettern in die Höhe und wandern in Richtung der Pole.“ Allergieauslösende Pflanzen sind also mittlerweile dort zu finden, wo sie bislang keiner vermutete. Und für Pollenallergiker werden die Rückzugsmöglichkeiten immer kleiner.

Schnelle Hilfe ist deshalb auch bei winterlichem Pollenflug geboten: „Die Patienten bekommen ein kortisonhaltiges Nasenspray fürs freie Atmen und ein Antiallergikum gegen die restlichen Symptome an Augen, Rachen und Nase“, sagt Schmolke. Aber nur eine kräftige Abkühlung könnte für dauerhafte Erleichterung sorgen.

Jedoch hält sich der Winter allem Anschein nach auch weiterhin respektvoll fern. Wer trotz Allergie den Sonnenschein genießen will, der sollte sich in luftige Höhen begeben. Oberhalb von 1500 Metern sind kaum mehr Pollen unterwegs. – Das lässt den heiß ersehnten Skiurlaub noch einmal im ganz anderen Licht erscheinen.

 
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